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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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2026
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Bei V2G lädt das E-Auto nicht nur Strom, sondern gibt es auch wieder ans Netz ab. Symbolbild KI-generiert

Dein E-Auto kommt mit dir abends nach Hause und wird geladen. So weit, so normal. Bei Vehicle to Grid kann irgendwann aber etwas passieren, das beim klassischen Laden undenkbar wäre: Der Strom dreht um.

V2G steht für Vehicle to Grid. Dabei kann dein E-Auto Energie nicht nur aus dem Stromnetz aufnehmen, sondern über eine bidirektionale Ladeeinrichtung auch wieder in das öffentliche Netz zurückspeisen. Damit wird der Akku zeitweise zu einem mobilen Speicher für das Energiesystem.

Das klingt zunächst nach einer riesigen Powerbank mit Nummernschild. Ganz so simpel ist es allerdings (leider) nicht. Damit V2G funktioniert, müssen Auto, Ladetechnik, Kommunikation, Messung und Energietarif zusammenspielen. Der Stand des Artikels ist Oktober 2026.

 

Vehicle to Grid: So funktioniert V2G Schritt für Schritt

Der entscheidende Unterschied zum normalen Laden steckt schon im Namen: Der Energiefluss funktioniert in beide Richtungen.

  1. Du schließt dein E-Auto an

Zuerst passiert etwas ziemlich Unspektakuläres. Das Auto wird zu Hause mit einer kompatiblen bidirektionalen Ladeeinrichtung verbunden.

Eine normale Wallbox kann Strom nur zum Fahrzeug schicken. Beim bidirektionalen Laden muss Energie zusätzlich aus dem Akku zurückfließen können.

Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeeinrichtung spielt dabei eine zentrale Rolle. Die internationale Norm ISO 15118-20 definiert Kommunikationsabläufe ausdrücklich auch für bidirektionale Energieübertragung.

  1. Du sagst dem System, was du morgen brauchst

V2G soll nicht allen Strom aus deinem Auto hergeben, selbst wenn ihn das Netz gerne hätte. Es soll morgens schließlich noch fahren können.

Bei aktuellen kommerziellen Lösungen kannst du deshalb Vorgaben zum gewünschten Ladezustand machen. Beim Angebot von BMW und E.ON stellt der Nutzer beispielsweise sein Ladeziel über die Fahrzeug-App ein. Das eigentliche Laden und Entladen übernimmt anschließend ein Algorithmus. Mobilität bleibt stets die Hauptaufgabe des Autos.

  1. Ein Energiesystem entscheidet über Laden und Entladen

Jetzt wird es spannend. Ist viel Strom verfügbar, kann das Fahrzeug Energie aufnehmen. Wird zu einem späteren Zeitpunkt Energie benötigt, kann ein Teil davon wieder zurück ins Netz fließen.

Das Bundeswirtschaftsministerium beschreibt genau darin den Nutzen von V2G: Viele Elektroautos zusammen könnten einen großen Flexibilitätspuffer bilden. Strom aus erneuerbaren Energien lässt sich zeitlich verschieben und zu einem späteren Zeitpunkt wieder bereitstellen.

Ein paar E-Autos stabilisieren natürlich nicht automatisch das deutsche Stromnetz, nur weil sie rückwärts laden können. Entscheidend ist eine intelligente Steuerung sehr vieler Fahrzeuge. V2G wird deshalb besonders interessant, wenn ein Energieanbieter oder Aggregator zahlreiche angeschlossene Autos gemeinsam steuern kann.

  1. Der Strom fließt zurück

Die Batterie eines Elektroautos arbeitet mit Gleichstrom. Das öffentliche Stromnetz arbeitet mit Wechselstrom. Irgendwo muss also der Strom (um)gewandelt werden.

Bei einer bidirektionalen DC-Lösung übernimmt die Leistungselektronik außerhalb des Autos diese Aufgabe. Bei einer AC-Lösung kann ein entsprechend ausgelegter Onboard-Charger im Fahrzeug den Strom umwandeln.

Welche Variante sich langfristig stärker durchsetzt, ist noch offen. Für dich als Nutzer ist ohnehin etwas anderes wichtiger: Fahrzeug und Ladeeinrichtung müssen ausdrücklich miteinander kompatibel sein. Eine Wallbox mit dem Wort „bidirektional“ auf dem Datenblatt reicht nicht automatisch aus.

  1. Gemessen und abgerechnet wird ebenfalls

Wenn dein Auto Energie für das öffentliche Netz bereitstellt, muss nachvollziehbar sein, wann Strom geladen und wann Strom abgegeben wurde. Aktuelle kommerzielle Angebote verbinden deshalb Fahrzeug, Wallbox, intelligentes Messsystem, Software und Stromtarif miteinander.

Dabei wird nicht zwingend nur jede eingespeiste Kilowattstunde bezahlt. BMW und E.ON vergüten bei ihrem aktuellen Angebot beispielsweise auch die Zeit, in der ein Fahrzeug für V2G angeschlossen und verfügbar ist. Mercedes-Benz und The Mobility House Energy verfolgen ebenfalls ein Modell, bei dem die Anschlusszeit eine Rolle spielt.

