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Welche Emotionen muss ein Elektroauto ansprechen?

Elektroautos müssen andere Emotionen wecken als Verbrenner. Der Artikel zeigt, warum Klang, Design und Beschleunigung allein nicht reichen und weshalb Alltagstauglichkeit die stärkste Emotion bleibt.
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2026
8
min Lesezeit
Elektroauto vor einem Restaurant

Welche Emotionen muss ein Elektroauto ansprechen?

Vor Kurzem stand ich vor der Aufgabe, auf einem Grundstück ohne Stromanschluss wuchernde Brombeeren zu entfernen. Ich musste auf einen motorisierten Seitenschneider zurückgreifen. Zuerst das Benzin einfüllen, natürlich ging was daneben. Der Benzingeruch lag sofort in der Luft. Mit dem kleinen Zweitaktmotor war es jedes Mal Glückssache, ob er nach ein, zwei oder noch mehr Zügen an der Schnur ansprang – gleichzeitig aber auch ein Glücksgefühl, wenn es dann klappte. Dann der heiße, laute, unruhige Motor direkt an meinem Arm beim Mähen. Trotzdem hat es Spaß gemacht, mit dem Gashebel die Drehzahl zu erhöhen und mit lautem Schrei des Motors in die Brombeeren zu stürzen.

Ganz ehrlich: Mein elektrisches Gerät wäre stärker, vibrationsärmer und springt sofort an. Aber: Mit Kabel ging es an diesem Ort nicht, und ein neues Akku-Gerät wäre zu teuer, zu schwer und hätte den Arbeitsauftrag auch nicht durchgehalten, zumindest nicht ohne einen weiteren teuren, schweren Akku. Nach dieser Erfahrung merkte ich, mein Arbeitstag war die perfekte Parallele zum Elektroauto und zum Klischee des „Petrolheads“, dem Autofan, der auf seinen lauten, stinkenden Verbrenner setzt. Heute geht es um die Emotionen, die bei einem Elektroauto fundamental anders sind – und darüber, ob die Hersteller auf der Suche nach einem Image für ihre Elektroautos vielleicht einen großen Teil ihrer Kundschaft vergessen haben.

Die unterschiedlichen emotionalen Welten von Verbrenner und E-Auto

Die Faszination eines Verbrenners speist sich bei denen, die schon in ihrer Jugend mit Autoquartetts einen Ferrari F40 gegen einen Jeep Wrangler ausgespielt haben, aus eben dieser rohen, multisensorischen und durchweg mechanischen Erfahrung. Es ist der Klang, die Vibration des Motors, der Geruch von Benzin und das Gefühl einer direkten Verbindung zur Technik. Das Elektroauto hingegen spricht komplett andere Emotionen an. Diese entstehen aus der ansatzlosen, lautlosen Beschleunigung, der digitalen, sauberen Anmutung der Technologie und dem Gefühl von Fortschritt und Nachhaltigkeit. Zwei völlig unterschiedliche Welten. Die Hersteller stehen aber vor der Aufgabe, beide zu bedienen.

Vom Öko-Pionier und Tech-Enthusiasten

Das ursprüngliche Image vom Elektroauto war geprägt von Vernunft und Sparsamkeit, verkörpert durch den Toyota Prius. Plötzlich fuhren Hollywood-Stars im Kleinwagen durch die Gegend, um die Welt zu retten. Doch auch ein Ashton Kutscher hält einen Prius nur eine Weile aus.

blauer Toyota Prius
Wenig Emotion und viel Vernunft bei der ersten Generation Toyota Prius - ⓒ Toyota

Es brauchte mehr als nur ein grünes Gewissen. BMW unternahm mit dem visionären i3 und dem Supersportwagen i8 einen mutigen Versuch, ein cooles, neues E-Auto-Image zu schaffen. Futuristisch, fortschrittlich. Und ein Supersportwagen mit Dreizylinder? Eigentlich schade, dass BMW bereits nach der ersten Generation schon wieder der Mut verlassen hat.

Erst Tesla definierte das E-Auto erfolgreich neu: als Statussymbol für die iPhone-Generation, mehr Software als Maschine. Das Model 3, dessen Facelift wir im Detail in einem weiteren Artikel beleuchten, wurde zum Sinnbild dieser neuen Ära, und andere Pioniere wie Polestar folgten dem Ruf des modernen, urbanen und technikaffinen Kunden. Doch diese Nische der Early Adopter ist endlich: Tech-Enthusiasten, fasziniert von der ansatzlosen Performance und digitalen Integration, sowie umweltbewusste Käufer, für die das Gefühl der Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Irgendwann hat jeder von ihnen ein Elektroauto – und anders als beim iPhone kauft man sich nicht jedes Jahr ein neues. Für den Durchbruch in der breiten Masse braucht es also mehr.

roter Tesla Model 3
Tesla Model 3 Performance - ⓒ Tesla

Tesla Model 3

  • Leistung: 208 kW (283 PS) bis 393 kW (534 PS)
  • Akku (netto): 57,5 kWh oder 75 kWh
  • Reichweite (WLTP): bis zu 629 km
  • Preis ab: 42.990 €

