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Hannes Dollinger
Hannes Dollinger
09
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2026
6
min Lesezeit
Ein Mann überlegt zwischen einem BMW iX1 und einem BMW i5, welchen er zuerst laden soll, KI-generiert

Bei uns zu Hause laden inzwischen zwei Elektroautos an einer 11-kW-Wallbox. Das bedeutet: umstöpseln. Früher hätte mich das nervös gemacht. Was, wenn beide Autos abends fast leer ankommen und morgens wieder losmüssen? Mein Auto braucht schon von 20 auf 80 Prozent fast vier Stunden. Danach wäre das zweite dran. Muss ich dann nachts aufstehen, um den Stecker umzusetzen?

Ich habe mich schon öfter gefragt, ob ich eine neue Wallbox installieren sollte. Eine mit zwei Ladeanschlüssen, damit das Umstöpseln entfällt. Teilen sich beide Autos beim gleichzeitigen Laden die bisherigen 11 kW, lädt jedes langsamer als ein Auto allein. Mit insgesamt 22 kW könnte ich ein Auto viel schneller laden. Oder bei gleichmäßiger Aufteilung beide mit je 11 kW laden. Doch der Preis und der Aufwand für die Installation haben mich abgeschreckt. Was, wenn du aber gerade sowieso eine neue Wallbox anschließen lassen möchtest? Solltest du dann direkt an eine 22-kW-Wallbox denken? Wann bringt die höhere Leistung tatsächlich kürzere Ladezeiten, und rechtfertigt das die zusätzlichen Kosten und den Aufwand? Darum soll es in diesem Artikel gehen.

 

Ist eine 11-kW-Wallbox ausreichend?

Ich für mich habe entschieden, dass eine 11-kW-Wallbox reicht, auch mit zwei Autos. Wir ersetzen im Alltag den Verbrauch unserer Fahrten und laden selten zwei fast leere Batterien hintereinander. Deshalb bleibe ich bei 11 kW. Der mögliche Zeitgewinn rechtfertigt für unsere Situation nicht den Aufwand und die Zusatzkosten.

Ob das auch bei dir passt, hängt davon ab, wie viel Energie bis zur nächsten Fahrt nachgeladen werden muss. Wenn dein Auto nachts laden kann, ist es in der Regel am nächsten Morgen auch mit 11 kW wieder voll genug. Mit 11 kW kommen viele Haushalte gut aus. Knapp wird es, wenn regelmäßig viel Energie in wenig Standzeit in den Akku muss. Dann sind 22 kW einen genaueren Blick wert.

 

Kann ich zu Hause mit 22 kW laden?

Denn grundsätzlich kannst du dir auch eine 22-kW-Wallbox zuhause installieren, wenn Auto und Hausinstallation mitspielen und die nötige Zustimmung vorliegt. Die doppelte Leistung auf dem Karton bedeutet allerdings noch keine halbierte Ladezeit. Lädt dein Auto an einer Wallbox bereits mit seinen maximalen 11 kW, bringt ihm die stärkere Box allein keinen Zeitgewinn.

Schon das Gerät kann mehr kosten. Hinzu kommt möglicher Aufwand beim Einbau: Übliche 11- und 22-kW-Wallboxen nutzen drei Stromphasen. Die Spannung bleibt gleich; für 22 kW fließen aber bis zu 32 statt 16 Ampere je Phase. Dafür muss die Elektrik in deinem Zuhause ausgelegt sein. Ist die vorhandene Zuleitung ungeeignet, kann eine neue, dickere Leitung nötig werden. Auch die Absicherung oder die Stromverteilung können Anpassungen brauchen. Lass dir deshalb erklären, welcher zusätzliche Aufwand tatsächlich durch die höhere Leistung entsteht.

Dazu kommt ein Freigabeverfahren beim Netzbetreiber. Eine einzelne 11-kW-Wallbox muss grundsätzlich vor der Inbetriebnahme angemeldet werden; eine 22-kW-Wallbox braucht vorher seine Zustimmung. Der Netzbetreiber darf aber nicht nach Belieben ablehnen. Eine Verweigerung ist nur zulässig, wenn der Anschluss die sichere und störungsfreie Versorgung gefährden würde. Für neue private Wallboxen über 4,2 kW gelten seit Anfang 2024 zusätzlich Regeln, so dass der Netzbetreiber den Strombezug zum Laden bei drohender Überlastung des Stromnetzes vorübergehend begrenzen kann.