V2G bedeutet also nicht zwangsläufig: billig einkaufen, teuer verkaufen und nebenbei den persönlichen Stromhändler spielen. Das übernimmt das System.

 

Bei V2G fließt der Strom in beide Richtungen. Grafik KI-generiert

 

V2G, V2H und V2L im Vergleich

Bidirektionales Laden wird gerne als Sammelbegriff verwendet. Dahinter stecken aber drei ziemlich unterschiedliche Anwendungen.

 

FunktionStromflussAufgabe
V2Lvom Auto in ein GerätLaptop oder andere Verbraucher versorgen
V2Hvom Auto ins Hausgespeicherte Energie im Haushalt nutzen
V2Gvom Auto ins öffentliche StromnetzEnergie für das Netz bereitstellen

 

V2L ist damit die einfachste Variante. Das Fahrzeug verhält sich vereinfacht gesagt wie eine große Steckdose.

Bei V2H bleibt der Strom im eigenen Haus. Wenn du tiefer in diese Anwendungen einsteigen möchtest, findest du sie in unserem Beitrag Bidirektionales Laden im Überblick: E-Auto als Stromspeicher.

V2G geht einen großen Schritt weiter: Der Strom verlässt dein Haus und landet im öffentlichen Netz.

Welche Fahrzeuge die nötigen Funktionen bereits unterstützen, behandeln wir separat unter Diese E-Autos können bidirektional laden.

 

Was kann dein Akku tatsächlich bereitstellen?

Ein einfaches Beispiel macht die Dimension greifbarer. Nehmen wir ein Elektroauto mit 77 kWh nutzbarer Batteriekapazität. Du kommst am Abend mit 60 Prozent Ladezustand nach Hause und möchtest für die nächste Fahrt mindestens 40 Prozent im Akku behalten.

Zwischen diesen beiden Grenzen liegen rechnerisch gut 15 kWh Energie.

Das heißt ausdrücklich nicht, dass diese 15 kWh jeden Abend komplett ins Netz fließen. Das V2G-System kann nur innerhalb der vorgegebenen Grenzen arbeiten. Ob überhaupt entladen wird und wie viel Energie genutzt wird, hängt von Steuerung, Tarif, Netzsituation und Anbieter ab. Theoretisch können sogar mehr als diese 15 kWh eingespeist werden, wenn dein Auto zwischendurch wieder nachgeladen hat.

Das Beispiel zeigt, warum Elektroautos für das Energiesystem interessant sind: Schon ein einzelner Fahrzeugakku kann nennenswerte Energiemengen abgeben. Bei perspektivisch mehreren Millionen E-Autos kommt da einiges zusammen.

 

Ist V2G sinnvoll? Nutzen fürs Netz und für dich

Der Nutzen für das Stromsystem ist leicht zu verstehen. Wind und Sonne produzieren Strom nicht exakt dann, wenn wir ihn benötigen. Speicher können Energie zeitlich verschieben. Elektroautos bringen solche Speicher ohnehin mit. Bei „netzdienlicher Steuerung“ kann dies das Stromnetz entlasten, sagt auch die Bundesregierung.

Für den Besitzer ist die Nutzen-Aufwand-Rechnung individueller. Aktuelle Angebote zeigen zwei mögliche Vergütungswege: Geld für die Bereitstellung des Fahrzeugs und eine Vergütung für tatsächlich abgegebene Energie. Welche Kombination gilt, hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

Dazu kommt ein sehr banaler Faktor: Dein Auto muss herumstehen. Das klingt zunächst banal, schließlich steht ein Auto die meiste Zeit. Doch muss es eben auch dort stehen, wo eine bidirektionale Ladestation zur Verfügung steht. Je länger es angeschlossen ist und je flexibler der verfügbare Ladebereich ist, desto mehr Spielraum hat das System.

 

Was macht V2G mit dem Akku?

Hier lohnt sich etwas Skepsis gegenüber einfachen Antworten. Jede Nutzung eines Lithium-Ionen-Akkus gehört zu seinem Alterungsprozess. Zusätzliche Lade- und Entladevorgänge können deshalb auch zusätzliche zyklische Alterung verursachen. Wie groß dieser Effekt bei V2G tatsächlich ausfällt, lässt sich aber nicht mit einer pauschalen Prozentzahl beantworten.

Wissenschaftliche Arbeiten kommen je nach Zellchemie, Temperatur, Ladezustand, Entladetiefe und Betriebsstrategie zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine aktuelle quantitative Auswertung zahlreicher V2X-Studien zeigt entsprechend eine erhebliche Streuung der Resultate. Vor allem Temperatur, Ladezustand und die intelligente Optimierung des Betriebs spielen eine wichtige Rolle.

Die seriöse Antwort lautet deshalb nicht: V2G macht dem Akku nichts. Sie lautet jedoch ebenso wenig: V2G ruiniert deinen Akku.

Wenn dich der Batteriezustand grundsätzlich interessiert, erklären wir im Beitrag SoH der Batterie: Was der Wert bedeutet und wie du ihn misst.

