Brennen E-Autos häufiger als Verbrenner? Die Zahlen


Zu den Argumenten, die am häufigsten gegen Elektromobilität genannt werden, gehört die Brandgefahr. Kein Wunder, denn Bilder von brennenden Akkus verbreiten sich schnell, während es ein ausgebrannter Benziner oft kaum in die Nachrichten schafft. Doch ist da wirklich was dran: Brennen E-Autos häufiger als Verbrenner? Kurz gesagt: Nach den Daten von GDV und AZT gibt es keine Hinweise darauf. Ein Akkubrand ist aber deutlich aufwendiger zu löschen, und genau das trennen wir hier sauber von der Häufigkeit.
Wenn man die Brand-Thematik beim Elektroauto genauer betrachtet, stecken für Nutzer tatsächlich oft zwei Fragen dahinter: nicht nur, wie oft Elektroautos wirklich brennen, sondern auch, wie aufwendig das Löschen ist. In diesem Artikel machen wir den Mythencheck und sehen uns offizielle Statistiken an, um beide Fragen zu beantworten.
Häufigkeit: Wie oft brennen Elektroautos wirklich?
E-Auto: Brandstatistik Deutschland
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) verzeichnete in Deutschland 2024 rund 13.600 Fahrzeugbrände von kaskoversicherten Pkw, wobei Verbrenner und Elektroautos zusammengerechnet wurden. Eine Aufschlüsselung nach Fahrzeugantrieb nennt der GDV in dieser Statistik nicht. Auch der Fahrzeugbestand als Bezugsgröße fehlt, die Zahl allein sagt also nichts über das Risiko einzelner Antriebsarten.
Brennen E-Autos häufiger als Verbrenner?
Obwohl der GDV die Brandzahlen nicht nach Elektroautos und Verbrennern aufschlüsselt, fänden sich in den Statistiken der Kfz-Versicherer keine Hinweise, dass E-Autos ein höheres Brandrisiko darstellen als Verbrenner. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch das Allianz Zentrum für Technik (AZT), das Brandschäden an Elektroautos zwischen 2020 und 2024 untersucht hat. Dabei wurde festgestellt, dass externe Faktoren mit einem Anteil von 40 Prozent die häufigste Ursache waren. Auch Brandstiftung war in dem Zeitraum mit 10 Prozent eine häufige Ursache für Brände von Elektroautos. Technisch verursachte Brände machten 25 Prozent aus, die Hochvoltbatterie sei aber nur in Ausnahmefällen beteiligt gewesen, so der Bericht.
Weniger als 1 Prozent der bei der Allianz gemeldeten Brandschäden entfiel zwischen 2020 und 2024 auf Elektroautos. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Elektroautos nur einen kleinen Teil des Fahrzeugbestands ausmachen. Insgesamt sei das Brandrisiko von Elektroautos nicht höher zu bewerten als bei Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb, so das AZT. Selbst bei Fahrzeugen unter zwei Jahren nähere es sich nur dem von Benzinern an und bleibe unter dem von Dieselfahrzeugen. Die Datenbasis ist allerdings klein: Die Auswertung stützt sich auf 20 bestätigte Brände.
Da diese Daten aus Deutschland lediglich bestimmte Versicherungsfälle erfassen, lohnt sich ein Blick nach Schweden, wo Elektromobilität bereits weit verbreitet ist. Der Schwedischen Behörde für Zivilschutz (MSB) zufolge wurden 2024 insgesamt 40 Brandvorfälle von wiederaufladbaren Pkw gemeldet, darunter 22 Brände vollelektrischer Elektroautos. Diese Zahlen betreffen den gesamten Fahrzeugbestand des Landes. Im Vorjahr lagen die Zahlen etwas geringer bei 38 Bränden, darunter 20 reine Elektroautos, jedoch ist die Anzahl von Elektroautos in Schweden im selben Zeitraum von zirka 292.000 auf 358.000 stark gestiegen.
Die Brandwahrscheinlichkeit eines Elektroautos ist daher in Schweden gesunken: Lag sie im Jahr 2023 noch bei 0,0069 Prozent, ging sie im Jahr 2024 auf 0,0061 Prozent zurück. Rechnerisch brennt eines von 16.284 zugelassenen Elektroautos. Die gesamte Pkw-Flotte, einschließlich Verbrennern, hat ein deutlich höheres Brandrisiko von 0,078 Prozent. In diesen Zahlen sind keine Brandstiftungen enthalten.
Ein Elektroauto brennt also selten. Ist bei einem Brand aber die Hochvoltbatterie beteiligt, ist der Löschaufwand deutlich höher, dazu gleich mehr.
Aufwand beim Elektroauto: Brand löschen
Was ist beim Akkubrand anders?
E-Autos und Verbrenner sind grundlegend unterschiedlich konzipiert. Während Brände bei herkömmlichen Antriebsarten oft auf auslaufenden Kraftstoff, elektrische oder mechanische Defekte zurückzuführen sind, ist bei Elektroautos die Hochvoltbatterie das größte Problem. Bei dem sogenannten Thermal Runaway, also dem thermischen Durchgehen, kann eine einzelne Akkuzelle überhitzen, etwa nach einem Defekt oder einer mechanischen Beschädigung durch einen Unfall.
Die Hitze springt dann auf die Nachbarzellen über und es entsteht eine Kettenreaktion. Dabei verdampft das brennbare Elektrolyt, also die Flüssigkeit in den Zellen, die den Stromfluss ermöglicht, und gerät in Brand. Es entstehen in kurzer Zeit sehr große Rauchmengen. Der entstandene Akkubrand lässt sich nicht herkömmlich löschen, sondern bedarf eines speziellen Löschverfahrens mit langer Kühlung, das die Wiederentzündung verhindern soll. Laut GDV werde das Wasser kontinuierlich über mehrere Stunden auf das Fahrzeug aufgebracht oder ein spezieller Löschcontainer verwendet.
