Wallbox für zuhause auswählen: Was zählt und was du dir sparen kannst


Eigentlich, wenn man drüber nachdenkt, ist das doch verrückt. Mit dem Elektroauto muss ich nicht mehr an eine Tankstelle fahren. Ich kann es, genau wie mein Handy, einfach, komfortabel und günstig zuhause aufladen. Wer eine Solaranlage hat, der lädt sein Elektroauto besonders günstig mit Strom vom eigenen Dach, wenn die Sonne scheint. Damit das aber möglich ist, braucht man zuhause eine Lademöglichkeit. Den bei vielen Elektroautos mitgelieferten Ladeblock für die Haushaltssteckdose können wir dafür ausdrücklich nicht empfehlen. Der lädt mit maximal 3,2 kW und strapaziert die Haushaltssteckdose unnötig stark mit dieser Stromleistung. Ihr benötigt eine Wallbox. Doch welche? Es gibt große Unterschiede in Preis und Leistungsumfang. Eine einfache Box kann völlig genügen. Sobald du aber Solarstrom gezielt nutzen oder mehrere Autos laden möchtest und deine Wallbox zwischen deinem Haus und Auto kommunizieren soll, solltest du dich schlau machen.
Grund genug, sich das Thema einmal genauer anzuschauen. Wir haben hier im Aampere Blog bereits einen Artikel zu Wallbox-Kosten: Was Gerät, Installation und Betrieb wirklich kosten. Heute fassen wir für dich die möglichen Funktionen einer Wallbox zusammen, so dass du für dich die besten Entscheidungen treffen kannst, was deine Wallbox nun wirklich können muss.
Eine Wallbox ist mehr als eine Steckdose
Eine Wallbox verbindet das E-Auto kontrolliert mit der elektrischen Anlage. Beim üblichen AC-Laden zu Hause stimmt sie den Ladevorgang mit dem Auto ab. Das unterscheidet sie von einer gewöhnlichen Steckdose, an die man einfach einen Verbraucher anschließt.
Wenn du nur anstecken und laden willst, muss das verlässlich funktionieren. Eine App ist dafür nicht zwingend nötig. Du brauchst sie erst, wenn sie zusätzliche Aufgaben erledigen soll, etwa Ladezeiten steuern oder benötigte Verbrauchsdaten bereitstellen.
Wallbox kaufen: Erst den Stellplatz, dann das Gerät prüfen
Vor dem Kauf und der Installation solltest du entscheiden, wo die Wallbox installiert werden soll. Sie muss die Autos erreichen, das ist klar. Sie sollte aber gleichzeitig so nah wie möglich an einem Starkstromanschluss oder deinem Zählerschrank liegen, um den Installationsaufwand gering zu halten. Denn das treibt die Kosten in die Höhe.
Bei einem Miet- oder Gemeinschaftsstellplatz klärst du außerdem vorher Erlaubnis beziehungsweise Beschluss und das gemeinsame Installationskonzept mit dem Vermieter oder anderen Parteien. Das kann die Gerätewahl begrenzen.
Für draußen muss das Modell für die dortigen Bedingungen geeignet sein. Das heißt, du solltest prüfen, ob die Wallbox direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist und einen empfohlenen Temperaturbereich und den nötigen Schutz gegen Feuchtigkeit bietet. Der Montageort bestimmt auf verschiedene Weisen, welche Box praktisch ist und wie aufwändig der Anschluss wird. Lass einen eingetragenen Elektrofachbetrieb den Leitungsweg und die vorhandene Anlage beurteilen, bevor du bestellst.
Das Ladekabel muss auch zum nächsten Auto reichen
Denke unbedingt daran, das Ladekabel an der Wallbox lang genug zu wählen. Dein aktuelles Auto hat den Charging-Port vielleicht vorne und du kommst bequem dran. Dein nächstes Auto könnte den Stecker aber hinten benötigen. Dann möchtest du nicht das Kabel austauschen müssen. Schon gar nicht, wenn es ein fest verbautes Ladekabel an der Wallbox ist. Genau das ist mir passiert, und glaubt mir, das Kabel zu ersetzen ist ein Kostenpunkt, den ich mir gerne gespart hätte.
Solche Nachkäufe kannst du oft vermeiden, wenn du den Weg vorher prüfst. Denke vom montierten Gerät bis zur Ladebuchse, einschließlich der Strecke um das Auto herum. Das Kabel soll ohne Zug reichen und darf keinen Laufweg zur Stolperfalle machen.