 

Eine 22 kW Wallbox an einer Garagenwand, KI-generiert

 

Erst das Auto prüfen

Die Hausinstallation kann also aufwendiger werden. Aber kann dein Auto die zusätzliche Leistung überhaupt nutzen? Beim Laden zu Hause liefert die Wallbox Wechselstrom, kurz AC. Ein Ladegerät im Auto, der Onboard-Charger oder Bordlader, wandelt ihn in Gleichstrom (DC) für die Batterie um. Seine Auslegung begrenzt die Ladeleistung. Für mehr Leistung müssen seine Bauteile entsprechend ausgelegt sein. Gleichzeitig muss der Bordlader bezahlbar bleiben und ins Auto passen. Viele Hersteller bleiben hier bei 11 kW, teils sogar weniger. Die leistungsstärkste Variante kann bei manchen Modellen als zusätzliche Ausstattung verfügbar sein.

Renault setzte beim ZOE schon recht früh auf 22 kW AC-Ladefähigkeit. Und das bei einem Kleinwagen. Dafür hatten die frühen Modelle keine Schnellladefunktion über DC-Strom. Ein anderes Beispiel ist der BMW i5. Hier sind 11 kW serienmäßig und 22 kW eine Sonderausstattung. Suche in den Unterlagen deiner genauen Variante nach „AC-Ladeleistung“ oder „Onboard-Charger“. Zum Vergleich: Beim DC-Laden übernimmt die Ladesäule die Umwandlung außerhalb des Autos.

 

Wie viel Ladezeit sparst du mit 22 kW?

Prinzipiell ist die Rechnung einfach. Doppelte Geschwindigkeit halbiert die Ladezeit. Ein paar Ladeverluste müssen wir mit einrechnen. Rechnen wir also die knapp vier Stunden aus meinem Auto nach: Bei einem nutzbaren 60-kWh-Akku fehlen von 20 auf 80 Prozent 36 kWh. Für dieses Beispiel nehmen wir an, dass 90 Prozent der bezogenen Energie im Akku ankommen. Dann müssen 40 kWh durch die Wallbox fließen. Bei konstanten 11 kW dauert das rund 3,6 Stunden, bei 22 kW rund 1,8 Stunden. Danach steht der Akku bei 80 Prozent, nicht bei 100. Denn auch mit AC-Laden mit 22 kW haben wir technisch gesehen eine Ladekurve. Auch hier kann zum Ende hin die Leistung weniger werden. Allerdings ist diese deutlich schwächer. In der Regel hält das Auto die Leistung deutlich gleichmäßiger.

 

Eine Frau lädt einen Opel Astra in ihrer Einfahrt, KI-generiert

 

Mehr zu Steckdose, Wallbox und Ladeverlusten findest du im Ratgeber Laden zuhause: Worauf du bei Wallbox, Steckdose und Ladeverlusten achten musst. Geht es dir dagegen um Wartezeiten auf Reisen, hilft dir der Ratgeber Laden unterwegs: Wie du den Tarif-Dschungel meisterst und wirklich Zeit sparst.

 

Zwei Autos: Brauche ich mehr Leistung oder einen zweiten Ladepunkt?

Ein zweiter Ladepunkt würde mir das Umstecken ersparen. Wie schnell beide Autos dann laden, hängt von der gemeinsam verfügbaren Leistung ab. Teilen sie sich insgesamt 11 kW gleichmäßig, bleiben je 5,5 kW. Bei insgesamt 22 kW wären es je Auto 11 kW. Davon können also auch zwei Autos profitieren, die einzeln gar keine 22 kW aufnehmen können.

Ein dynamisches Lastmanagement berücksichtigt den aktuellen Stromverbrauch des Hauses und steuert beide Ladepunkte: Läuft dort ein großer Verbraucher, bleibt vorübergehend weniger zum Laden. Stecken beide Autos dran, wird je nach Bedarf die Leistung verteilt. Danach kann die Ladeleistung wieder steigen.

