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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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29
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2026
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Bei gebrauchten Elektroautos ist der SoH deutlich relevanter als die Bruttokapazität. Symbolbild KI-generiert

Ein 82 kWh fassender Akku wird in der Anzeige beworben, im technischen Datenblatt sind plötzlich nur 77 kWh nutzbar. Und beim Batterietest des gebrauchten E-Autos bleiben davon vielleicht noch 72 kWh übrig.

Drei Zahlen für denselben Akku, und wir helfen dir dabei, den Überblick zu behalten.

Bei der E-Auto-Batterie-Kapazität musst du zwischen Brutto- und Nettokapazität unterscheiden. Brutto beschreibt vereinfacht den gesamten Energieinhalt des Akkus, netto den Bereich, den dir das Batteriemanagement tatsächlich zum Fahren zur Verfügung stellt. Bei einem gebrauchten E-Auto kommt eine dritte Größe hinzu: Durch Alterung kann die heute tatsächlich verfügbare Kapazität (State of Health) niedriger liegen als der Netto-Neuwert.

Wer einen Gebrauchten sucht, sollte deshalb nicht nur fragen: „Wie groß ist der Akku?“ Die besseren Fragen lauten: Welche Kapazität war ursprünglich nutzbar? Und was ist heute davon übrig?

 

E-Auto-Akku-Kapazität: brutto und netto sind nicht dasselbe

Ein Lithium-Ionen-Akku mag es nicht besonders, bis an seine chemischen Grenzen gequält zu werden. Deshalb stellt das Batteriemanagement im Normalfall nicht den gesamten Energieinhalt für den Fahrbetrieb zur Verfügung.

Ein Bereich bleibt als Puffer reserviert. Er soll unter anderem verhindern, dass die Zellen ständig bis zu ihren Extremzuständen geladen oder entladen werden.

Genau daraus ergeben sich die zwei Kapazitätsangaben:

Bruttokapazität: gesamter Energieinhalt des Batteriesystems.

Nettokapazität: davon im normalen Fahrbetrieb nutzbarer Energieinhalt.

Die gute Nachricht: Netto liegt hier nicht so weit weg vom Brutto, wie du es von deiner Einkommensabrechnung kennst.

Zeigt dein E-Auto 100 Prozent an, bedeutet das aber nicht zwangsläufig, dass jede Zelle chemisch bis zur letzten denkbaren Reserve vollgeladen ist. Und bei null Prozent sollte zwar tunlichst ein Ladepunkt in Sichtweite sein, physikalisch vollkommen leer ist der Speicher deshalb noch nicht zwingend.

Für deinen Alltag ist vor allem netto interessant. Denn aus diesen Kilowattstunden entsteht die tatsächliche Reichweite.

Das Problem: Hersteller verwenden die Angaben keineswegs einheitlich. Manche nennen brutto und netto, andere nur einen der beiden Werte. Teilweise steht einfach „Batteriekapazität“ im Datenblatt und der Kunde darf Detektiv spielen.

Der ADAC kritisiert genau diese Intransparenz. Für den Vergleich zweier E-Autos solltest du deshalb immer prüfen, ob du tatsächlich dieselbe Größe gegenüberstellst.

 

ModellbeispielBruttoNettoAbweichung
Renault Twingo E-Tech29,0 kWh27,5 kWh5,2 Prozent
Mini Cooper SE (2021 bis 2024)32,6 kWh28,9 kWh11,3 Prozent
Škoda Elroq 6063,0 kWh59,0 kWh6,3 Prozent
Tesla Model Y AWD Juniper
(Oktober 2025 bis August 2026)
82,0 kWh79,0 kWh3,7 Prozent

 

Quellen (Abruf 29. Oktober 2026): Renault: EV Database; Mini: electrive; Škoda: Škoda Storyboard; Tesla: EV Database, keine offiziellen Daten von Tesla vorhanden

Die Tabelle zeigt auch, warum eine pauschale Formel wie „Zieh einfach zehn Prozent vom Brutto-Wert ab“ nicht funktioniert.

Hersteller können zudem Batteriesysteme im Laufe einer Modellreihe verändern. Ein E-Auto aus einem bestimmten Modelljahr muss deshalb nicht dieselben Werte haben wie ein Facelift mit ähnlich klingender Modellbezeichnung.

Gerade bei einem gebrauchten E-Auto solltest du deshalb die konkrete Variante und das Modelljahr prüfen.

 

77 kWh laut Datenblatt: Hat der Gebrauchte die noch?

Beim Gebrauchtwagen wird es besonders interessant. Die Nettokapazität im Datenblatt beschreibt den Neuzustand. Sie ist kein Messergebnis für ein fünf Jahre altes Auto.

Batteriezellen altern. Deshalb kann ein Akku, der ursprünglich 77 kWh nutzbare Energie bereitgestellt hat, einige Jahre später weniger speichern.