Ein fest angeschlagenes Kabel ist bequem: Du nimmst den Stecker aus der Halterung und steckst ihn ins Auto. Es braucht allerdings einen passenden Ablageplatz. Bei einer Wallbox mit Typ-2-Steckdose verwendest du ein separates Kabel. Das lässt sich leichter wechseln oder mitnehmen, muss aber zum Laden an beiden Seiten eingesteckt werden. Welche Variante besser ist, ist persönliche Vorliebe.
Die übrigen Ausgaben einer Wallbox ordnet unser Artikel „Wallbox-Kosten: Was Gerät, Installation und Betrieb wirklich kosten“ ein.
Sicherheitsfunktionen einer Wallbox
Damit du sicher laden kannst, muss der Fachbetrieb die Stromleitung vor Überlastung und dich vor gefährlichen Fehlerströmen schützen. Dafür baut er die passenden Sicherungen und einen Fehlerstromschutzschalter, kurz FI, ein. Manche Wallboxen erkennen bereits bestimmte Fehlerströme selbst. Lass deshalb vor dem Kauf prüfen, welche Schutzfunktionen die Wallbox mitbringt und welche der Elektriker zusätzlich installieren muss.
An einem für andere zugänglichen Stellplatz kann zusätzlich eine Nutzerfreigabe sinnvoll sein, beispielsweise per RFID-Chip. Dann hältst du einen Chip zur Freigabe an die Wallbox und schützt dich so vor unerlaubter Nutzung, zum Beispiel der Nachbarn. In einer abgeschlossenen Einzelgarage brauchst du diese Funktion nicht.
Lies dazu gerne auch unseren Ratgeber Laden zuhause: Worauf du bei Wallbox, Steckdose und Ladeverlusten achten musst.
Wenn die Wallbox mit der Solaranlage sprechen soll
Wenn die Sonne scheint, kann dein Auto den Strom vom eigenen Dach nutzen und so den Strombezug aus dem Netz verringern. Für das sogenannte PV-Überschussladen muss die Wallbox mit der Messung und Steuerung deiner Anlage zusammenarbeiten.
Auch eine einfache Wallbox kann grundsätzlich Strom nutzen, der gerade vom Dach kommt. Bei uns zuhause passt die einfache Wallbox ihren Ladevorgang nicht anhand der Informationen der Solaranlage an. Wenn eine Wolke kommt, dann lädt das Auto mit voller Leistung weiter, aber dann kommt der Strom halt aus dem Netz.
Ein smartes Energiemanagement einer Wallbox erkennt, wie viel Leistung nach dem übrigen Hausverbrauch noch übrig ist, und kann das Laden daran anpassen. Dafür müssen die Komponenten miteinander kommunizieren können. Bei kleinen Überschüssen kann eine freigegebene automatische Umschaltung zwischen ein- und dreiphasigem Laden helfen. Einphasig braucht das Auto zum Starten des Ladevorgangs weniger Leistung und kann deshalb schon kleinere Solarüberschüsse nutzen.
Auch deine Standzeiten gehören in diese Entscheidung. Wenn das Auto an den meisten Tagen erst nach Sonnenuntergang nach Hause kommt, kann es den Solarüberschuss nicht direkt aufnehmen. Dann ist zu prüfen, wie viel Nutzen dir die Funktion im tatsächlichen Wochenablauf bringt. Dann sollte die Wallbox vielleicht besser mit dynamischen Stromtarifen arbeiten können.
Und wenn ich nach Strompreis laden will?
Bei einem dynamischen Stromtarif soll das Auto bevorzugt in günstigen Stunden laden. Das kann eine passende Steuerung übernehmen, ohne dass du jeden Abend selbst Preise verfolgst. Du brauchst dafür ein intelligentes Messsystem und eine zum Tarif passende Steuerlogik. Mehr dazu erfährst du im Beitrag „Dynamischer Stromtarif (Wie E-Auto-Besitzer von flexiblen Strompreisen profitieren können)“.
Das Auto powert das Haus
Bidirektionales Laden ist die Möglichkeit, das Elektroauto auch als Batterie für das eigene Zuhause zu verwenden. Wenn die Sonne scheint oder der Strom günstig ist, speichert das Auto den Strom. Später gibt es ihn wieder an das Haus ab. Die großen Batterien in Elektroautos machen dies möglich. Es gibt heute schon freigegebene Fahrzeug-System-Kombinationen. „Vehicle to Home“ bedeutet, Energie aus dem Auto im Haus zu nutzen; „Vehicle to Grid“ umfasst die Rückspeisung ins öffentliche Netz. Dafür müssen Fahrzeug, Ladegerät und Energiesystem zusammenpassen.
Mehr dazu findest du im Artikel Bidirektionales Laden: Diese Modelle können es schon heute.
