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Nachhaltigkeit
Paul Kühl
Paul Kühl
23
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09
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2026
7
min Lesezeit
Elektroauto lädt in der Einfahrt eines Einfamilienhauses mit Photovoltaikanlage auf dem Dach

Ein Balkonkraftwerk lädt dein E-Auto nicht. Das ist die unbequeme Antwort auf die Frage, mit der die meisten in dieses Thema einsteigen, und sie hat einen technischen Grund, den kaum ein Anbieter erwähnt. Für alles darüber gilt eine überschaubare Faustzahl: Wer 15.000 Kilometer im Jahr fährt, braucht dafür rund 3.000 Kilowattstunden Strom, und die liefert im Jahresmittel bereits eine Anlage mit gut 3 kWp. Praktisch planst du eher mit 6 bis 10 kWp, weil Sonne und Ladezeitpunkt selten zusammenfallen. Die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen ist das eigentliche Thema.

 

 

Wie viel Strom braucht dein E-Auto im Jahr?

Alles beginnt mit dem Verbrauch, und der schwankt stärker, als die meisten Rechnungen im Netz unterstellen. Der ADAC misst in seinem Testfeld Werte zwischen 13,4 und 29,7 Kilowattstunden pro 100 Kilometer (Stand 2026), vom Mercedes CLA am sparsamen Ende bis zum Citroën e-Spacetourer am anderen. Wichtig dabei: Der ADAC rechnet die Ladeverluste mit ein, der Bordcomputer deines Autos tut das nicht. Die Zahl, die du für eine PV-Planung brauchst, ist die mit Ladeverlusten, denn genau diese Energie muss die Anlage liefern.

Mit einem mittleren Wert von 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer ergibt sich eine einfache Jahresrechnung. Annahme für die rechte Spalte: 980 Kilowattstunden Ertrag pro kWp, ein deutscher Mittelwert, der je nach Standort abweicht.

 

JahresfahrleistungStrombedarf pro JahrAnlagengröße rechnerisch
10.000 km2.000 kWhrund 2 kWp
15.000 km3.000 kWhrund 3 kWp
20.000 km4.000 kWhrund 4 kWp
30.000 km6.000 kWhrund 6 kWp

 

Wie stark die Ladeverluste die Rechnung verzerren und wo sie entstehen, haben wir im Ratgeber Laden zuhause: Wallbox, Ladeverluste und was die Rechnung verzerrt aufgeschlüsselt.

 

Wie groß muss eine Solaranlage für ein Elektroauto sein?

Die Spalte ganz rechts in der Tabelle basiert auf einer Annahme, die du kennen solltest. Das Fraunhofer ISE rechnet in seiner Publikation "Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland" (Fassung vom 20.08.2026) für neue Anlagen je nach Beispiel mit rund 950 bis 980 Kilowattstunden pro Kilowatt Peak und Jahr. Die Einstrahlung schwankt in Deutschland je nach Standort um etwa plus/minus 10 Prozent, im Norden eher darunter, im Süden eher darüber. Das ISE weist allerdings ausdrücklich darauf hin, dass sich dieser regionale Unterschied nicht eins zu eins auf den spezifischen Ertrag überträgt. Wer in Schleswig-Holstein plant, sollte trotzdem nicht mit der Zahl rechnen, die ein Anbieter aus Baden-Württemberg in seiner Beispieltabelle stehen hat.

Das Ergebnis ist eine Jahresbilanz, keine Ladelösung. Rechnerisch deckt eine 3-kWp-Anlage die 3.000 Kilowattstunden für 15.000 Kilometer. Praktisch fließt der erzeugte Strom aber dann, wenn die Sonne scheint, und nicht dann, wenn das Auto am Kabel hängt. Dazu kommt der Haushalt, der sich denselben Strom teilt. Ein durchschnittlicher Vierpersonenhaushalt verbraucht mehrere tausend Kilowattstunden im Jahr, und dieser Bedarf ist zuerst da.

 

Warum landet der Solarstrom nicht automatisch im Auto?

Hier liegt die Lücke zwischen Bilanz und Alltag. Die Verbraucherzentrale beziffert den Eigenverbrauchsanteil einer privaten PV-Anlage ohne Batteriespeicher auf rund 30 Prozent, mit Speicher lässt er sich auf über 60 Prozent steigern. Gemeint ist der Anteil des erzeugten Solarstroms, der direkt im eigenen Haus verbraucht wird. Alles, was nicht zeitgleich verbraucht wird, geht ins Netz, und für den Rücktausch am Abend zahlst du den normalen Arbeitspreis.

