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Hannes Dollinger
Hannes Dollinger
02
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09
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2026
8
min Lesezeit
Ein grüner Renault 5 E-Tech lädt an einer Straßen-Ladesäule, während ein Mann den QR-Code an der Säule mit dem Smartphone scannt.
  1. Ein Mann hält sein Smartphone vor den gut sichtbaren QR-Code einer öffentlichen Ladesäule neben einem grünen Renault 5 E-Tech. KI-generiert.
  2. Eine Reihe Elektroautos lädt in einem vollständig belegten öffentlichen Ladepark. KI-generiert.
  3. Mehrere Elektroautos stehen in einem öffentlichen Ladepark unter einem großen Solardach. KI-generiert.
  4. Ein Fahrer bezahlt an einer öffentlichen Schnellladesäule mit einer Bankkarte, während sein Hyundai IONIQ 5 N lädt. KI-generiert.

 

 

Eine der größten Unsicherheiten von Neu-Elektro-Fahrern ist das Laden unterwegs. Wenn du ein Elektroauto kaufst oder least, bekommst du häufig vom Hersteller schon eine Ladekarte mit einem Probeabo für einen Ladetarif dazu. Aber reicht das? Und wenn du nicht die passende Karte hast, wie bekommst du dann Strom?

Öffentliches Laden sollte selbsterklärend sein. Preis sehen, Stecker anschließen, Bezahlen, fertig. Egal mit welchem Zahlungsmittel. Das ist nämlich auch gesetzlich so geregelt. Alle öffentlichen Schnelllader, die seit dem 13. April 2024 neu in Betrieb genommen wurden, müssen mit einem Kartenterminal ausgestattet sein, so dass das Bezahlen mit gängigen Debit- und Kreditkarten oder per Smartphone möglich ist. Das Problem dabei ist, dass die Kosten nicht geregelt sind. Ein Anbieter darf dafür viel höhere Preise nehmen. Deswegen schauen wir uns heute an, wie du dein Elektroauto ganz einfach ohne Ladekarte laden kannst, welche Möglichkeiten du hast und wo du auf die Preisunterschiede achten solltest.

 

Spontan ohne Konto: Bankkarte oder QR-Webzahlung

Ad-hoc-Laden heißt wörtlich so viel wie „im Augenblick“. Du kannst einen öffentlich zugänglichen Ladepunkt spontan nutzen, ohne dich zu registrieren oder eine dauerhafte Geschäftsbeziehung mit dem Betreiber einzugehen. Eine physische Ladekarte brauchst du dafür nicht. Eine Bankkarte oder ein Smartphone reichen.

In der Regel hast du vier Möglichkeiten: Ein Kartenterminal für deine Kredit- oder Debitkarte oder einen QR-Code, der zu einer Webzahlung führt, kannst du in der Regel ganz ohne Ladetarif nutzen. Wenn du einen Ladevertrag hast, kannst du einen Ladevorgang über eine Betreiber-App oder über Plug & Charge auch ohne physische Ladekarte starten.

 

Direkt am Kartenterminal bezahlen

Das Kartenterminal kommt dem Bezahlen an einer Tankstelle am nächsten. Du wählst den Ladepunkt, hältst deine Debit- oder Kreditkarte an das NFC-Feld und folgst der Anzeige. Je nach Säule verbindest du das Auto vorher oder nach der Freigabe. Achte auf die Kartenlogos am Terminal. Ein Terminal mit Kartenzahlung muss nicht automatisch jede girocard akzeptieren. Visa Debit, Debit Mastercard, Kreditkarten und girocard sind verschiedene Systeme.

Bei manchen Betreibern reserviert die Bank vorübergehend einen höheren Betrag auf der Karte. Der ADAC fand bei seinem Autobahn-Test Vorautorisierungen von bis zu 150 Euro. Der Restbetrag kann je nach Bank erst einige Tage später wieder freigegeben werden. Bei knappem Kontolimit kann eine Reservierung dieses Betrages stören.