Hier kommt der bereits erwähnte State of Health, kurz SoH, ins Spiel. Er beschreibt den Gesundheitszustand des Akkus im Verhältnis zu einem definierten Ausgangszustand.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel macht den Unterschied deutlich:

77 kWh netto im Neuzustand × 94 Prozent SoH = rund 72,4 kWh

Aus dem ursprünglichen 77-kWh-Akku wird damit nicht plötzlich ein anderer Akku. Rechnerisch stehen aber nur noch etwa 72 kWh seiner ursprünglichen nutzbaren Kapazität zur Verfügung.

Der ADAC fährt seit Jahren einen VW ID.3 Pro S im Dauertest. Sein Akku hatte ursprünglich 77 kWh nutzbaren Energieinhalt. Nach mehr als 160.000 Kilometern und vier Jahren ermittelte der Automobilclub immerhin noch 91 Prozent Nettokapazität, also etwa 70 kWh.

Das Auto hatte also nach einer durchaus beachtlichen Laufleistung noch den deutlich überwiegenden Teil seiner ursprünglichen Akkukapazität.

 

7.300 gebrauchte E-Autos liefern einen Praxiswert

Eine aktuelle Auswertung von Ayvens passt dazu. Der Leasinganbieter untersuchte knapp 7.300 Elektro-Leasingrückläufer in Deutschland. Bei durchschnittlich rund 55.000 Kilometern auf dem Tacho lag die verbleibende Batteriekapazität im Mittel bei 95,5 Prozent.

Das heißt natürlich nicht, dass jedes E-Auto nach 55.000 Kilometern 95,5 Prozent SoH haben muss. Die Untersuchung umfasst nur Leasingrückläufer des Unternehmens, und hinter einem Durchschnitt können sich bessere wie schlechtere Einzelwerte verstecken. Sie zeigt aber ganz gut, warum die Nennkapazität eines Gebrauchtwagens nur ein grober Richtwert ist.

Zwei baugleiche E-Autos können mit derselben ursprünglichen Akkugröße angeboten werden und heute trotzdem unterschiedlich viel Energie speichern.

Wie der SoH bestimmt wird und was unterschiedliche Messverfahren bedeuten, erklären wir ausführlich unter SoH der Batterie: Was der Wert bedeutet und wie du ihn misst.

 

E-Auto-Akku-Größe: Wie viele kWh brauchst du wirklich?

Beim Neuwagen lautet die Versuchung schnell: größer ist besser. 100 kWh klingen schließlich eindrucksvoller als 50. Dummerweise müssen 100 kWh aber auch bezahlt, herumgefahren und irgendwann geladen werden.

Wie viel Akkukapazität du brauchst, hängt deshalb stärker von deinem Fahrprofil als von einem möglichst großen Wert im Prospekt ab. Und meist ist sie deutlich niedriger, als man eingangs denkt.

Die Grundrechnung ist unspektakulär:

Verbrauch × gewünschte maximale Reichweite ÷ 100 = benötigte Energie

Beispiel: 18 kWh/100 km × 300 km ÷ 100 = 54 kWh

Ein E-Auto, das unter den angenommenen Bedingungen 18 kWh auf 100 Kilometer benötigt, braucht für 300 Kilometer rechnerisch also 54 kWh Energie.

In der Realität solltest du daraus aber nicht schließen, dass ein Akku mit exakt 54 kWh Nettokapazität für jede 300-Kilometer-Fahrt reicht.

Du wirst vermutlich weder bei exakt 100 Prozent starten noch bei exakt null Prozent ankommen wollen (außer du bist eine sehr coole Socke). Dazu verändern Autobahntempo, Temperatur, Regen, Heizung, Beladung und Höhenprofil den Verbrauch. Plane hier einen ausreichenden Puffer ein.

Wer jeden Tag 35 Kilometer pendelt und zu Hause laden kann, braucht vermutlich keinen riesigen Akku. Wer regelmäßig 500 Kilometer am Stück fährt oder kaum Lademöglichkeiten hat, setzt andere Prioritäten. Die größte Batterie ist nicht automatisch die beste, schließlich geht sie auch mit mehr Gewicht und somit einem höheren Verbrauch einher, ganz abgesehen vom höheren Kaufpreis.

 

Beim gebrauchten E-Auto zählen zwei Kapazitäten

Bei einem gebrauchten Verbrenner würdest du kaum nur nach der ursprünglichen Größe des Tanks fragen. Beim gebrauchten E-Auto sollte sinngemäß genau das passieren.

„77-kWh-Akku“ beschreibt zunächst, welche nutzbare Kapazität das Fahrzeug im Neuzustand hatte. Für die heutige Reichweite solltest du zusätzlich wissen, in welchem Zustand dieser Akku inzwischen ist.

Das lässt sich auf zwei Fragen reduzieren:

  1. Wie groß war der Akku ursprünglich?

Prüfe Modellvariante, Modelljahr und die vom Hersteller ausgewiesene Netto- beziehungsweise nutzbare Kapazität.

  1. Wie viel davon steht heute noch zur Verfügung?

Hier hilft der SoH beziehungsweise eine geeignete Batteriediagnose. Bestehe unbedingt auf diese Information.

