E-Auto Stromtarif zuhause: Wann sich ein eigener Tarif wirklich lohnt


Ein eigener Autostromtarif klingt erst einmal verlockend: das E-Auto günstiger laden als mit normalem Haushaltsstrom. Aber lohnt es sich für mich, dafür einen zweiten Stromzähler installieren zu lassen und einen zusätzlichen Stromvertrag abzuschließen? Schließlich ist ein niedrigerer Preis pro Kilowattstunde noch lange keine Garantie dafür, dass ich am Ende tatsächlich Geld spare.
Nehmen wir 15.000 Kilometer im Jahr als Beispiel. Wie viel lässt sich bei dieser Fahrleistung mit einem speziellen Autostromtarif sparen? Und was bleibt von der Ersparnis übrig, wenn ich die zusätzliche Grundgebühr, die Kosten für den Zähler und dessen Einbau berücksichtige? Der günstigere Strompreis müsste schließlich nicht nur die laufenden Mehrkosten ausgleichen, sondern irgendwann auch die Installation finanzieren. Genau das rechne ich hier durch. Das Ergebnis vorweg: Im Beispiel bleiben bei 15.000 Kilometern rund 48 Euro im Jahr, bevor Zähler und Einbau bezahlt sind.
Was Autostrom jährlich spart
Für meine Rechnung schaue ich mir zunächst an, wie groß der Preisunterschied zwischen normalem Haushaltsstrom und einem speziellen Autostromtarif überhaupt ist. Dafür setze ich zwei angenommene Angebote an, die sich an Tarifen aus Vergleichsportalen orientieren (Rechenbeispiel, Stand Oktober 2026, keine Empfehlung). Beim Haushaltsstromtarif liegt der Arbeitspreis bei 33,75 Cent pro Kilowattstunde, dazu kommen 16,05 Euro monatlicher Grundpreis bei zwölf Monaten Laufzeit.
Günstiger sieht es beim Autostrom aus: Das Beispielangebot liegt bei 28,57 Cent pro Kilowattstunde, 8,92 Euro monatlichem Grundpreis und 24 Monaten Laufzeit. Das sind 5,18 Cent weniger pro Kilowattstunde und damit mehr als die 3 bis 4 Cent, die der ADAC im Schnitt nennt (Stand Januar 2026). Allerdings müsste ich für diesen separaten Autostromtarif einen zweiten Zähler installieren lassen. Und genau hier wird es interessant: Wie viel von der Ersparnis bleibt am Ende tatsächlich übrig?
Darum ist Autostrom günstiger
Ein Grund für günstigere Autostromtarife können reduzierte Netzentgelte nach § 14a EnWG sein. Wird eine Wallbox als steuerbare Verbrauchseinrichtung angemeldet, darf der Netzbetreiber ihre Ladeleistung in Ausnahmesituationen, etwa bei einer drohenden Überlastung des Stromnetzes, vorübergehend begrenzen. Im Gegenzug gibt es Vergünstigungen bei den Netzentgelten. Für die prozentuale Entgeltreduzierung nach Modul 2 ist ein separater Stromzähler erforderlich.
Doch damit entstehen möglicherweise weitere Kosten. Dazu können zusätzliche Entgelte für die moderne oder intelligente Messtechnik kommen. Ein intelligentes Messsystem übermittelt die Verbrauchsdaten automatisch über eine gesicherte Verbindung. Für den Betrieb der Messtechnik ist der Messstellenbetreiber zuständig, der dafür Entgelte erhebt. Ob und in welcher Höhe diese Kosten zusätzlich zum ausgewiesenen Tarifgrundpreis anfallen, muss ich vor einem Vertragsabschluss klären.
Für meine Rechnung zählt schließlich nicht nur, wie viel günstiger jede Kilowattstunde ist. Entscheidend ist, was nach Abzug der zusätzlichen laufenden Kosten übrig bleibt, und ob dieser Betrag irgendwann auch die Installation des zweiten Zählers bezahlt.