 

Mehrere weiße Schnellladesäulen an einem Rastplatz, deren Kabel in einer Reihe geparkter Elektroautos stecken.

 

QR-Code scannen und im Web zahlen

Fehlt ein Terminal, führt häufig ein QR-Code auf eine mobile Bezahlseite. Dort wählst du den Anschluss, siehst den Preis und hinterlegst das angebotene Zahlungsmittel. In der Regel kannst du auch hier deine Kreditkarte oder Bezahldienste wie PayPal nutzen. Dafür ist normalerweise weder ein Download noch eine Registrierung nötig. Lästig kann es trotzdem sein, wenn du im Regen stehend neben der Säule erst deine Kreditkartendaten in ein kleines Feld auf deinem Handy eintippen musst.

Leider ist diese Methode nicht ganz sicher. Betrüger könnten den korrekten QR-Code mit einem eigenen Aufkleber überkleben und dich so zu einer eigenen Webadresse führen. Dort solltest du deine Daten nicht eingeben. Um sicherzugehen, solltest du einige Details prüfen. Gehört der QR-Aufkleber sichtbar zur Säule? Öffnet sich eine verschlüsselte HTTPS-Seite des Betreibers? Stimmen Standort, Ladepunkt und Preis? Wenn du unsicher bist, solltest du die Betreiber-Hotline wählen und den Vorgang abbrechen.

 

Digital mit vorheriger Einrichtung: App oder Plug & Charge

Wenn du einen Ladetarif hast, selbst wenn er ohne Grundgebühr ist, kannst du in der Regel auch ohne die physische Karte laden. Eine Betreiber-App kann die Ladekarte vollständig ersetzen. Du suchst den Ladepunkt in der App, wählst den Anschluss und startest den Vorgang vom Handy aus. Die Zahlung läuft über das hinterlegte Zahlungsmittel. Das ist praktisch, wenn das Terminal streikt oder du den Preis schon vor der Anfahrt prüfen willst.

Jetzt lädst du zwar ohne physische Karte, aber nicht mehr im engen Sinn ad hoc. IONITY unterscheidet zum Beispiel zwischen IONITY Direct für spontanes Laden und IONITY Go über die App; beide kommen ohne Abonnement aus, haben aber unterschiedliche Preise. Mehr zu den Preisen erfährst du später im Artikel.

 

Ladepark unter einem Solardach: ein BMW und ein VW ID. Buzz stehen mit weiteren Elektroautos an Gleichstrom-Ladesäulen.

 

Plug & Charge nutzen

Bei Plug & Charge steckst du einfach das Kabel ein. Fahrzeug und Ladesäule tauschen anschließend verschlüsselte Zertifikate aus. Die Station erkennt den hinterlegten Ladevertrag, startet automatisch und rechnet auch darüber ab. Grundlage ist ein Standard namens ISO 15118.

Das ist Laden ohne Karte und ohne Griff zum Smartphone. Ein kompatibles Auto, eine kompatible Säule und ein passender Vertrag müssen dafür aber zusammenspielen. Prüfe außerdem den hinterlegten Tarif, bevor du einsteckst. Manche Fahrzeuge starten sonst sofort über einen teureren Vertrag, obwohl ein anderer Bezahlweg günstiger wäre.

 

E-Auto laden mit deiner Geldkarte

In diesem Artikel soll es vor allem um das spontane Laden mit einer Kredit- oder Debitkarte gehen. Denn seien wir mal ehrlich, die unterschiedlichen Ladetarife und -karten sind besonders für gelegentliche Unterwegs-Lader lästig. Und die Unsicherheit im Tarifdschungel ist verständlich. Deswegen hat die EU nachgesteuert. Die „Alternative Fuels Infrastructure Regulation“, kurz AFIR, gilt seit dem 13. April 2024. Sie verpflichtet Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte zum Ad-hoc-Laden. Für neu in Betrieb genommene Anlagen richten sich die vorgeschriebenen Zahlungswege nach der Leistung des größten Ladepunkts der Ladeeinrichtung.

