Wie lange hält der Akku im E-Auto? Und was das für den Restwert deines Autos bedeutet

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120.000 Kilometer stehen bereits auf dem Tacho deines Elektroautos. Der Arbeitsweg klappt weiterhin und am Abend bleibt noch genug Reichweite. Die Batterie hat dir nie Probleme bereitet. Doch jetzt soll trotzdem ein neues Auto her. Beim Verkauf deines alten Autos fragt ein Interessent: “Wie lange hält die Batterie noch?”
Was antwortest du?
Mit dem Alter im Fahrzeugschein kannst du diese Frage kaum beantworten. Auch der Kilometerstand reicht nicht, um eine klare Aussage zu treffen. Und subjektiv ist ja alles noch in Ordnung. Wenn du ein gebrauchtes E-Auto kaufen oder verkaufen möchtest, brauchst du deshalb einen professionellen Blick auf den tatsächlichen Batteriezustand.
Was beim E-Auto-Akku altert
Eine Batterie verliert mit der Zeit einen Teil ihrer nutzbaren Kapazität. Fachleute nennen diesen Vorgang Degradation. Im Alltag bemerkst du ihn vielleicht an der Reichweite. Ein Akku mit 90 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität treibt das Auto weiterhin ganz normal an. Du kommst abends zum Beispiel nur noch mit 30 Prozent Ladestand an, statt wie früher mit über 40 Prozent. Oder du musst auf derselben Strecke jetzt etwas früher laden.
Der State of Health, kurz SoH, beschreibt diesen Zustand in Prozent. Ein SoH von 90 Prozent bedeutet vereinfacht: Der Akku kann heute noch etwa 90 Prozent der Energie speichern, die ihm im Neuzustand zur Verfügung stand. Dieser Wert sagt dir bei einem Elektroauto mehr als der Kilometerstand allein. Wenn du wissen möchtest, wie du den Wert prüfen und belegen kannst, hilft dir unser Ratgeber zum SoH der Batterie.
Beim Akku wirken zwei Arten der Alterung zusammen. Die Zellen altern mit der Zeit, auch wenn das Auto wenig fährt. Hitze und ein sehr hoher Ladezustand können diesen Prozess beschleunigen. Gleichzeitig beansprucht jeder Ladezyklus die Batterie. Mehrere Teilladungen ergeben dabei zusammen einen vollständigen Zyklus.
Wie viele Jahre hält der Akku also? Eine feste Zahl kann man nicht vorhersagen. Ein sechs Jahre altes Langstreckenauto kann einen besseren Akku haben als ein jüngerer Wagen, der häufig vollgeladen in großer Hitze stand. Entscheidend für deinen Alltag ist eine andere Frage: Reicht die verbliebene Reichweite noch für deine typischen Strecken?
Was Langzeittests über die Haltbarkeit zeigen
Der ADAC fährt seit Mai 2021 einen VW ID.3 Pro S im Dauertest. Ein unabhängiger Batterietest misst regelmäßig den SoH. Die Ergebnisse zeigen, wie die Kapazität trotz der hohen Laufleistung sank:
Im Juli 2026 hatte der ID.3 nach mehr als 220.000 Kilometern noch einen SoH von 89 Prozent. Laut dem Bericht behandelte die Redaktion das Auto im Dauertest nicht besonders vorsichtig. Viele lange Strecken, Schnellladen, oder längere Standphasen mit vollem Akku tragen alle dazu bei, dass der Akku schneller an Kapazität verliert.
Dennoch sind über 220.000km und ein SoH von 89 Prozent ein solider Wert. Das sollte dir ein wenig die Angst vor schnell degradierenden Akkus nehmen. Klar, ein einzelner ID.3 verspricht dir natürlich nicht denselben Wert für jedes Modell. Er zeigt aber: Eine hohe Laufleistung bedeutet nicht automatisch einen schlechten Akku.
Größere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Arval untersuchte 2026 insgesamt 24.000 Batteriezertifikate aus elf europäischen Ländern. Bei 70.000 Kilometern lag die Restkapazität im Durchschnitt bei 93 Prozent. Selbst bei 160.000 Kilometern oder nach sechs Jahren blieb der durchschnittliche SoH über 90 Prozent.