Strategien der Hersteller zur Schaffung neuer Emotionen

Da die klassische Mechanik fehlt, müssen die Emotionen eben auf andere Weise erzeugt werden. Der Klang zum Beispiel. Die Industrie setzt dabei auf ein ganzes Arsenal an technologischen Werkzeugen. Sounddesign als direkter Ersatz für den fehlenden Motorklang. BMW komponiert mit Hans Zimmer ganze Klangwelten für verschiedene Fahrmodi, die futuristisch klingen, während Porsche die realen Geräusche des E-Antriebs aufnimmt und daraus “den authentischen Taycan-Sound” komponiert. Auch das Lichtdesign spielt eine große Rolle; animierte Lichtbänder und Scheinwerfer, wie Hyundais „Parametric Pixels“, verleihen dem Auto einen Charakter. Der Innenraum wird zur "Lounge" mit riesigen Displays wie dem Mercedes Hyperscreen, radikalem Minimalismus bei Tesla und hochwertigen, nachhaltigen Materialien. Der stärkste emotionale Anker bleibt jedoch die Fahrdynamik: Die unmittelbare und oft brachiale Beschleunigung vermittelt zusammen mit dem tiefen Schwerpunkt sportliches Fahrgefühl.

Emotionale E-Autos für traditionelle Autoliebhaber

Der klassische GTI- oder Lamborghini-Fan fühlt sich von futuristischen Klangwelten und Lounge-Atmosphären wohl eher veräppelt. Hyundai glaubt, eine Antwort für diese Zielgruppe gefunden zu haben. Den Ioniq 5 N. Er ist der Versuch, die rohe Emotion eines Verbrenners in ein elektrisches Paket zu übersetzen. Der ADAC hebt im Test nicht nur die massive Leistung von bis zu 650 PS hervor, sondern vor allem die künstliche Geräuschkulisse, die das Auto „röhren lässt wie einen Verbrenner“. Gekoppelt mit simulierten Schaltvorgängen, die sogar Ruckler erzeugen, entsteht ein Fahrerlebnis, das gezielt die Sinne des traditionellen Autoliebhabers ansprechen soll.

blauer Ioniq 5 N
650 PS und ein simuliertes Schaltgetriebe sorgen im Ioniq 5 N für Emotionen - ⓒ Hyundai

Hyundai Ioniq 5 N

  • Leistung: 448 kW (609 PS), Boost 478 kW (650 PS)
  • Akku (netto): 84 kWh
  • Reichweite (WLTP): ca. 448 km
  • Preis ab: 74.900 €

Alltagstauglichkeit als entscheidender Faktor für die breite Masse

So wichtig die Emotionen für die Enthusiasten sind, die breite Masse hat andere Sorgen. Die alleinerziehende Mutter mit Wohnung in der Innenstadt braucht kein röhrendes E-Auto, sondern eine bezahlbare und praktische Lösung für ihren Alltag. Ihr Renault Twingo ist günstig, und sie kann sich nicht leisten, mit den Einkäufen 500 Meter von der nächsten öffentlichen Ladesäule zu ihrer Wohnung zu laufen. Für sie und Millionen andere gewinnt am Ende nicht das emotionalste, sondern das problemloseste Auto. Glücklicherweise haben auch das einige Hersteller inzwischen erkannt und bieten bezahlbare Elektro-Kleinwagen, die wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst haben.

vier VW ID Modelle
VWs ID-Familie sucht noch nach einem klaren Image - ⓒ VW

Rückkehr zu etablierten Modellnamen bei deutschen Herstellern

Genau diese Erkenntnis scheint sich auch in der Strategie der deutschen Hersteller niederzuschlagen. Nach einer Phase radikal eigenständiger E-Modelle (wie die frühen BMW i-, VW ID- oder die Mercedes EQ-Modelle) findet besonders bei den europäischen Herstellern eine Rückbesinnung statt. Mercedes wird die EQ-Kennzeichnung langsam auslaufen lassen und E-Antriebe in die etablierten Baureihen integrieren. Auch Volkswagen hat angekündigt, die ID.3-, 4- und 5-Nomenklatur aufzugeben und auf legendäre Namen zurückzugreifen. Der kommende elektrische Kleinwagen wird ID. Polo heißen, und auch ein ID. Golf gilt als sicher. Die Botschaft ist klar: Ein Golf soll sich wie ein Golf anfühlen, egal welcher Antrieb unter der Haube steckt. Man verkauft Vertrauen und bekannte Werte, nicht nur eine neue Technologie.