Bei 50 kW oder mehr muss die Zahlung mit einem Kartenleser oder einem kontaktlosen Gerät möglich sein, das mindestens Zahlungskarten lesen kann. Unter 50 kW kann der Betreiber die Ad-hoc-Zahlung auch über ein sicheres, internetbasiertes Zahlungsmittel ohne Registrierung ermöglichen. Eine mobile Webseite über einen QR-Code ist das typische Beispiel.

Eine neue 150-kW-Schnellladesäule darf dich also nicht allein in eine registrierungspflichtige Betreiber-App zwingen. Ein neuer 22-kW-Ladepunkt kann die Ad-hoc-Zahlung dagegen über eine solche Webseite lösen. Ein zentrales Zahlungsterminal darf mehrere Ladepunkte am selben Standort bedienen. Du findest deshalb nicht zwingend an jedem einzelnen Gehäuse einen Kartenleser.

Für ältere Säulen gibt es keine pauschale sofortige Nachrüstpflicht. Öffentlich zugängliche Ladepunkte, die vor dem 13. April 2024 entlang des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-V) oder auf einem gesicherten Parkplatz errichtet wurden, müssen die AFIR-Zahlungsanforderungen spätestens ab dem 1. Januar 2027 erfüllen. Eine ältere Säule abseits dieser Bereiche kann also weiterhin nur QR-Code, App oder Ladekarte anbieten.

 

Laden ohne Vertrag: Was Direktzahlen an der Ladesäule kostet

Wenn es um den Preis geht, kommen wir zu dem größten Ärgernis in der modernen Welt der Elektromobilität. Betreiber ändern ihre Tarife. Manche Preise unterscheiden sich nach Standort, Ladeleistung oder Zugangsweg. EnBW nennt Preise an Ladepunkten anderer Betreiber „variabel“, wenn sie je Ladepunkt abweichen und sich ändern können. IONITY weist ebenfalls darauf hin, dass selbst innerhalb eines Landes standortabhängige Preise möglich sind.

An öffentlichen Säulen, die seit dem 13. April 2024 in Betrieb sind, muss der Ad-hoc-Endpreis deswegen vor dem Laden bekannt sein. Für ältere öffentliche Säulen verweist die Bundesnetzagentur weiterhin auf eine gut sichtbare Angabe des kWh-Preises und möglicher Grundpreise. Es zählt immer die Anzeige unmittelbar vor dem Start.

 

Ein Mann hält seine Karte an das Kartenterminal einer Ladesäule, während daneben ein hellblauer Hyundai Ioniq 5 N lädt.

 

Hohe Preisunterschiede: Vergleich der Anbieter

Nehmen wir an, du willst dein Elektroauto spontan um 40 kWh nachladen. Wie viel kostet das im Vergleich zu dem passenden Ladetarif? Die folgenden Beispiele zeigen dir den Abstand zwischen spontaner Zahlung und einem zu der jeweiligen Ladesäule passenden Tarif. Die Tarife wählen wir ohne Grundgebühr. In bezahlten Tarifen sind die Preise pro kWh teils geringer. Sie sind keine Anbieterempfehlung. Stand ist September 2026:

  • EWE Go: Ad-hoc per QR-Code oder Terminal kostet laut FAQ 0,84 Euro/kWh. Im registrierten EWE-Go-Tarif kostet dieselbe Energiemenge an EWE-Go-Stationen 0,52 Euro/kWh. Bei 40 kWh sind das 33,60 statt 20,80 Euro, ein Unterschied von 12,80 Euro.
  • Aral pulse: An eigenen DC-Säulen über 50 kW nennt Aral 0,79 Euro/kWh im Ladesäulentarif per Kreditkarte, QR-Code oder App ohne Registrierung. Der registrierte Klassik-Tarif ohne Grundgebühr liegt bei 0,62 Euro/kWh. Für 40 kWh ergeben sich 31,60 statt 24,80 Euro. Die Differenz beträgt 6,80 Euro.
  • IONITY: Die im Februar 2026 veröffentlichten Deutschlandpreise sind schon wieder angestiegen. Aktuell liegen sie bei 0,72 Euro/kWh für IONITY Direct und 0,68 Euro/kWh für IONITY Go in der App. Bei 40 kWh beträgt der Abstand 1,60 Euro.