Diese Gefahr ist nicht kleinzureden.
Brennende Elektroautos in der öffentlichen Wahrnehmung
Wie eingangs erwähnt, verbreiten sich Bilder von brennenden Akkus schnell. Was viel mediale Aufmerksamkeit erregt und keineswegs zu unterschätzen ist, ist beispielsweise das Brandrisiko von Elektroautos beim Transport. Wenn die auf Schiffe geladenen Elektroautos einmal in Brand geraten, sind sie dort oft kaum noch unter Kontrolle zu bringen. Bilder von brennenden Frachtern kursieren schnell und beeinflussen die öffentliche Meinung über Elektromobilität und ihr Brandrisiko.
Lithium-Batterien zählten inzwischen zu den häufigsten Brandursachen auf Frachtschiffen, so der GDV. Der GDV fordert für den Transport von E-Autos klare Vorgaben. Dazu gehört, dass Elektroautos nicht direkt nebeneinander oder in der Nähe von Maschinenräumen stehen sollen, um starke Hitze möglichst auszuschließen.
Im Alltag privater Halter zeigen die Statistiken ein anderes Bild. Der GDV spricht von einer verzerrten Wahrnehmung bezüglich der Häufigkeit von Brandereignissen, denn die Brandgefahr sei bei E-Autos statistisch gesehen nicht höher als bei Verbrennern.
E-Auto Tiefgarage: Brandschutz und worauf du achten musst
Grundsätzlich sind Autobrände in Tiefgaragen oder Parkhäusern unabhängig vom Antrieb aufgrund der starken Rauchbildung und schweren Zugänglichkeit problematisch. Auf dem engen Raum kann sich das Feuer schneller ausbreiten. Der ADAC weist darauf hin, dass der Brandschutz in Tiefgaragen für alle Antriebsarten gilt.
Weil der Löschaufwand bei Elektroautos jedoch größer ist und die Feuerwehr das Fahrzeug meist ins Freie zu bringen versucht, ist die Lage der Ladepunkte wichtig.
Deshalb können und sollten sich Betreiber und Besitzer von Tiefgaragen nicht nur wappnen, sondern müssen es in einigen Fällen sogar. Baurechtliche Vorgaben sind in der jeweiligen Landesbauordnung und Garagenverordnung festgehalten.
Ein pauschales Verbot für Elektroautos in Tiefgaragen ist nach bisheriger Rechtsprechung schwer durchsetzbar. Ein Beispiel ist die Entscheidung des Amtsgerichts Wiesbaden vom 4. Februar 2022 (Az. 92 C 2541/21): Eine Eigentümergemeinschaft darf E-Autos nicht generell aus der Tiefgarage verbannen. Regelungen zu Tiefgaragen sind lokal und können sich ändern, prüfe daher die Hausordnung deiner Anlage (Stand: Oktober 2026).
Brandgefahr Elektroauto: Das solltest du beim Gebrauchtkauf beachten
Die Statistiken zum Brandrisiko sprechen für Elektroautos, nicht gegen sie. GDV und AZT kommen übereinstimmend zu dem Schluss: Es gibt keine Hinweise darauf, dass E-Autos häufiger brennen als Autos mit herkömmlichen Antrieben. Die Löschung eines Brands ist allerdings aufwendig. Entsprechende Kaskoversicherungen, die neben der Haftpflicht auch Schäden am eigenen Auto abdecken, sind ratsam.
Über Aampere verkaufen Privatleute ihr gebrauchtes E-Auto per Auktion an Händler: 200+ Händler aus zehn Ländern können mitbieten, abgeholt und zugestellt wird europaweit. Jedes Fahrzeug durchläuft vorher eine Prequalifikation, unter anderem mit der VIN-, Unfall- und Kilometerstand-Historie unseres Partners carVertical. Ob ein Auto wirklich unfallfrei ist, kannst du auch als Käufer prüfen. Auch der Akkuzustand spielt eine Rolle: SoH verstehen: der Akkuzustand als Preisfaktor.
Bevor du ein gebrauchtes Elektroauto kaufst, solltest du also nicht nur prüfen, ob das Fahrzeug Vorschäden hat, ob es für das Modell Rückrufe gibt und wie es mit der Akku-Garantie beim gebrauchten E-Auto aussieht, sondern auch welche Regelungen für deinen Stellplatz vor Ort gelten und wie dein Versicherungsschutz aussehen soll. Deine Wallbox solltest du außerdem fachgerecht installieren lassen, wie auch der ADAC betont. Wenn du dein Elektroauto hingegen verkaufen willst: Was dein E-Auto am Markt bringt, in 48h.
Quellen
Firmenauto: Brennen Elektroautos häufiger?
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft - Zahlen und Fakten: Brennen E-Autos wirklich öfter? / GDV fordert neue Sicherheitsregeln für den Transport von E-Autos und Batterien / Brennender Autofrachter im Pazifik
Allianz Zentrum für Technik - Brände bei Elektrofahrzeugen
Autohaus - E-Fahrzeuge brennen deutlich seltener als Verbrenner
MSB - Übersicht über Brände bei Elektroautos und elektrischen Verkehrsmitteln in den Jahren 2018–2024
Allt om Elbil - Risken att en elbil brinner har minskat visar ny rapport från MSB
Brandschutzheld - E-Auto in Tiefgarage
Haus & Grund - Lässt sich das Abstellen von E-Autos in der Tiefgarage verbieten?

