Verbrennerverbot 2035: Was beim Vorschlag zur EU-Lockerung wirklich gilt


Kurz gesagt: Das Verbrennerverbot 2035 gilt rechtlich unverändert (Stand: 10/2026). Die EU-Kommission hat im Dezember 2025 eine Lockerung vorgeschlagen, aber Europaparlament und Rat müssen ihr noch zustimmen. Gekippt ist das Verbrenner-Aus also noch nicht. Das Verbrennerverbot, auch Verbrenner-Aus genannt, ist eine EU-weite, gesetzlich festgelegte Regel: Ab 2035 dürfen keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Sie gilt auch in Deutschland.
Hintergrund der Regel ist der Klimaschutz: Ob Diesel oder Benzin, jeder verbrannte Liter Kraftstoff setzt Kohlenstoffdioxid frei.
Zugleich ist die Automobilindustrie für Europa und insbesondere für Deutschland ein massiver Wirtschaftsfaktor. Die Umstellung auf Elektromobilität ist für die Hersteller eine große Aufgabe, und das Verbrennerverbot wird immer wieder kritisiert. Forderungen nach Lockerungen werden lauter.
In diesem Artikel geht es darum, wie sich das Verbrennerverbot entwickelt hat und was aktuell gilt. Daran anschließend findest du einen Überblick, was in dem Änderungsvorschlag genau vorgesehen ist, was die Regel für die Tankstellen bedeuten könnte und wie sich eine Lockerung vom Verbrenner-Aus auf den Gebrauchtwagenmarkt sowie Restwert deines Elektroautos auswirkt.
Die Zeitleiste: Wie das Verbrenner-Aus entstand
- Juli 2021: Die Kommission legt das „Fit für 55"-Paket vor. Darin ist enthalten, dass die durchschnittlichen Emissionen der Hersteller schrittweise abgesenkt werden sollen, bis sie das Null-Gramm-Ziel für 2035 erreichen.
- Oktober 2022: Parlament und Rat einigen sich darauf, dass ab 2035 nur noch emissionsfreie Pkw neu zugelassen werden dürfen.
- März 2023: Die Verordnung wird endgültig vom Rat angenommen, das Verbrennerverbot ab 2035 ist damit beschlossen. Offen bleibt, wie mit Fahrzeugen umgegangen werden soll, die zwar einen Verbrennungsmotor haben, aber ausschließlich mit CO2-neutralen, synthetischen Kraftstoffen fahren, sogenannten E-Fuels.
- Juli 2024: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verspricht vor ihrer Wiederwahl eine Initiative für Ausnahmen für E-Fuels.
- Mai 2025: Der Rat erteilt die endgültige Zustimmung zu zusätzlicher Flexibilität für Automobilhersteller bei den CO2-Zielen.
- Dezember 2025: Die Kommission legt einen Änderungsvorschlag vor: Statt um 100 Prozent sollen die Flottenemissionen bis 2035 um 90 Prozent sinken, wodurch beispielsweise Plug-in-Hybride oder Elektroautos mit Range Extender weiterhin zugelassen werden dürften.
- Oktober 2026: Deutschland und Frankreich verständigen sich laut Medienberichten auf gemeinsame Vorschläge zur Lockerung. Das könnte eine Mehrheit im Rat ermöglichen, eine abschließende Verständigung gibt es laut Bundesregierung aber noch nicht. Beschlossen ist die Änderung nicht: Europaparlament und Rat haben noch nicht zugestimmt.
Was gilt jetzt?
Die Lockerung auf 90 Prozent ist bisher lediglich ein Vorschlag der EU-Kommission, dem Europaparlament und der Rat der EU-Mitgliedsstaaten noch zustimmen müssen. Auch Änderungen wären noch möglich. Das Verbrennerverbot für 2035 ist bis dahin rechtlich unverändert in Kraft (Stand: 10/2026). Gekippt ist das Verbrenner-Aus also nicht.
Ob und wann es zu einer Änderung kommt, ist offen. Bis dahin sind noch mehrere Schritte nötig, und bei Uneinigkeit kann sich das Verfahren verzögern.
Was der Änderungsvorschlag vorsieht
Mit dem Ziel einer Emissionssenkung um 90 statt 100 Prozent wäre es weiterhin möglich, nach 2035 Neuwagen mit Verbrennungsmotor zuzulassen. Das betrifft nach dem Vorschlag beispielsweise Plug-in-Hybride oder Elektroautos mit Range Extender.