 

Die Rechnung zeigt: Ad-hoc kann fast gleich teuer sein oder deutlich mehr kosten. Bei regelmäßigem öffentlichem Laden kann ein Tarif für dich deutlich günstiger sein. In unserem Beispiel summiert sich der Aufpreis von 17 Cent bei vier 40-kWh-Ladungen pro Monat, zum Beispiel bei Aral pulse, auf 27,20 Euro.

Für gelegentliche Stopps kann der höhere Ad-hoc-Preis vernünftig sein. Du sparst dir eine laufende Grundgebühr und ein weiteres Konto. Auf regelmäßigen Strecken lohnt sich ein Tarifvergleich. Prüfe also, welcher Ladetarif und Kartentyp zu dir passt, und vergleiche Grundgebühr, Netzabdeckung auf deiner Strecke sowie kWh-Preise.

Unser Ratgeber Laden unterwegs: den Tarif-Dschungel meistern zeigt dir, welche Kosten neben dem kWh-Preis zählen.

Vor einer langen Fahrt solltest du sicherheitshalber zwei funktionierende Zahlungswege einplanen. Suche dir zumindest einen Anbieter ohne Grundgebühr und speichere die Betreiber-App. Auf der Route kannst du Ausweichstationen prüfen. Unabhängige Apps zur Ladeplanung wie „A Better Routeplanner (ABRP)“ können dir dabei helfen. Weitere Hinweise findest du unter Mit dem Elektroauto in den Urlaub: Laden auf Langstrecke.

Und falls dein aktuelles E-Auto nicht mehr zu deinem Fahr- und Ladeprofil passt, kannst du bei Aampere kostenlos herausfinden, was dein E-Auto heute wert ist.

 

Quellen und weiterführende Links:

  1. ADAC: Ad-hoc-Preise an der Autobahn – Wer ohne Ladekarte lädt, zahlt drauf
  2. ADAC: Plug & Charge – So funktioniert das E-Auto-Laden ohne Karte
  3. ADAC: E-Autos – Vorsicht bei Quishing-Betrug an der Ladesäule
  4. Aral pulse: Tarife und Bezahlmethoden
  5. Bundesnetzagentur: E-Mobilität – FAQ und Begriffe
  6. EnBW: Ladetarife für das Laden unterwegs
  7. EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe
  8. EWE Go: Ladetarif
  9. IONITY Support: Wie viel kostet das Laden bei IONITY?

FAQ zu diesem Thema

Kann ich mein E-Auto ohne Ladekarte laden?
Ja. Möglich sind Kartenterminal, QR-Code mit Webzahlung, eine Betreiber-App oder Plug & Charge. Welche Option funktioniert, hängt von Säule, Betreiber und Fahrzeug ab.
Kann ich an jeder Ladesäule mit EC-Karte bezahlen?
Nein. „EC-Karte“ meint meist girocard. Prüfe die Akzeptanzlogos am Terminal. Viele Säulen nehmen Debit- oder Kreditkarten, aber nicht zwangsläufig jede girocard.
Brauche ich für Ad-hoc-Laden ein Konto oder einen Vertrag?
Nein. Echtes Ad-hoc-Laden funktioniert ohne Registrierung und dauerhafte Geschäftsbeziehung. Eine App kann trotzdem ein Konto oder einen Tarif verlangen.
Muss jede neue Ladesäule ein Kartenterminal haben?
Nein. Ab 50 kW verlangt die AFIR Kartenleser oder kontaktlose Kartenzahlung. Unter 50 kW kann auch eine sichere Webzahlung ohne Registrierung genügen.
Ist Plug & Charge dasselbe wie Ad-hoc-Laden?
Meist nicht. Plug & Charge startet ohne Karte oder App, rechnet aber gewöhnlich über einen vorher hinterlegten Ladevertrag ab.
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