Die Rechnung
Zuerst muss ich wissen, wie viele Kilowattstunden ich überhaupt zuhause lade. Für die 15.000 Jahreskilometer setze ich grob 20 Kilowattstunden je 100 Kilometer ab Steckdose einschließlich Ladeverlusten an. Außerdem rechne ich mit vollständigem Heimladen. Daraus werden 3.000 Kilowattstunden im Jahr. Wer häufiger unterwegs lädt, sollte nur den tatsächlich zuhause bezogenen Anteil in diesen Vergleich einsetzen. Hilfreich ist es, wenn du bereits ein oder mehrere Jahre elektrisch fährst und gute Vergleichswerte aus den Vorjahren ziehen kannst. Ansonsten hilft dir unser Ratgeber Was kostet es, ein E-Auto zu laden? Zuhause, unterwegs und im Verbrenner-Vergleich.
Zwischen Haushaltsstrom und Autostrompreis liegen hier 5,18 Cent pro Kilowattstunde. Dem steht der zusätzliche Grundpreis des Autotarifs von 107,04 Euro jährlich gegenüber. Der Haushaltsvertrag bleibt bestehen, seine 16,05 Euro im Monat lassen sich durch den neuen Vertrag nicht einsparen. Ich lasse diese Kosten deshalb für die erste Rechnung weg und vergleiche ausschließlich die Kosten für den Autoladestrom aus Einsparung pro kWh und Grundgebühr.
Jährliche Autoladekosten im Modell vor weiteren Mess-, Steuerungs- und Netzentgeltunterschieden
Bei 15.000 Kilometern bleibt damit ein Vorteil von 48,36 Euro im Jahr. Bei 10.000 Kilometern reicht die günstigere Energie nicht einmal für den zusätzlichen Grundpreis des Tarifs. Selbst bei 20.000 Kilometern beträgt der verbleibende Spielraum aber nur 100,16 Euro jährlich.
Allerdings gibt es noch einen wichtigen Punkt: Auch wer sein E-Auto über den normalen Haushaltszähler lädt, kann von reduzierten Netzentgelten profitieren. Das regelt das sogenannte Modul 1 nach § 14a EnWG. Voraussetzung ist eine entsprechend angemeldete und steuerbare Wallbox. Anders als beim separaten Autostromzähler gibt es hier keinen vergünstigten Arbeitspreis, sondern eine feste jährliche Entlastung. Die Höhe legt dein Netzbetreiber fest, du findest sie in seinem Preisblatt. Ob und wie der Stromanbieter diese Vergünstigung weitergibt, muss man allerdings prüfen. In meiner bisherigen Rechnung ist sie noch nicht berücksichtigt. Fällt sie größer aus als der Tarifvorteil von 48,36 Euro, schneidet der separate Autostromtarif bei 15.000 Kilometern schlechter ab als der Haushaltsvertrag, und das noch vor zusätzlichen Zähler- und Einbaukosten.
Ohne eine mögliche Entlastung nach Modul 1 liegt die Schwelle in diesem Beispiel bei rund 2.066 Kilowattstunden, die ich zuhause laden sollte, damit sich der reine Vertrag lohnt. Das entspricht rund 10.300 Kilometern.
Bevor du an den Einbau denkst, solltest du die teils versteckten Zusatzkosten herausfinden. Für den zweiten Stromzähler und gegebenenfalls für die Steuerung der Wallbox fallen die genannten Zusatzkosten der Betreiber an. Der ADAC nennt für das Messstellenentgelt bis zu 25 Euro pro Jahr, bei Smart Meter und Steuerbox jeweils 50 Euro pro Jahr (Stand Januar 2026). Dein Messstellenbetreiber kann andere Beträge verlangen. In meinen Vergleich gehört nur der Betrag, der gegenüber dem Laden über den Hauszähler zusätzlich anfällt. Diesen muss ich von der bisher errechneten Tarifersparnis abziehen. Erst der verbleibende jährliche Vorteil steht zur Verfügung, um die einmaligen Einbaukosten wieder hereinzuholen.
