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Paul Kühl
Paul Kühl
27
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08
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2026
4
min Lesezeit
Elektroauto lädt an der Wallbox – der Ladezustand sagt nichts über den SoH-Wert der Batterie aus

Die Reichweitenanzeige im Display täuscht mehr, als den meisten E-Auto-Besitzern bewusst ist: Sie schwankt mit Temperatur, Fahrstil und sogar der Route, sagt aber nichts darüber aus, wie viel von der ursprünglichen Batteriekapazität tatsächlich noch da ist. Genau diese Verwechslung sorgt für Ratlosigkeit, wenn in einer Gebrauchtwagenanzeige plötzlich ein Kürzel auftaucht, das mit der Reichweite gar nichts zu tun hat: SoH 84 %. State of Health, kurz SoH, ist der eigentliche Kennwert für den Zustand einer E-Auto-Batterie, unabhängig von Temperatur oder Fahrstil. Wer sein E-Auto verkaufen oder gebraucht kaufen will, kommt an diesem Wert kaum vorbei.

 

 

SoH und SoC: zwei Kürzel, die oft verwechselt werden

Der State of Charge (SoC) ist der aktuelle Ladezustand, die Tankanzeige des E-Autos. Er schwankt mehrmals täglich, je nachdem, wie viel Strom gerade in der Batterie steckt. Der State of Health (SoH) misst etwas ganz anderes: wie viel von der ursprünglichen Kapazität der Batterie insgesamt noch vorhanden ist, verglichen mit dem Neuzustand.

Eine neue Batterie startet bei rund 100 % SoH. Mit jedem Ladezyklus, mit Alter und mit Hitze verliert die Zellchemie etwas an Kapazität. Das ist normal und passiert bei jeder Lithium-Ionen-Batterie, ob im Smartphone oder im Auto. Der Unterschied zum Handy: Moderne E-Auto-Batterien sind aktiv gekühlt und viel größer dimensioniert, weshalb die Degradation deutlich langsamer verläuft.

Manche Fahrzeuge zeigen im Bordmenü einen batterieähnlichen Wert an. Der stammt dann aber vom herstellereigenen Batteriemanagementsystem und ist eine Schätzung des Herstellers, keine unabhängige Messung. Für den Verkauf zählt das wenig, weil ihn niemand von außen nachprüfen kann.

 

Wie du den SoH-Wert messen oder auslesen lässt

Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege, an den SoH-Wert zu kommen: die Selbstmessung und der unabhängige Test.

Am einfachsten ist ein OBD-Dongle mit App. Der reine Adapter kostet oft nur rund 25 Euro, für eine wirklich brauchbare Auswertung braucht es aber meist eine kostenpflichtige App wie Carly, mit Adapter und Jahresabo landet man dann eher bei 100 bis 150 Euro. Für den eigenen Überblick reicht das, als Nachweis gegenüber Käufern oder Händlern ist es wenig belastbar.

Mehr Gewicht haben unabhängige Tests von Prüforganisationen:

  • DEKRA (ca. 100 €, ca. 15 Minuten): liest die Batteriedaten während einer kurzen Testfahrt über die OBD-Schnittstelle aus und vergleicht sie mit einer Referenzdatenbank.
  • Hella Gutmann Solutions (vormals TÜV Rheinland Battery Quick Check, seit März 2025 übernommen): prüft über einen softwaregesteuerten Ladevorgang an der Wallbox.
  • TÜV Nord „Battery Health Check CARA Approved": dauert nur rund drei Minuten am stehenden Fahrzeug.
  • ADAC Hessen-Thüringen (mit Partner Aviloo, seit April 2026): unabhängiger Batteriecheck, das Zertifikat kommt per E-Mail.

 

Der Unterschied zählt beim Verkauf: Ein Zertifikat einer unabhängigen Stelle hat für einen Käufer oder Händler ein ganz anderes Gewicht als ein Screenshot aus einer App.

 

Diagnosegerät prüft den State of Health der E-Auto-Batterie über die OBD-Schnittstelle

 

Was der SoH-Wert wirklich aussagt und was nicht

Einen pauschalen Grenzwert, ab dem eine Batterie als „kaputt" gilt, gibt es nicht. Was es gibt, sind vertragliche Schwellen in den Herstellergarantien: Viele Autohersteller sichern innerhalb ihrer Batteriegarantie eine Mindestkapazität von häufig rund 70 % zu. Wie das im Detail funktioniert, haben wir im Artikel Garantie bei gebrauchten E-Autos: was der Akku-Zustand damit zu tun hat aufgeschlüsselt. Diese 70-Prozent-Grenze ist eine vertragliche Grenze für den Garantiefall, keine technische Aussage darüber, dass die Batterie darunter kaputt wäre. Die Degradation verläuft als Kurve, nicht als Kante.