Gerade bei Inseraten lohnt sich der zweite Blick. „82-kWh-Batterie“ kann beispielsweise der Brutto-Wert sein, während tatsächlich nur 77 kWh für den Fahrbetrieb vorgesehen waren. Ein angegebener SoH wiederum bezieht sich auf den Batteriezustand und darf nicht mit der Bruttokapazität verwechselt werden.

Wenn du einen gebrauchten Stromer besichtigst, findest du weitere Punkte unter Gebrauchtes E-Auto prüfen: die Checkliste.

Wie Batterien über viele Jahre altern und welche Garantien Hersteller darauf geben, erklären wir unter Wie lange hält der Akku im E-Auto?

 

Kapazität ist wichtig, aber sagt nicht alles

Aus 70 nutzbaren Kilowattstunden lassen sich nicht für jedes Elektroauto dieselben Kilometer herausholen.

Ein effizienter Kompaktwagen kann damit erheblich weiter kommen als ein großes, schweres SUV. Im Winter sinkt die Reichweite zusätzlich, auf der Autobahn steigt meist der Verbrauch.

Deshalb solltest du beim Gebrauchtkauf drei Größen zusammen betrachten:

  • ursprüngliche Nettokapazität
  • aktuellen Batteriezustand
  • realistischen Verbrauch für dein Fahrprofil

Erst zusammen entsteht daraus eine halbwegs belastbare Vorstellung davon, wie weit das Auto für dich tatsächlich kommt. Im Sommer etwas mehr, im Winter etwas weniger.

 

Brutto, netto und SoH in Kuchenform. Grafik KI-generiert

 

Die Bruttokapazität ist technisch interessant. Die Nettokapazität beschreibt, was der Hersteller ursprünglich freigegeben hat. Der SoH hilft dir schließlich dabei einzuschätzen, was von diesem Ausgangswert heute noch vorhanden ist.

Oder kürzer: Brutto ist der ganze Kuchen, netto das Stück, das du essen darfst. Beim Gebrauchtwagen solltest du zusätzlich schauen, wie viel davon schon fehlt.

Wenn du dein bisheriges Elektroauto verkaufen möchtest, kannst du bei Aampere prüfen, was dein E-Auto am Markt bringt, in 48h. Die Akkukapazität allein erzählt dabei ohnehin nie die ganze Geschichte eines gebrauchten E-Autos.

 

Quellen

ADAC: Elektroantrieb: So funktioniert ein Elektroauto: Erläutert den Unterschied zwischen Brutto- und Nettokapazität sowie die Schutzpuffer des Batteriesystems.

Ayvens: E-Autos als Gebrauchtwagen immer beliebter: Batterien auch nach dem ersten Leasing-Leben in sehr gutem Zustand. Auswertung von rund 7.300 Elektro-Leasingrückläufern in Deutschland mit einem durchschnittlichen SoH von 95,5 Prozent bei rund 55.000 Kilometern.

Volkswagen Newsroom: Über 90 Prozent Kapazität: Batterie des ID.3 überzeugt im 160.000-Kilometer-Dauertest des ADAC

FAQ zu diesem Thema

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettokapazität beim E-Auto?
Die Bruttokapazität bezeichnet den gesamten Energieinhalt der Batterie. Die Nettokapazität ist der Anteil, den das Batteriemanagement für den normalen Fahrbetrieb freigibt. Für Reichweite und Alltag ist deshalb vor allem der Netto-Wert relevant.
Wie viel kWh Speicherkapazität hat ein typisches Elektroauto?
Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Kleine E-Autos kommen mit deutlich weniger als 50 kWh aus, während große Modelle auch weit mehr als 80 kWh speichern. Wichtig ist außerdem, ob der Hersteller die Brutto- oder die tatsächlich nutzbare Nettokapazität nennt.
Wie viel Batteriekapazität braucht ein E-Auto für 300 Kilometer?
Bei einem angenommenen Verbrauch von 18 kWh/100 km werden für 300 Kilometer rechnerisch 54 kWh Energie benötigt. In der Praxis sollte die Batterie größer sein, weil Verbrauch, Temperatur und Geschwindigkeit schwanken und du normalerweise nicht von 100 bis null Prozent fahren möchtest.
Wie hoch ist die Batteriekapazität eines E-Autos nach fünf Jahren?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Fahrzeug, Akku, Nutzung und der individuell gemessene SoH. Rechnerisch ergibt sich die verbleibende Kapazität aus der ursprünglichen nutzbaren Kapazität und dem SoH. Mehr dazu erklären wir im eigenen SoH-Ratgeber.
Was passiert mit der Batteriekapazität eines E-Autos nach zehn Jahren?
Auch nach zehn Jahren gibt es keinen festen Restwert für die Kapazität. Batterien altern unterschiedlich. Aussagekräftiger als eine pauschale Prozentzahl ist deshalb der konkrete SoH des Fahrzeugs. Informationen zu Alterung und Haltbarkeit findest du in unserem Ratgeber zur Lebensdauer von E-Auto-Akkus.
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