Für ein E-Auto läuft das auf eine Trennlinie hinaus, die kaum ein Artikel sauber zieht. Steht das Auto tagsüber zuhause, bei Homeoffice, Schichtdienst, Teilzeit oder als Zweitwagen, dann trifft die Erzeugungskurve auf ein aufnahmefähiges Fahrzeug, und ein großer Teil des Solarstroms landet tatsächlich im Akku. Pendelt es dagegen, steht es genau in den Stunden woanders, in denen die Anlage liefert. Dann lädst du abends aus dem Netz, egal wie groß das Dach ist.

Im zweiten Fall verschiebt ein Batteriespeicher den Tagesertrag in den Abend, und erst dann wird aus der Anlage eine Ladequelle. Wenn ein Speicher nicht infrage kommt, ist die günstigere Ladezeit über den Strompreis der nächstbeste Hebel, siehe unseren Ratgeber zum dynamischen Stromtarif. Wer es umgekehrt denkt und den Akku des Autos als Hausspeicher nutzen will, findet die Voraussetzungen im Artikel zum bidirektionalen Laden.

 

Reicht ein Balkonkraftwerk fürs E-Auto?

Zurück zur Eingangsthese. Seit Mai 2024 darf der Wechselrichter einer steckerfertigen Solaranlage laut ADAC bis zu 800 Watt einspeisen, die Modulleistung darf bis 2.000 Watt betragen, und angemeldet wird nur noch im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Ein solches Gerät an einem unverschatteten Südbalkon erzeugt laut ADAC etwa 600 bis 900 Kilowattstunden im Jahr. Bei 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer entspricht das rechnerisch 3.000 bis 4.500 Kilometern Fahrleistung, und genau diese Zahl steht in den meisten Werbetexten.

Sie hat nur einen Haken. Die 800 Watt fallen über den ganzen Tag verteilt an, während ein Ladevorgang eine Mindestleistung braucht. Die meisten Fahrzeuge starten das Laden erst ab etwa 1,4 Kilowatt, das entspricht dem in der Ladenorm festgelegten Mindeststrom von 6 Ampere auf einer Phase. Ein Balkonkraftwerk allein kommt dort nie hin. Was es tatsächlich tut: Es speist ins Hausnetz ein und senkt damit den Netzbezug, während das Auto lädt. Aus 1,4 Kilowatt Ladeleistung werden dann im besten Fall, wenn das Gerät gerade die vollen 800 Watt liefert, nur noch 0,6 Kilowatt aus dem Netz.

Das ist ein realer Effekt und ein Balkonkraftwerk kann sich trotzdem lohnen. Es ist nur kein Ladekonzept, sondern eine Grundlastmaschine für Kühlschrank, Router und Standby. Wer damit plant, sein Auto zu versorgen, plant an der Technik vorbei.

 

Eine Beispielrechnung mit offengelegten Annahmen

Die folgende Rechnung ist ein Beispiel, kein Versprechen. Angenommen: 15.000 Kilometer im Jahr, 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch, eine 8-kWp-Anlage an einem Standort mit 980 Kilowattstunden pro kWp.

Die Anlage liefert dann rund 7.840 Kilowattstunden im Jahr. Bedarf gesamt: 6.500 Kilowattstunden. Auf dem Papier passt das. Ohne Speicher und ohne Steuerung landet aber nur der Teil im eigenen Haus, der zeitgleich anfällt, und der liegt nach der Größenordnung der Verbraucherzentrale bei etwa einem Drittel. Der Rest wandert ins Netz und kommt abends teurer zurück.

Wer diese Lücke schließen will, hat drei Stellschrauben, und alle drei kosten Geld: einen Batteriespeicher, eine Wallbox mit Überschussladen, oder ein Fahrprofil, das ohnehin tagsüber lädt. Die Anlagengröße ist dabei die kleinste Sorge. Ein Dach mit 2 kWp mehr kostet einen überschaubaren Aufpreis, ein Speicher liegt deutlich darüber.