Geotab wertete 22.700 Elektroautos aus 21 Modellreihen aus. Die Batterien verloren im Mittel 2,3 Prozent Kapazität pro Jahr. Hier zeigt sich: Moderne Traktionsbatterien verlieren ihre Kapazität normalerweise Schritt für Schritt und nicht plötzlich an einem bestimmten Geburtstag. Die Batterieleistung ist also ein Stück weit planbar.
Ein defekter Akku ist von der Garantie gedeckt
Ein Defekt ist etwas anderes als normale Alterung. Welche Möglichkeiten es gibt und mit welchen Kosten du rechnen musst, liest du in unserem Ratgeber zum Tausch des E-Auto-Akkus.
Recurrent untersuchte Batteriewechsel bei mehr als 30.000 Elektroautos. Außerhalb großer Rückrufe lag die Wechselquote über alle Baujahre unter vier Prozent. Bei Fahrzeugen ab Modelljahr 2022 waren es 0,3 Prozent. Die Daten stammen aus den USA und lassen sich nicht eins zu eins auf jedes Auto übertragen. Sie zeigen aber, wie selten junge Fahrzeuge einen kompletten Ersatzakku brauchen.
Beim Kauf eines Elektroautos lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die separate Batteriegarantie. Sie läuft bei vielen Herstellern deutlich länger als die allgemeine Fahrzeuggarantie und deckt neben technischen Defekten häufig auch einen übermäßigen Kapazitätsverlust ab.
So schonst du den Akku im Alltag
Hitze belastet die Zellen langfristig stärker als ein kühler Stellplatz. Besonders ungünstig ist es, wenn das Auto bei hohen Temperaturen lange mit fast vollem Akku steht. Im Winter sinkt die Reichweite dagegen nur vorübergehend. Kalte Zellen geben weniger Leistung ab und die Heizung braucht zusätzliche Energie. Sobald es wärmer wird, verschwindet dieser Effekt wieder.
Auch beim Schnellladen kommt es auf die Häufigkeit an. Ein Ladestopp auf der Urlaubsfahrt macht den Akku nicht plötzlich alt. In der Geotab-Auswertung alterten Fahrzeuge schneller, wenn sie häufig mit Gleichstrom und mehr als 100 kW luden. Diese Gruppe verlor durchschnittlich 3,0 Prozent Kapazität pro Jahr. Fahrzeuge mit überwiegend niedriger Ladeleistung kamen auf 1,5 Prozent Kapazitätsverlust.
Was bedeutet das für dich?
Zu Hause oder bei der Arbeit reicht Wechselstrom, wenn das Auto ohnehin mehrere Stunden steht. Unterwegs kannst du den Zeitvorteil eines Schnellladers nutzen.
Beim Ladezustand zählt vor allem die Dauer. Geotab sah eine deutlich höhere Alterung erst bei Fahrzeugen, die mehr als 80 Prozent ihrer gesamten Zeit fast voll oder fast leer standen. Der ADAC empfiehlt im Alltag meist ein Ladelimit von 80 Prozent. Vor einer langen Fahrt kannst du den Akku voll laden, wenn du kurz danach losfährst.
Drei einfache Gewohnheiten helfen:
- Nutze im Alltag das Ladelimit des Herstellers.
- Lass das Auto nicht lange mit fast vollem oder fast leerem Akku stehen.
- Nutze Schnellladen dann, wenn du den Zeitvorteil wirklich brauchst.
Was nach acht Jahren passiert
Acht Jahre oder 160.000 Kilometer bei mindestens 70 Prozent Restkapazität haben sich dabei als verbreiteter Standard etabliert: So halten es etwa Opel und Volkswagen. Tesla garantiert ebenfalls acht Jahre und mindestens 70 Prozent Kapazität, je nach Modell allerdings bis 160.000, 192.000 oder 240.000 Kilometer. Einige Hersteller gehen darüber hinaus: Für Mercedes EQE und EQS gelten beispielsweise zehn Jahre beziehungsweise bis zu 250.000 Kilometer. Gerade bei einem gebrauchten Elektroauto sollte die Batteriegarantie deshalb noch mehrere Jahre und ausreichend Kilometer übrig haben.
