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Hannes Dollinger
Hannes Dollinger
20
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08
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2026
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Mann blickt neben einem ladenden Audi A6 Sportback e-tron an einer städtischen Ladesäule auf seine Armbanduhr. (KI-generiert)

Klar, am komfortabelsten ist es, das Elektroauto direkt zu Hause zu laden. Seit wir eine Solaranlage haben, lädt unser Elektroauto nicht mehr mit der zuhause möglichen Leistung von 11kW. Ich regle die Ladeleistung so, dass möglichst viel Strom vom eigenen Dach im Akku landet. Bei uns sind es an sonnigen Mittagen bis zu 8 kW. Mein BMW iX1 könnte auswärts mit bis zu 130 kW an einem DC Schnelllader Strom tanken. Verglichen mit den maximal 8 kW zu Hause ist das gut das 16-Fache. Aber zuhause stört mich das langsame Solarladen nicht, weil das Auto ohnehin vor der Tür steht. Ich stecke es vormittags an, und am Nachmittag ist es irgendwann fertig.

Unterwegs sieht das anders aus. Ich lade selten am Schnelllader. Mehr als 100 kW empfinde ich schon als schnell, wenn die Ladekurve diese Leistung eine Weile hält. 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent verspricht BMW für den iX1. Wer jeden Tag viele Kilometer fährt, wer auf dem Weg laden muss, dem ist das wohl aber zu wenig. Dann zählt jede Minute an der Säule. Den Unterschied zu 200, 300 oder 400 kW merkt man schon deutlich.

Wie lange lädt ein E-Auto also? Machen wir die Rechnung auf. Dafür brauchst du Akkugröße, Start- und Ziel-Ladestand sowie die tatsächlich verfügbare Ladeleistung.

 

Wie lange braucht ein E-Auto zum Laden? Die einfache Formel

Diese Formel reicht für die erste Überschlagsrechnung:

 

Ladezeit = nutzbare Akkugröße × Ladefenster ÷ Ladeleistung

Das klingt technischer, als es ist. Ein Auto mit 70-kWh-Akku soll von 10 auf 80 Prozent laden. Das Ladefenster umfasst also 70 Prozent des Akkus. Du musst demnach 49 kWh nachladen: Kilowatt, kurz kW, beschreiben hier das Ladetempo. 70 kWh × 0,70. Kilowattstunden, kurz kWh, sind die Energiemenge. Wir wollen herausfinden, wie viel Zeit (h) für 49 kWh benötigt werden.

An einer 11-kW-Wallbox ergeben 49 kWh geteilt durch 11 kW rechnerisch 4 Stunden und 27 Minuten. Das ist eine Idealzeit. Denn beim Laden entstehen Verluste, und die gewählte Leistung liegt nicht in jeder Situation dauerhaft an.

Im ADAC-Test lagen die fünf getesteten Fahrzeuge an 11- oder 22-kW-Wallboxen zwischen 5,1 und 7,0 Prozent Ladeverlusten. Nehmen wir für dieses Beispiel also 7 Prozent Verlust an. Dann müssen aus der Wallbox rund 52,7 kWh kommen, damit 49 kWh im Akku ankommen.

Die Rechnung lautet 49 kWh ÷ 0,93. Bei konstanten 11 kW dauert das rund 4 Stunden und 47 Minuten. Die 7 Prozent sind keine Pauschale für jedes Auto.

Nehmen wir als Gegenbeispiel das andere Extrem. Ein neues Elektroauto lädt mit 300 kW. Dann wären die 49 kWh aus unserem Beispiel rechnerisch in knapp zehn Minuten nachgeladen. Gegenüber 100 kW spart das in der Idealrechnung rund 20 Minuten. In der Praxis bleibt die Ladeleistung aber nicht konstant bei 300 kW. Der Akku erreicht diesen Spitzenwert meist nur für einen Teil der Ladezeit. Hier spricht man von der Ladekurve, die über die Ladezeit möglichst konstant sein soll, in der Realität aber besonders Grenzen abnimmt. Also in diesen ersten 10 Prozent beziehungsweise den letzten 20 Prozent. Deswegen sprechen die Hersteller so gerne von der Ladeleistung bei 10 bis 80 Prozent. Weil dort die Ladekurve besser aussieht. Und uns als Fahrern ein schnelles Nachladen ermöglicht, wenn wir nicht auf die letzten 20 Prozent warten müssen.

