Ratgeber Laden unterwegs: Wie du den Tarif-Dschungel meisterst und wirklich Zeit sparst

Du besitzt keine eigene Wallbox oder planst die erste richtige Langstrecke mit deinem neuen Elektroauto? Bei vielen Elektroauto-Neulingen fährt die Reichweitenangst auf dem Beifahrersitz mit. Wenn du zum ersten Mal die Autobahnraststätte erreichst und vor dem Ladesäulen-Dschungel stehst, fragst du dich: Kann ich meine Ladekarte hier verwenden? Wie viel kostet mich der Strom hier? Und warum lädt das Auto nur mit 70 kW, obwohl die Säule 300 kW verspricht? Das Laden unterwegs funktioniert ganz anders als zuhause. Es geht neben dem Preis vor allem um Geschwindigkeit. Wie komme ich hier schnell wieder mit ausreichend vollem Akku weiter?
Wenn du planst, dir zuhause eine eigene Wallbox zu installieren, dann lies unseren Artikel über das Laden zuhause. Heute kümmern wir uns um das Laden unterwegs, in Städten, vor Geschäften und an der Autobahn.
An öffentlichen Ladesäulen dominieren zwei Steckertypen
Während du zuhause ausschließlich langsam mit Wechselstrom (AC) über den Typ-2-Stecker lädst, triffst du unterwegs auf zwei Systeme. In der Stadt und an Zielorten wie Hotels oder Supermärkten findest du häufig ebenfalls Typ-2-Säulen. Sie liefern meist 11 kW oder 22 kW AC-Leistung, wobei dein Auto die maximale AC-Ladeleistung vorgibt. Für die Langstrecke ist jedoch vor allem der CCS-Stecker (Combined Charging System) relevant. Er ist quasi ein Typ-2-Stecker mit zwei zusätzlichen dicken Kontakten für Gleichstrom (DC). Hier fließt der Strom direkt in den Akku, was Ladeleistungen von 50 kW bis über 350 kW ermöglicht.

In der Stadt und auf dem Land ist oft Geduld gefragt
Wer auf öffentliches Laden angewiesen ist, trifft auf sehr unterschiedliche Bedingungen. In vielen Innenstädten ist der Ausbau zwar fortgeschritten, doch die Realität sieht oft ernüchternd aus: Ladesäulen sind häufig durch Verbrenner oder Carsharing-Fahrzeuge zugeparkt, die gar nicht laden. Auf dem Land ist das Problem ein anderes: Hier sind die Abstände zwischen den Ladesäulen oft so groß, dass du nicht dort laden kannst wo du parken möchtest. Eine zuverlässige Lade-Option sind daher zunehmend öffentliche Einrichtungen. Supermärkte, Baumärkte oder Schwimmbäder rüsten ihre Parkplätze mit Ladesäulen auf. Das ist eine Win-Win-Situation: Du kannst die Ladezeit sinnvoll nutzen, während du deine Wocheneinkäufe erledigst oder im Schwimmbad bist, und fährst im besten Fall mit vollem Akku weiter.