Andere Hersteller können andere Laufzeiten, Kilometergrenzen oder Bedingungen festlegen. Prüfe deshalb immer die Unterlagen des konkreten Fahrzeugs. Unser Ratgeber zur Akku-Garantie bei gebrauchten E-Autos zeigt dir, worauf du nach einem Besitzerwechsel achten solltest.
Nach dem Ende der Garantie fährt das Auto natürlich weiter. Mit sinkender Kapazität nimmt zuerst deine Reichweite ab. Ob dich das stört, hängt von deinen Strecken ab. Mit eigener Wallbox und kurzem Arbeitsweg können 75 Prozent SoH noch gut funktionieren. Wenn du regelmäßig lange Autobahnstrecken fährst, spürst du denselben Wert deutlich früher.
Kann ein Akku 20 Jahre halten? Das ist möglich. Eine allgemeine Zusage geben die heutigen Daten noch nicht her, weil Elektroautos dafür noch zu jung sind. Für deinen Kauf oder Verkauf hilft dir der aktuelle SoH deshalb mehr als eine theoretische Zahl über die maximale Lebensdauer.
Was der Akku beim Verkauf wert ist
Ein guter Akkuzustand schützt deinen Verkaufspreis. Ein auffällig schwacher Akku drückt ihn. Der SoH-Wert muss dafür immer zum Alter und Kilometerstand des Autos passen. 88 Prozent wären bei einem jungen Fahrzeug mit wenigen Kilometern eher schwach. Bei einem älteren E-Auto mit hoher Laufleistung können 88 Prozent dagegen ein gutes Ergebnis sein. Wie stark sich ein schwacher Akku auf den Wertverlust insgesamt auswirkt, zeigt unser Artikel zum Wertverlust bei Elektroautos. Welche Modelle ihren Wert besonders gut halten, siehst du im Ratgeber zum Wiederverkaufswert von E-Autos.
Einen festen Euro-Abschlag pro verlorenem SoH-Punkt gibt es nicht. Käufer achten darauf, welche Reichweite noch übrig ist, wie lange die Batteriegarantie gilt und ob ein unabhängiger Prüfbericht vorliegt. Auch Modell, Zustand und Nachfrage beeinflussen den Preis.
Wenn du verkaufst, solltest du den SoH deshalb messen lassen und das Batteriezertifikat zusammen mit den Garantieunterlagen vorlegen. Ein guter Messwert schafft Vertrauen und stärkt deine Preisverhandlung. Fällt der Akku schlechter aus als bei vergleichbaren Fahrzeugen, musst du eher mit einem niedrigeren Angebot rechnen.
Bei Tesla unterscheiden sich Garantie und Diagnose je nach Modell und Variante. Die Besonderheiten erklären wir dir im Ratgeber zur Tesla-Batterie.
Wenn du dein Elektroauto verkaufen möchtest, kannst du es bei Aampere bewerten lassen und den Top-Preis aus der Händlerauktion erhalten.
Quellen und weiterführende Links:
- ADAC: Dauertest: 220.000 km im VW ID.3 – hält der Akku?
- ADAC: Elektroauto: So schonen Sie den Akku am besten
- Arval: Electric vehicle batteries: Arval confirms longevity beyond expectations
- Deutsche Automobil Treuhand: Restwert von E-Autos: Diese Rolle spielt der Akkuzustand
- Geotab: How long do electric car batteries last? The updated guide to real-world EV battery health
- Recurrent: New Data: How Long Do Electric Car Batteries Last?
- TÜV NORD: Elektroauto-Akku richtig pflegen
- Opel: Batteriegarantie
- Tesla: Tesla-Fahrzeuggarantie
- Mercedes-Benz: Informationen zu Elektrofahrzeugen
- Volkswagen: Neuwagengarantie der Volkswagen AG, Stand Januar 2026