BMW Sportwagen in Garage
Die Herausforderung für die Hersteller ist es, neue Emotionen zu wecken ohne die alten zu vergessen. - ⓒ BMW

Futuristische Designansätze und neue Emotionen aus China

Während die deutschen Hersteller auf Evolution und ihr mühsam aufgebautes Image setzen, kommt der revolutionäre, futuristische Ansatz zunehmend aus China. Marken wie Nio, Xpeng oder GWM gestalten ihre Fahrzeuge von Grund auf digital und mit einem Design, das bewusst mit Konventionen bricht. Sie haben inzwischen aufgehört die Europäer zu kopieren und finden eine eigene Design-Sprache. Doch die neuen Herausforderer aus China, die wir in einer Analyse vorstellen, gehen noch einen Schritt weiter. Immer mehr setzen die Chinesen auf spezielle Gimmicks, um ihre Autos hervorstechen zu lassen. BYD zeigt den Schwimmenden Offroader oder mit dem Supersportwagen Yangwang U9 ein Hypercar, das nicht nur den Rekord von 496,2 km/h aufgestellt hat, sondern dank seiner innovativen Radaufhängung sogar auf der Stelle springen kann. Das sind Emotionen, wie sie unser zweiter Teil über die chinesischen Marken beschreibt: eine Demonstration von technologischer Macht, Geschwindigkeit und einem von Altlasten befreiten Selbstbewusstsein, das die etablierte Konkurrenz mit neuen Ideen herausfordert.

der elektrische Yangwang U9
Mit 496 km/h das schnellste Serienauto der Welt - der elektrische Yangwang U9 - ⓒ Yangwang

Warum Alltagstauglichkeit die stärkste Emotion ist

Die Suche nach allen möglichen Emotionen bei Elektroautos ist also weiter in vollem Gange. Für die Enthusiasten und Petrolheads entstehen faszinierende Nischenmodelle, die beweisen, dass auch Strom Gänsehaut erzeugen kann. Gleichzeitig zeigt die Rückkehr zu Namen wie Golf und Polo, dass viele europäische Hersteller die Zukunft nicht in der radikalen Neuerfindung, sondern in der Bewahrung bewährter Emotionen und Markenwerte sehen.

Für die breite Masse ist die Debatte über Sounddesign und Beschleunigung zweitrangig. Hier gewinnt am Ende der Hersteller, der das problemloseste und bezahlbarste Gesamtpaket anbietet. Gerade die Marken des Stellantis-Konzerns wie Opel, Peugeot oder Fiat besetzen mit ihren praktischen Transportern und mit den klassischen Elektro-Kombis, deren beliebteste Modelle wir hier zusammenfassen, diese wichtige Nische und setzen durch Synergieeffekte auf Kostenvorteile. Die größte emotionale Befriedigung wird für viele nicht das Fahren selbst sein, sondern die Gewissheit, dass das Laden einfach, der Preis fair und das Auto ein verlässlicher Partner im Alltag ist.

Der Umstieg auf ein passendes E-Auto muss nicht kompliziert sein. Wenn du dein aktuelles Elektroauto verkaufen möchtest, um den nächsten Schritt zu gehen, hilft dir Aampere dabei. So machst du nicht nur Platz für dein neues Fahrzeug, sondern ermöglichst auch anderen einen einfachen und fairen Einstieg in die bezahlbare Elektromobilität.

Quellen

ADAC: Chinesische Automarken: Alle Modelle für Deutschland

ADAC: Hyundai Ioniq 5 N: Dieses E-Auto röhrt wie ein Verbrenner

Porsche Newsroom: Sound-Symphonie: Der Klang des Porsche Taycan

sparneuwagen.de: VW ändert Strategie: Aus ID. 2all wird der ID. Polo

T-Online: Mercedes: Neue Bezeichnungen für EQ-Modelle

FAQ zu diesem Thema

Warum machen Elektroautos Geräusche?
Aus Sicherheitsgründen ist das Warngeräusch AVAS bei niedrigen Geschwindigkeiten gesetzlich vorgeschrieben, um Fußgänger zu schützen. Hersteller wie BMW oder Porsche ergänzen dies durch eigenes Sounddesign zur Markenbildung.
Hat der Hyundai Ioniq 5 N ein Schaltgetriebe?
Nein, er besitzt kein mechanisches Schaltgetriebe. Stattdessen werden Schaltvorgänge durch kurze Ruckler und angepasste Leistungsabgabe simuliert, um gemeinsam mit künstlichem Motorsound ein sportliches Verbrenner-Fahrgefühl zu erzeugen.
Welches E-Auto fühlt sich an wie ein Benziner?
Modelle wie der Hyundai Ioniq 5 N oder der Porsche Taycan setzen bewusst auf Sounddesign und sportliche Abstimmung, um ein emotionales Fahrerlebnis zu erzeugen. Auch elektrifizierte Klassiker zielen auf ein vertrautes Fahrgefühl ab.
Warum beschleunigen E-Autos so schnell?
Elektromotoren liefern ihr maximales Drehmoment sofort aus dem Stand. Ohne Schaltpausen oder Kupplungsverzögerung entsteht so eine gleichmäßige, kraftvolle Beschleunigung, die sich deutlich von Verbrennern unterscheidet.
Wie lange hält eine E-Auto-Batterie?
Die meisten Hersteller gewähren 8 Jahre oder 160.000 km Batteriegarantie mit mindestens 70 % Restkapazität. Die tatsächliche Lebensdauer ist oft länger und hängt stark von Nutzung und Ladezyklen ab.
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