Die Unterscheidung erklärt unser Beitrag Wallbox mit Stromzähler: Wann du einen geeichten brauchst.
Wann sich der zusätzliche Einbau amortisiert
Erst wenn nach all den laufenden Differenzen ein positiver Betrag bleibt, kann dieser den Einbau eines zweiten Zählers finanzieren. Dazu zählen die Elektro-, Zähler- und Schrankarbeiten, die allein durch den separaten Tarif nötig werden. Eine Wallbox, die du in beiden Fällen brauchst, lasse ich aus der Rechnung raus. Für einen belastbaren Betrag müssen das Angebot des Fachbetriebs und das passende Preisblatt des Messstellen- beziehungsweise Netzbetreibers zusammenpassen.
Um die Größenordnung zu sehen, rechne ich je 1.000 Euro zusätzlicher Einmalinvestition. Die Amortisationszeit des zweiten Zählers ergibt sich dann aus dem Einmalbetrag geteilt durch die positive jährliche Ersparnis nach allen laufenden Unterschieden.
Auch die folgende Amortisationsrechnung betrachtet zunächst nur den Preisunterschied der beiden Tarife. Eine mögliche Modul-1-Gutschrift beim Haushaltsstrom ist nicht eingerechnet. Fällt sie größer aus als der jährliche Tarifvorteil, amortisiert sich der zusätzliche Zähler in diesem Beispiel nicht.
Diese Zeiträume setzen außerdem gleichbleibende Preise voraus. Schon die Laufzeiten der Beispielangebote zeigen, warum daraus keine Zusage für die nächsten 21 Jahre werden kann.
Wie empfindlich das Ergebnis ist, zeigt ein Belastungstest mit angenommenen 50 Euro zusätzlicher jährlicher Kostendifferenz. Bei 15.000 Kilometern würden aus 48,36 Euro Tarifvorteil 1,64 Euro Minus. Bei 20.000 Kilometern blieben 50,16 Euro jährlich und die Rückzahlung je 1.000 Euro dauerte rund 20 Jahre. Ein kleiner zusätzlicher Posten wie die Anpassung der Grundgebühr oder erhöhte kWh-Preise kann die vermeintlich überschaubare Investition also sehr weit nach hinten schieben.
Welcher Stromtarif fürs E-Auto zu deinem Laden passt
Seien wir ganz ehrlich: Ein zweiter Zähler mit einem zweiten Tarif ist ein zusätzlicher Vertrag, der für zusätzlichen Ärger sorgt, wenn der Anbieter die Preise erhöht. Neu vergleichen und neu abschließen gehört dann in der Regel dazu. Wer mit Elektroauto sparen will, muss trotzdem nicht zwangsläufig einen zweiten Zähler nachrüsten, um sein Laden günstiger zu gestalten. Zunächst lohnt der Blick darauf, welche Angebote zum eigenen Verbrauch und zur vorhandenen Messung passen.
Bei einem Kombitarif laufen Haushalt und E-Auto über denselben Stromzähler und einen gemeinsamen Stromvertrag. Einen zusätzlichen Lieferzähler fürs Auto brauche ich dafür nicht. Für mich ist das zunächst ein Marketingpaket für E-Autofahrer. Oft besteht der Vorteil aus einem kleinen Preisnachlass oder Extras wie einem Wallboxrabatt, einer Ladekarte oder einer Bonuszahlung. Wird dafür ein E-Auto-Nachweis verlangt, ist das die Zugangshürde zu diesen Sonderkonditionen. Allerdings verlangen nicht alle Anbieter einen solchen Nachweis.