 

Porsche Taycan lädt an einem Schnellladepunkt, während ein Kaffeebecher im Vordergrund auf einem Tisch steht. (KI-generiert)

 

Ladezeit E-Auto: die ehrliche Tabelle für den Alltag

Die Tabelle nutzt immer dasselbe vergleichbare Rechenbeispiel: einen nutzbaren 70-kWh-Akku, das Fenster von 10 auf 80 Prozent und in dem Rahmen eine konstante Ladeleistung. Die Zeiten sind gerundete Idealwerte.

 

AlltagssituationRechengrößenIdeale LadezeitPraktische Bedeutung
Solargeregelt zu Hause70 kWh · 10–80 % · 8 kW6 Std. 8 Min.Vormittags anstecken, nachmittags fertig, falls 8 kW konstant anliegen.
11-kW-Wallbox70 kWh · 10–80 % · 11 kW4 Std. 27 Min.Passt bequem in eine längere Standzeit oder über Nacht.
Haushaltssteckdose70 kWh · 10–80 % · 2,3 kW21 Std. 18 Min.Nur eine Notlösung, keine Empfehlung für regelmäßige Dauerlast.
50-kW-DC-Lader70 kWh · 10–80 % · 50 kW59 Min.Eher eine längere Rast als ein kurzer Stopp.
100-kW-DC-Lader70 kWh · 10–80 % · 100 kW29 Min.Etwa die Länge einer Reisepause; die echte Ladekurve kann sie verlängern.
150-kW-DC-Lader70 kWh · 10–80 % · 150 kW20 Min.Für Vielfahrer interessant, wenn das Auto diese Leistung über einen guten Teil der Ladekurve hält.
300-kW-DC-Lader70 kWh · 10–80 % · 300 kW10 Min.Unter Idealbedingungen reicht eine kurze Kaffeepause. In der Praxis hält das Auto 300 kW nicht über das gesamte Ladefenster.

 

Zu Hause darf das Laden mehrere Stunden dauern

Die erste Tabellenzeile beschreibt meine Situation zu Hause. Die 8 kW sind der obere Wert unserer Solarregelung an einem sonnigen Mittag. Aber klar, Solarleistung schwankt. Und die 8kW kommen nur mittags an. Am Vormittag ist es weniger. Nachmittags ist die Sonne irgendwann hinter den Bäumen verschwunden. 6 Stunden lang dauerhaft 8kW wären ein Traum. Deshalb dauert der Vorgang länger als diese ideale Rechnung und eine Teil des Stroms kommt trotzdem aus dem Netz. Ob das Auto dann abends schon, mitten in der Nacht oder erst kurz vor der Abfahrt am Morgen fertig wird, spielt dann für mich kaum eine Rolle.

Die Haushaltssteckdose als Dauerlösung taugt nicht. Nicht nur wegen der extrem langsamen Ladung. Der ADAC weist ausdrücklich auf die Dauerlast und das Überhitzungsrisiko hin. Wenn sie im Ausnahmefall mal genutzt wird, sollte vorher die Installation fachlich geprüft werden. Mehr zur sicheren Lösung findest du unter Laden zuhause: Wallbox, Steckdose und Ladeverluste.

 

BMW iX1 lädt an einer Wallbox vor einem Haus mit Photovoltaikanlage. (KI-generiert)

 

Unterwegs ist Ladezeit gleich Reisezeit

Die Ladedauer eines E-Autos bei 50 kW beträgt im 70-kWh-Beispiel ideal 59 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Bei 100 kW sind es 29 Minuten. Eine halbe Stunde ist eine sehr ausgedehnte Reisepause: Toilette, Kaffee, ein paar Schritte. Mit konstanten 150 kW sinkt die Idealzeit schon auf 20 Minuten. Wer nur gelegentlich eine lange Strecke fährt, wird seinen Autokauf daran kaum allein festmachen. Wer mehrmals pro Woche unterwegs schnell lädt, spürt den Unterschied bei jedem Stopp. Und möchte wahrscheinlich ein Elektroauto mit 300kW oder sogar den noch nicht flächendeckend verfügbaren 400 oder mehr kW haben.

Für Tarife, Lade-Apps und die Wahl der Säule hilft dir der Ratgeber Laden unterwegs: Tarife und Schnellladen in der Praxis.

 

Ab 80 Prozent fällt die Ladeleistung meist deutlich.

Die Tabelle tut so, als bliebe die Leistung vom Anfang bis zum Ende gleich. In der Praxis bleibt sie nicht konstant. Bei niedrigem Ladestand kann das Auto seine höchste Leistung erreichen. Mit voller werdendem Akku reduziert das Batteriemanagement die Ladeleistung. Auf einer Reise lohnt es sich deshalb oft, nur so weit zu laden, wie du für die nächste sichere Etappe brauchst. Zu Hause darfst du bis zum gewünschten Ziel laden, weil das Auto dort ohnehin steht.