SoH-Werte sind vor allem im Vergleich über die Zeit am selben Fahrzeug aussagekräftig. Zwischen unterschiedlichen Modellen und Batteriechemien lassen sich die Prozentwerte nicht 1:1 vergleichen, weil jeder Hersteller sein Messverfahren etwas anders kalibriert. Für ein einheitliches Verfahren fehlt aktuell noch ein Branchenstandard. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) arbeitet daran: Ab Ende November 2026 soll eine Pflicht zur Angabe der Batteriegesundheit für E-Autos gelten, ein verbindliches Prüfverfahren steht aber noch aus.

 

Warum ein dokumentierter SoH-Wert beim Verkauf den Unterschied macht

Für Käufer und Händler ist der Akkuzustand die größte Unsicherheit an einem gebrauchten E-Auto. Ohne einen Nachweis bleibt nur eine Vermutung, und Vermutungen werden im Gebot fast immer zulasten des Verkäufers eingepreist.

Bei unseren Versteigerungen sehen wir dieses Muster regelmäßig: Fahrzeuge mit einem unabhängigen SoH-Nachweis lassen sich für Händler deutlich einfacher kalkulieren als solche ohne. Jede fehlende Information zum Akkuzustand wird als Risiko behandelt, unabhängig davon, wie gut die Batterie tatsächlich ist. Wie stark sich der Akkuzustand insgesamt auf den Wertverlust beim E-Auto im Vergleich zum Verbrenner auswirkt, zeigt sich vor allem in den ersten Jahren nach der Erstzulassung.

Ein aktuelles SoH-Zertifikat nimmt Händlern also genau die Unsicherheit, die sonst in jedem Gebot mitschwingt. Lass dein E-Auto mit SoH-Beleg bewerten und hol dir einen Top-Preis aus unserer Auktion, statt die Unsicherheit den Händlern zu überlassen.

 

Quellen

  • ADAC Hessen-Thüringen / Aviloo: unabhängiger Batteriecheck seit April 2026 (adac.de)
  • VDA-Pläne für eine Pflicht zur Batteriegesundheits-Angabe ab Ende November 2026 (firmenauto.de)
  • DEKRA-, Hella-Gutmann- (vormals TÜV Rheinland) und TÜV-Nord-Testverfahren im Vergleich (mobile.de)

FAQ zu diesem Thema

Was bedeutet der SoH-Wert bei einer E-Auto-Batterie?
Der State of Health (SoH) zeigt, wie viel von der ursprünglichen Batteriekapazität im Vergleich zum Neuzustand noch nutzbar ist. Er ist unabhängig vom aktuellen Ladezustand.
Was ist der Unterschied zwischen SoH und SoC?
SoC (State of Charge) ist die aktuelle Akkufüllung, vergleichbar mit der Tankanzeige. SoH (State of Health) beschreibt die langfristige Gesundheit der Batterie, unabhängig davon, wie voll sie gerade ist.
Wie lasse ich den SoH meines E-Autos messen?
Am belastbarsten sind unabhängige Tests von DEKRA, TÜV oder dem ADAC-Partner Aviloo, die die Batterie über die OBD-Schnittstelle auslesen und ein Zertifikat ausstellen. OBD-Dongles mit App sind günstiger, aber für Käufer weniger aussagekräftig.
Ab welchem SoH-Wert gilt eine Batterie als schlecht?
Einen pauschalen Grenzwert gibt es nicht. Herstellergarantien sichern häufig eine Mindestkapazität von rund 70 % zu, das ist aber eine vertragliche Garantiegrenze, keine technische Schwelle für einen Defekt.
Lohnt sich ein SoH-Zertifikat beim Verkauf meines E-Autos?
Ja. Ein unabhängiger SoH-Nachweis nimmt Käufern und Händlern die größte Unsicherheit beim Akkuzustand und macht dein Fahrzeug leichter kalkulierbar, was sich im Gebot bemerkbar macht.
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