Das Ladekarten-Chaos ist die größte Hürde beim Umstieg
Die Strompreise an öffentlichen Säulen schwanken teils viel stärker als die Preise für Benzin an Tankstellen. Du stehst vor der Wahl: Nutzt du das "Ad-hoc-Laden" per Kreditkarte oder QR-Code direkt an der Säule? Oder nutzt du eine Ladekarte eines Roaming-Anbieters (wie EnBW, ADAC oder diverse Stadtwerke), die an vielen verschiedenen Säulen funktioniert? Das Ad-hoc-Laden ist gesetzlich vorgeschrieben, aber fast immer die teurere Option. So kostet eine Kilowattstunde (kWh) an einer DC-Säule ohne Vertrag oft 79 Cent, wo du mit einem passenden Vertrag vielleicht nur 49 Cent bezahlst. Für Vielfahrer lohnt sich oft ein Tarif mit monatlicher Grundgebühr, der den DC-Preis weiter senkt.
Die 4-Stunden-Falle: Was du über Blockiergebühren wissen musst
Ein wichtiges Thema, das viele E-Auto-Neulinge überrascht, ist die sogenannte Blockiergebühr. Damit die Säulen nicht als Dauerparkplätze missbraucht werden, erheben fast alle Anbieter eine Gebühr für zu langes Stehen. Üblicherweise fällt diese Gebühr nach vier Stunden an und beträgt dann circa 10 Cent pro Minute. Das kann teuer werden, wenn das Auto über Nacht vollgeladen an der Säule hängen bleibt. Die gute Nachricht: Viele Anbieter setzen die Blockiergebühr nachts, meist zwischen 21 Uhr und 9 Uhr, aus. Du musst dein Auto also in der Regel nicht mitten in der Nacht umparken, solltest aber die genauen Bedingungen deines Tarifs prüfen und darauf achten, morgens rechtzeitig wegzufahren.
Die Ladekurve deines Autos ist wichtiger als die maximale Ladeleistung
Du steckst dein Auto an einer 350-kW-Säule an, doch es lädt nur mit 100 kW. Der Grund ist vermutlich die Ladekurve. Kein Auto kann seine maximale Ladeleistung über die gesamte Zeit halten. Wie der ADAC in Tests nachgewiesen hat, ist eine flache Ladekurve (z.B. ein Auto, das lange 150 kW hält) für die Reisedauer oft besser als eine hohe Spitze von zum Beispiel 250 kW, die nach wenigen Minuten stark abfällt. Entscheidend ist das ideale Ladefenster: Die höchste Leistung liegt meist zwischen einem Ladestand von 10 und 50 Prozent. Ab 80 Prozent bricht die Geschwindigkeit bei fast allen Modellen drastisch ein, um den Akku zu schonen.

Eine smarte Ladestrategie spart auf der Langstrecke viel Zeit
Profis laden auf der Langstrecke selten über 80 Prozent. Es ist fast immer schneller, mit 10 Prozent Restladung anzukommen, in 20 Minuten auf 60 oder 70 Prozent zu laden und weiterzufahren, als zu versuchen, den Akku auf 100 Prozent zu füllen. Der wichtigste Tipp ist jedoch die Vorkonditionierung: Der Akku muss für die maximale Ladeleistung warm sein (ca. 25-30 Grad). Wenn du die Ladesäule als Ziel ins Auto-Navi eingibst, heizen einige Autos den Akku auf dem Weg dorthin automatisch vor. Nutzt du hingegen Google Maps auf dem Handy, bleibt der Akku kalt und die Ladeleistung niedrig.
Die Zukunft des Schnellladens heißt Megawatt
Die Entwicklung bleibt nicht stehen. Auf der IAA 2025 zeigten Hersteller wie Mercedes-AMG bereits Konzepte für das sogenannte Megawatt-Laden mit über 1.000 kW. Diese Technologie ist primär für E-Lkw gedacht, wird aber auch in High-Performance-Pkw Einzug halten und die Ladezeiten auf wenige Minuten reduzieren. Bis dies im Alltag ankommt, werden aber noch einige Jahre vergehen.
Das Laden zuhause bleibt die komfortabelste und günstigste Basis
Das Schnellladen unterwegs ist die notwendige Lösung für die Langstrecke und für viele, die zuhause nicht laden können. Es ist und bleibt aber teurer als das Laden zuhause. Die komfortabelste und wirtschaftlichste Basis für die Elektromobilität bleibt die eigene Wallbox. Warum das so ist und wie du dabei teure Ladeverluste vermeidest, liest du im ersten Teil unserer Serie: Ratgeber Wallbox.
Quellen
ADAC: Ad-hoc-Preise an der Autobahn: Wer ohne Ladekarte lädt, zahlt drauf
ADAC: Parken an E-Ladesäulen mit und ohne Ladevorgang: Das gilt
ADAC: Elektroauto laden: Das sind die Voraussetzungen zu Hause und unterwegs
ADAC: Steckertypen und Ladekabel: Was passt für Ihr Elektroauto?
ADAC: Schnellladen Elektroauto: Die besten Modelle für die Langstrecke
EnBW: E-Auto richtig laden: 10 Tipps für Neulinge und Profis
FAQ zu diesem Thema
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