Mehrere Nutzer und ein zweites Auto
Bei zwei Ladepunkten ist ein abgestimmtes Lastmanagement wichtig. Es verteilt die verfügbare Leistung. Prüfe vor dem Kauf, ob sich ein weiteres Gerät tatsächlich in dieselbe Regelung einbinden lässt. Die elektrische Planung und die Überlegung zu einer zweiten Lademöglichkeit erläutert der Ratgeber „Wallbox mit 11 oder 22 kW: Was du wirklich brauchst“.
Mobile Ladelösungen
Eine mobile Wallbox kann interessant sein, wenn du sie zu Hause und auf Reisen an geeigneten, geprüften Anschlüssen einsetzen möchtest. Damit ist nicht der Ladeblock für die Haushaltssteckdose gemeint. Es gibt Lademöglichkeiten, die du über einen CEE-Starkstromstecker anschließen kannst. Die kannst du problemlos mitnehmen, und kannst damit dein Auto dann auch am Starkstromanschluss am Wochenend- oder Ferienhaus laden.
Ladestrom messen und abrechnen
Wenn du Ladestrom gegenüber dem Arbeitgeber, dem Finanzamt oder anderen Nutzern abrechnen möchtest, gibt es Wallboxen mit mehreren Nutzerkonten, die genau dokumentieren, wer wann wie viel Strom geladen hat. Umgekehrt brauchst du für rein private Eigennutzung nicht pauschal eine eichrechtskonforme Wallbox. Dein persönlicher Abrechnungsfall entscheidet, welche Messung und welcher Datenexport nötig sind.
Steuerbar nach § 14a EnWG: was das für neue Wallboxen bedeutet
Seit dem 1. Januar 2024 gilt eine Regelung nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz für alle neu in Betrieb genommenen Verbrauchseinrichtungen ab 4,2 Kilowatt Netzanschlussleistung, und darunter fällt praktisch jede neue Wallbox. Netzbetreiber dürfen die Leistung bei akutem Überlastungsrisiko vorübergehend absenken, mindestens 4,2 Kilowatt bleiben laut ADAC erhalten. Im Gegenzug gelten reduzierte Netzentgelte. Anlagen, die vor diesem Datum ohne Steuerung in Betrieb waren, haben Bestandsschutz. Für die Gerätewahl heißt das vor allem eines: Eine Wallbox, die sich ohnehin regeln und ins Energiemanagement einbinden lässt, erfüllt die Anforderung von vornherein.
Welche Wallbox ist denn nun die beste für zuhause?
Es ändert sich viel in der Welt der Elektromobilität. Auch wenn du Funktionen heute noch nicht benötigst, könnte es für die Zukunft eine Option sein. Die ideale Wallbox erfüllt deine Bedürfnisse jetzt und lässt sinnvolle Erweiterungen zu. Auf der anderen Seite stehen die Kosten.
Ich selbst habe zuhause eine sehr einfache Wallbox, die schon länger zuverlässig ihre Arbeit tut. Ich brauche keine App und verzichte auf mehrere Benutzerkonten oder Chipfreigabe, da sie sicher bei uns in der Garage hängt. Aber wegen fehlender Funktionen wie der Kommunikation mit der Solaranlage oder der Möglichkeiten, zwei Elektroautos aufzuladen, denke ich über eine neue Wallbox nach. Oder soll ich warten, bis wir gleich bidirektionales Laden mit ausrüsten können? Die Entscheidung ist nicht einfach.
Entscheidend ist am Ende auch der Preis. Dein Auto kannst du auch mit einer Einsteiger-Wallbox zuhause laden. Wichtig ist die Sicherheit, die richtige Installation und Länge des Kabels. Zusätzliche Funktionen können für dich notwendig oder nice-to-have sein, dann lohnt sich ein Preis-Leistungs-Vergleich.
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Quellen und weiterführende Links:
- Bundesnetzagentur: Elektromobilität
- VDE: Technischer Leitfaden - Ladeinfrastruktur Elektromobilität
- Verbraucherzentrale: Elektroauto: Mit eigener Ladestation Solarstrom vom Dach laden
- SMA: SMA eCharger
- Bundesnetzagentur: Dynamische Stromtarife
- Volkswagen: Eigenen Strom clever managen: Erste ID. Modelle unterstützen bidirektionales Laden
- VDE: Bidirektionales Laden – Laden und Rückspeisen von Elektrofahrzeugen aus Sicht des Stromnetzes
- Bürgerliches Gesetzbuch: § 554 Barrierereduzierung, E-Mobilität, Einbruchsschutz und Steckersolargeräte; Wohnungseigentumsgesetz: § 20 Bauliche Veränderungen
- ADAC: Paragraf 14a EnWG, das gilt für steuerbare Wallboxen
- Bundesministerium der Finanzen: Steuerliche Behandlung der vom Arbeitnehmer selbst getragenen Stromkosten