Wie weit dich der geladene Strom bringt, hängt anschließend vom Verbrauch ab. Autobahntempo, dein Fahrstil, Heizung oder Klimaanlage und Wetter verändern den Verbrauch, beim Elektroauto noch mehr als bei einem Benziner. Wenn du deine Etappen besser planen willst, lies weiter bei Welche Faktoren die Reichweite bestimmen.

 

Kälte: Vorkonditionieren spart Zeit an der Säule

Ein kalter Akku nimmt anfangs weniger Leistung an. Im ADAC-Test dauerte der Schnellladestopp mit kaltem Akku bei vier Testfahrzeugen rund 40 bis 70 Prozent länger. Beim getesteten Tesla Model Y wurden aus 33 Minuten insgesamt satte 56 Minuten. Das sind 23 Minuten zusätzliche Wartezeit.

Du kannst diesen Effekt je nach Auto abmildern. Plane den Schnelllader frühzeitig im Fahrzeugnavi ein, wenn dein Modell eine Funktion besitzt, die die Batterie dadurch vorkonditioniert. Dann wärmt das Auto den Akku schon während der Fahrt. Navigierst du nur mit dem Smartphone, startet die Funktion nicht automatisch. Prüfe deshalb im Handbuch, ob dein Auto die Vorkonditionierung auslösen kann. Eine warme Batterie kann im Winter den Halt verkürzen.

 

Frau blickt durch die Frontscheibe eines VW ID.3 auf ihr Smartphone, während das Auto an einem verschneiten Ladeplatz steht. (KI-generiert)

 

So schätzt du deine echte Ladedauer

1. Lege das Ladefenster fest. Zu Hause zählt der Strom bis zur nächsten Fahrt. Unterwegs ist 10 bis 80 Prozent eine gute Vergleichsgröße.

2. Berechne die Energiemenge. Multipliziere die nutzbare Akkugröße mit dem Ladefenster. Beim 70-kWh-Beispiel sind es 49 kWh.

3. Kenne das Leistungslimit. Vergleiche Auto und Ladepunkt. Rechne mit dem niedrigeren Wert. Es bringt keine Vorteile, an einer 300kW Ladesäule nicht einem Auto zu laden, das nur 130  kW ziehen kann.

4. Plane etwas mehr Zeit ein. Ladeverluste verlängern das Laden. Unterwegs kommen Ladekurve, Temperatur und möglicherweise eine mit anderen Autos geteilte Säulenleistung hinzu.

So hast du unterwegs eine Grundlage für die Planung deiner Fahrtzeit, auch mit den Ladestopps. Und wenn du neu in der Elektromobilität bist, keine Sorge. Nach ein paar Ladevorgängen hast du schnell ein gutes Gefühl für dein Auto und wie du es am praktischsten für deinen Alltag lädst.

Falls du schon länger Elektroauto fährst, ist es vielleicht bald Zeit für einen neuen? Passt dein E-Auto noch zu deinem Alltag? In 48h kostenlos den Fahrzeugwert bewerten lassen

 

Quellen und weiterführende Links:

FAQ zu diesem Thema

Wie lange braucht ein E-Auto zum Laden?
Teile die Energie im gewünschten Ladefenster durch die tatsächlich nutzbare Ladeleistung. Verluste, Ladekurve und Temperatur verlängern die Idealzeit.
Wie lange lädt ein 70-kWh-E-Auto an 11 kW?
Von 10 auf 80 Prozent müssen 49 kWh in den Akku. Ideal dauert das 4 Stunden 27 Minuten; mit beispielhaft 7 Prozent Ladeverlust rund 4 Stunden 47 Minuten.
Wie lang ist die Ladedauer eines E-Autos bei 50 kW?
Ein 70-kWh-Akku braucht von 10 auf 80 Prozent ideal 59 Minuten bei konstanten 50 kW. Die echte Ladekurve kann den Stopp verlängern.
Warum lädt ein E-Auto ab 80 Prozent langsamer?
Das Batteriemanagement senkt die Ladeleistung, um die Zellen zu schützen. Auf Reisen ist ein früheres Weiterfahren deshalb oft schneller.
Was bringt Vorkonditionieren im Winter?
Es wärmt den Akku vor dem Schnelllader vor. So kann das Auto früher eine höhere Ladeleistung annehmen und der Halt wird kürzer.
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