 

Unter einem hölzernen Carport stehen ein Škoda Enyaq und ein Renault 5 an Wallboxen, KI-generiert

 

Das plant der Elektriker

Für den Kabelquerschnitt einer 22-kW-Wallbox gibt es keine brauchbare Universalzahl. Eine lange Zuleitung muss anders beurteilt werden als eine kurze. Auch die Verlegung und die vorhandenen Schutzmaßnahmen beeinflussen die Auslegung. Ein fachlich geprüftes Unternehmen plant und prüft die Anlage nach den geltenden elektrotechnischen Regeln und den örtlichen Anschlussbedingungen. Besprich dabei auch einen konkret geplanten zweiten Ladepunkt. So lässt sich die gemeinsame Anlage passend auslegen. Um den angebotenen Umfang einzuordnen, hilft dir Wallbox-Kosten: Was Gerät, Installation und Betrieb wirklich kosten.

 

Deine Entscheidung in fünf Fragen

Kann dein Auto 22 kW AC? Prüfe die genaue Ausstattung. Lädt es schon mit seinen maximalen 11 kW, wird es allein an einer stärkeren Box nicht schneller. Zwei gleichzeitig ladende Autos sind ein eigener Fall.

Reicht deine Standzeit mit 11 kW? Rechne die regelmäßig fehlende Energie durch. Eine seltene Ausnahme muss keinen dauerhaften Umbau rechtfertigen.

Trägt der Standort die gewünschte gemeinsame Leistung? Lass Anschluss und Lastmanagement prüfen. Für zwei Autos zählt, was beide Ladepunkte zusammen nutzen können.

Ist das Netzverfahren geklärt? Der Fachbetrieb stimmt Anmeldung, nötige Zustimmung und Steuerung mit dem Netzbetreiber ab.

Was sind die Mehrkosten? Vergleiche Gerät und Installation zusammen. Frage, welcher Aufpreis allein für 22 kW anfällt. Spart die stärkere Box im Alltag nichts Relevantes, gibt es keinen guten Grund, dafür mehr auszugeben.

Steht ohnehin ein Fahrzeugwechsel an, gehört dessen Ladeausstattung in diese Abwägung mit rein. Wenn du dein altes Elektroauto verkaufen willst, weil ein neues kommt, kannst du dein bisheriges Auto bei Aampere bewerten lassen: Kostenlos bewerten lassen

 

Quellen und weiterführende Links:

ADAC: Passende Wallbox finden leicht gemacht: Tipps und Tools

Mennekes: Wallbox 11 kW oder 22 kW?

Bundesnetzagentur: Integration von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen

Gesetze im Internet: § 19 Betrieb von elektrischen Anlagen, Verbrauchsgeräten und Ladeeinrichtungen, Eigenanlagen

Gesetze im Internet: § 20 Technische Anschlussbedingungen

VDE: Technischer Leitfaden Ladeinfrastruktur Elektromobilität

FAQ zu diesem Thema

Ist eine 11-kW-Wallbox ausreichend?
Für viele Haushalte ja. Maßgeblich sind Energiebedarf und Standzeit. Nutzt dein Auto bereits seine maximalen 11 kW, lädt es an einer 22-kW-Wallbox nicht schneller. Bei zwei Autos kann ein zweiter Ladepunkt das Umstecken ersparen.
Wann brauche ich eine 22-kW-Wallbox?
Wenn dein Auto die Mehrleistung nutzen kann und regelmäßig viel Energie in kurzer Zeit braucht. Auch zwei 11-kW-Autos können von insgesamt 22 kW profitieren. Für die passende Lösung müssen Hausinstallation und Netzbetreiber-Zustimmung geklärt sein.
Kann ich zu Hause mit 22 kW laden?
Ja, wenn Auto, Wallbox und Hausinstallation dafür geeignet sind und die nötige Zustimmung vorliegt. Lastmanagement oder eine netzseitige Begrenzung können die tatsächlich verfügbare Ladeleistung zeitweise senken.
Wird eine 22-kW-Wallbox genehmigt?
Der Netzbetreiber prüft die Voraussetzungen und muss sich binnen zwei Monaten nach Eingang der Mitteilung äußern. Das ist keine automatische Genehmigung. Bei Ablehnung muss er den Hinderungsgrund und mögliche Abhilfe erläutern.
Welchen Kabelquerschnitt braucht eine 22-kW-Wallbox?
Das legt die Elektrofachkraft für deinen Standort fest. Leitungslänge, Verlegung und Schutzmaßnahmen beeinflussen die Auslegung. Eine pauschale Quadratmillimeter-Angabe wäre keine sichere Grundlage für die Installation.
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