Während ein Plug-in-Hybrid sowohl elektrisch als auch über einen Verbrennungsmotor angetrieben werden kann, verfügt ein Elektroauto mit einem Range Extender über einen kleinen, effizienten Verbrennungsmotor, der das Elektroauto aber nicht direkt antreibt, sondern lediglich Strom generiert. Beide Technologien bieten eine oft reichweitenstärkere Alternative zum reinen Elektroauto, werden jedoch emissionsärmer betrieben als ein reiner Verbrenner.
Für die übrigen 10 Prozent sind Ausgleichsregelungen für die Hersteller vorgesehen. Der Ausgleich soll über grünen Stahl sowie Biokraftstoffe und E-Fuels möglich sein. Außerdem soll es für in der EU gebaute kleine Elektroautos Super-Gutschriften geben. E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die aus Strom, Wasser und CO2 hergestellt werden. Sie sollen weitgehend klimaneutral im regulären Verbrenner genutzt werden können. Ob E-Fuels tatsächlich klimafreundlich sind, wird immer wieder diskutiert. Mehr dazu findest du in unserem Artikel E-Fuels: wie umweltfreundlich sie wirklich sind.
Was passiert mit den Tankstellen ab 2035?
Wenn keine Verbrenner mehr neu zugelassen werden dürfen, was passiert dann mit den Tankstellen? Zunächst gar nichts. Das Gesetz betrifft Neuzulassungen, weshalb Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor nach 2035 nicht einfach von den Straßen verschwinden. Ein Benziner, der beispielsweise 2034 noch neu zugelassen wird, kann danach noch viele Jahre gefahren werden und muss auch weiterhin tanken können.
Als Szenario ist denkbar, dass der Anteil von Verbrennern im Bestand über die Jahre sinkt und damit auch die Nachfrage nach fossilem Kraftstoff. Wie schnell das geschieht und was das für einzelne Tankstellen bedeutet, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen.
Verbrenner-Aus gekippt: Wie würde sich der Gebrauchtmarkt ändern?
Sollten Europaparlament und Rat der Lockerung zustimmen, ginge davon ein Signal für Autohersteller aus. Sie müssen ihr Portfolio dann nicht mehr bis 2035 vollständig elektrifizieren. Einige Hersteller hatten sich vor Jahren eigene Ausstiegsfristen gesetzt. Audi hatte 2021 angekündigt, die Produktion von Verbrennern bis 2033 auslaufen zu lassen, hat diese Frist aber 2025 aufgehoben. Es bleibt abzuwarten, wie eine EU-weite Gesetzeslockerung die Strategien und selbstgesteckten Ziele der Autoindustrie verändern wird.
Wie Hersteller ihr Angebot gestalten, beeinflusst die Marktsituation und damit auch den Gebrauchtwagenmarkt. Beim Verbrenner-Aus wirken verschiedene Einflüsse auf die Preisentwicklung, also Angebot und Nachfrage, ein. So könnte eine Lockerung die Angst vor einem harten Ausstieg dämpfen. Wer vor der Kaufentscheidung für oder gegen ein Elektroauto steht, fragt sich: Jetzt umsteigen oder warten?
Ob und wie stark sich eine Lockerung auf die Preise auswirkt, lässt sich heute nicht sagen. Wir von Aampere konzentrieren uns ausschließlich auf Elektrofahrzeuge. Im individuellen Verkaufsfall deines Elektroautos spielen Faktoren wie der Fahrzeugzustand, der State-of-Health (SoH) des Akkus oder mögliche Haltefristen bei Förderungen weiterhin eine wichtige Rolle. Wie sich der Wert von E-Auto und Verbrenner grundsätzlich unterscheidet, zeigt unser Vergleich Wertverlust: E-Auto gegen Verbrenner. Wenn du dein Elektroauto verkaufen möchtest, bekommst du ein unverbindliches Angebot aus unserer Auktion mit über 200 Händlern: Was dein E-Auto heute wert ist, in 48h.
Quellen
- Wirtschaftswoche: Was bedeutet das Verbrenner-Aus der EU?
- Europäische Kommission: EU-Staaten stimmen endgültig für emissionsfreie Autos ab 2035 und Cars and Vans
- Europäischer Rat: Rat erteilt endgültige Zustimmung zur zusätzlichen Flexibilität für Automobilhersteller
- Berliner Morgenpost: Von der Leyen rückt vom Verbrenner-Aus ab
- Tagesschau: Deutschland und Frankreich einig bei Lockerung
- ADAC: So soll das Verbrenner-Aus reformiert werden
- electrive: Audi hebt Deadline für Verbrenner-Ausstieg auf
- Inside EVs: Audi sagt offiziell: Ab 2033 keine Verbrenner mehr