Eine Anmerkung zur Abgrenzung: Wie das gesteuerte Laden mit PV-Überschuss technisch funktioniert, welche Wallbox das können muss und ab wann sich der Aufpreis trägt, ist ein eigenes Thema und nicht Teil dieser Dimensionierungsfrage.

 

Was beim nächsten Fahrzeugwechsel passiert

Ein Punkt, der bei der Planung fast immer untergeht: Die Anlage bleibt am Haus, das Auto nicht. Eine PV-Anlage ist auf Jahrzehnte ausgelegt, das Fahrzeug in der Einfahrt wechselt in dieser Zeit mehrfach, meist gegen ein größeres mit höherem Verbrauch. Wer die Anlage exakt auf das aktuelle Auto zuschneidet, plant für den kürzeren der beiden Zeiträume.

Beim Fahrzeug selbst ist das weniger kritisch, als es klingt. Über 2.000 E-Autos sind inzwischen über unsere Auktion verkauft worden, in der mehr als 200 verifizierte Händler aus neun Ländern neben Deutschland gleichzeitig auf dasselbe Fahrzeug bieten. Für das alte Auto gibt es also einen Markt. Die Anlage auf dem Dach lässt sich nicht so einfach tauschen, deshalb gehört die Reserve dorthin und nicht in die Fahrzeugwahl. Wenn der Wechsel ansteht: Das alte E-Auto zu einem Top-Preis verkaufen, unverbindliches Angebot in 48h.

 

Die Rechnung für dein Fahrprofil

Nimm deine tatsächliche Jahresfahrleistung, nicht die geplante, und multipliziere sie mit dem Verbrauch deines Fahrzeugs inklusive Ladeverluste. Teile das Ergebnis durch den Ertragswert für deine Region, dann hast du die rechnerische Untergrenze in kWp. Addiere den Haushaltsverbrauch dazu. Und dann beantworte die eine Frage, die über alles andere entscheidet: Steht das Auto zwischen 10 und 16 Uhr zuhause? Lautet die Antwort nein, planst du nicht eine PV-Anlage, sondern eine PV-Anlage plus Speicher, und das ist eine andere Investitionsentscheidung.

 

Quellen

Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland (Fassung 20.08.2026)

ADAC: Balkonkraftwerk kaufen, so lohnt sich eine Mini-PV-Anlage bis 800 Watt

ADAC: Stromverbrauch von Elektroautos im Test

Verbraucherzentrale Energieberatung: Photovoltaik

FAQ zu diesem Thema

Wie viel kWp Photovoltaik brauche ich für ein Elektroauto?
Rechnerisch rund 3 kWp für 15.000 Kilometer im Jahr, gerechnet mit 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer und einem Ertrag von etwa 980 Kilowattstunden pro kWp. Für die Praxis solltest du den Haushaltsverbrauch addieren und eher mit 6 bis 10 kWp planen.
Kann ich mein E-Auto mit einem Balkonkraftwerk laden?
Nicht allein. Die meisten Fahrzeuge starten den Ladevorgang erst ab rund 1,4 Kilowatt, ein Balkonkraftwerk speist maximal 800 Watt ein. Es senkt aber den Netzbezug, während das Auto an der Wallbox oder Steckdose lädt.
Wie viel Strom erzeugt eine PV-Anlage pro kWp im Jahr?
Das Fraunhofer ISE rechnet für neue Anlagen je nach Beispiel mit rund 950 bis 980 Kilowattstunden pro kWp und Jahr. Die Einstrahlung schwankt regional um etwa plus/minus 10 Prozent, überträgt sich laut ISE aber nicht eins zu eins auf den Ertrag.
Warum reicht die Jahresbilanz meiner Anlage nicht aus?
Weil Erzeugung und Ladezeitpunkt auseinanderfallen. Ohne Batteriespeicher werden laut Verbraucherzentrale nur rund 30 Prozent des erzeugten Solarstroms direkt selbst verbraucht, mit Speicher über 60 Prozent. Der Rest wird eingespeist und abends teurer zurückgekauft.
Lohnt sich ein Stromspeicher nur wegen des E-Autos?
Das hängt am Fahrprofil. Wer tagsüber zuhause lädt, braucht keinen Speicher für das Auto. Wer pendelt und erst abends ansteckt, holt ohne Speicher kaum Solarstrom ins Fahrzeug, zahlt für den Speicher aber ein Vielfaches des Preises zusätzlicher Module.
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