 

V2G ist inzwischen mehr als ein Forschungsprojekt

Lange ließ sich Vehicle to Grid vor allem mit Forschungsfahrzeugen, Pilotanlagen und PowerPoint-Folien erklären. Das ändert sich seit 2026 deutlich. Noch ist der Markt allerdings stark von geschlossenen Ökosystemen geprägt.

Das Auto muss zum Ladegerät passen. Das Ladegerät muss zum Tarif passen. Der Tarif braucht die passende Messung. Wer einfach drei Produkte verschiedener Hersteller kauft, besitzt deshalb noch lange kein funktionierendes V2G-System.

Der rechtliche und regulatorische Rahmen für V2G in Deutschland entwickelt sich noch weiter. Lies deshalb vor einer Entscheidung die aktuellen Bedingungen des jeweiligen Anbieters.

 

Was V2G heute vor allem braucht

Technisch ist das Prinzip längst kein Hexenwerk mehr, auch wenn manch einer bei derart modernen Techniken stets dunkle Mächte wittern mag. Die spannendere Aufgabe besteht darin, aus vielen einzelnen Komponenten ein einfaches Produkt zu machen. Im Idealfall merkst du davon irgendwann kaum mehr etwas.

Du kommst nach Hause, steckst dein Auto ein und legst fest, wann du wie viel Reichweite brauchst. Den Rest erledigt das System im Hintergrund. Dann wäre das Elektroauto weiterhin zuerst ein Auto. Während es ohnehin herumsteht, hätte sein Akku allerdings einen gemeinnützigen Nebenjob mit Aufwandsentschädigung.

Und falls bei dir gerade ein Fahrzeugwechsel ansteht, kannst du in 48h prüfen, was dein E-Auto am Markt bringt.

 

Quellen

ISO: ISO 15118-20 zu Kommunikation und bidirektionaler Energieübertragung zwischen Elektroauto und Ladeeinrichtung, Ausgabe 2022.

VDE FNN: VDE-AR-N 4105 mit Anforderungen an rückspeisefähige Ladeeinrichtungen, gültige Fassung seit Februar 2026.

Bundeswirtschaftsministerium: Nutzen und Funktionsprinzip von V2G für Nutzer und Energiesystem, Stand Oktober 2024.

Bundesregierung: Bericht zu Flexibilität durch Elektrofahrzeuge und möglichen netzdienlichen V2G-Anwendungen, Stand Dezember 2024.

BMW Group: kommerzielles V2G-Angebot mit E.ON, Steuerung, Ladeziel und Vergütungsmodell, Stand Februar 2026.

Mercedes-Benz: kommerzielles V2G-Angebot mit The Mobility House Energy, Stand Oktober 2026.

Volkswagen Group: V2G-Paket von Volkswagen und Elli mit Charger, Tarif und App, Stand Juni 2026.

Journal of Power Sources: quantitative Auswertung von 37 Studien zum Einfluss von V2X auf die Batteriealterung, veröffentlicht 2025.

FAQ zu diesem Thema

Was ist V2G und wie funktioniert Vehicle to Grid?
V2G steht für Vehicle to Grid. Ein dafür ausgelegtes Elektroauto kann Strom nicht nur laden, sondern über eine kompatible bidirektionale Ladeeinrichtung wieder ins öffentliche Netz abgeben. Wann geladen oder entladen wird, steuert in kommerziellen Lösungen ein Energiesystem innerhalb der vom Nutzer festgelegten Grenzen.
Welche Voraussetzungen müssen E-Auto und Wallbox für V2G erfüllen?
Das Fahrzeug muss bidirektionale Energieübertragung unterstützen und vom Hersteller dafür freigegeben sein. Zusätzlich braucht es eine kompatible Ladeeinrichtung, passende Kommunikation, Messung und einen entsprechenden Energietarif. Eine allgemeine V2G-Fähigkeit bedeutet derzeit nicht automatisch herstellerübergreifende Kompatibilität.
Ist V2G in Deutschland bereits erlaubt und praktisch nutzbar?
Ja, erste kommerzielle V2G-Angebote sind in Deutschland verfügbar. Der regulatorische und technische Rahmen entwickelt sich jedoch weiter. Lies vor einer Entscheidung die aktuellen Bedingungen des Anbieters.
Ist V2G sinnvoll, wenn mein E-Auto tagsüber häufig unterwegs ist?
Das hängt stark vom Nutzungsprofil ab. V2G kann nur auf Batteriekapazität zugreifen, wenn das Fahrzeug angeschlossen ist. Je länger und regelmäßiger ein Auto am Ladepunkt steht, desto mehr Flexibilität kann es grundsätzlich bereitstellen. Die notwendige Energie für geplante Fahrten muss dabei berücksichtigt werden.
Schadet Vehicle to Grid der Batterie meines E-Autos?
Zusätzliche Lade- und Entladevorgänge können zur zyklischen Alterung beitragen. Wie stark, hängt unter anderem von Zellchemie, Temperatur, Ladezustand und Betriebsstrategie ab. Wissenschaftliche Untersuchungen liefern deshalb keine allgemeingültige Prozentzahl für den zusätzlichen Verschleiß durch V2G.
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