Vergleichen lohnt sich trotzdem. Ein niedrigerer Arbeitspreis kann schließlich beim gesamten Haushalts- und Ladestrom wirken. Zugleich entfällt die zusätzliche Grundgebühr eines separaten Autostromvertrags. Ich würde deshalb einen Kombitarif immer gegen einen günstigen normalen Haushaltstarif rechnen, mit derselben gesamten Strommenge und einem Blick auf die Kosten nach Ablauf möglicher Neukundenboni. Entscheidend ist, welches Angebot über die Vertragsdauer tatsächlich günstiger ist.
Wichtig dabei: Die bisher verwendeten Tarifbeispiele beziehen sich auf meine Region. An einer anderen Adresse können andere Arbeitspreise, Grundgebühren und Angebote gelten. Dazu tragen unter anderem die regional unterschiedlichen Netzentgelte bei. Ob ein Haushalts-, Kombi- oder separater Autostromtarif attraktiv ist, muss deshalb mit den Angeboten für die eigene Postleitzahl geprüft werden.
Zwei Angebote zu Haushaltsstrom aus München und aus Berlin zeigen unterschiedliche Ausgangswerte für diese Rechnung. Das SWM-Preisblatt (gültig ab 1. Februar 2026) nennt für die Münchner Grundversorgung 32,44 Cent pro Kilowattstunde und 149,70 Euro Grundpreis im Jahr. Die Berliner Stadtwerke bieten im Tarif berlinStrom Öko12 mit zwölf Monaten Mindestlaufzeit einen Arbeitspreis von 36,90 Cent und einen jährlichen Grundpreis von 150 Euro an (12,50 Euro im Monat). Schon der Haushaltstarif, gegen den ein Autostromangebot antreten muss, kann also deutlich andere Konditionen haben als in meiner Beispielrechnung.
Ein dynamisches Angebot kann interessant sein, wenn du Ladezeiten verschieben kannst; die Voraussetzungen erläutert der Beitrag Dynamischer Stromtarif (Wie E-Auto-Besitzer von flexiblen Strompreisen profitieren können).
Bei Stromtarifen gibt es also große regionale Unterschiede. Auch die großen regionalen Anbieter der Grundversorgung unterscheiden sich von kleinen Stromanbietern mit oft günstigen Tarifen für Neukunden im ersten Jahr. Für die konkrete Suche würde ich Vergleichsportale und lokale Versorger nebeneinander betrachten. Gib deine Postleitzahl und das passende Messkonzept an und vergleiche die laufenden Kosten zunächst ohne Bonus oder Einmalzahlungen. Grundpreis, Vertragsbindung und Umfang der Preisgarantie gehören mit in den Vergleich.
Das Rechenbeispiel kriegt von mir eine ernüchternde Antwort: Bei 15.000 Kilometern bleibt im gewählten Beispiel schon vor allen Zusatzkosten wenig Geld für einen neuen Zähler übrig. Schon bei einer zusätzlichen Investition von 1.000 Euro dauert die Rückzahlung rund 21 Jahre. Für deinen eigenen Autostromtarif solltest du deshalb diese Rechnung selbst noch einmal mit eigenen Zahlen durchgehen. Nur wenn danach genug übrig bleibt, lohnt ein Einbauangebot.
Wenn du neben den Ladekosten auch den Fahrzeugwert im Blick behalten möchtest: bei Aampere erfährst du, was dein E-Auto am Markt bringt, in 48h.
Quellen und weiterführende Links
- ADAC: Autostromtarife: Das E-Auto günstig zu Hause laden
- Berliner Stadtwerke: berlinStrom
- Bundesnetzagentur: Reduzierung des Netzentgelts
- SWM: Preisblatt ab 1. Februar 2026
- Verbraucherzentrale: So finden Sie den passenden Strom- oder Gastarif
- Yello: Autostrom für zuhause und unterwegs.
Preisgrundlage der Rechnung: angenommene Beispielangebote (Oktober 2026), dazu SWM-Preisblatt und Angebot der Berliner Stadtwerke. Boni sind nicht eingerechnet.


