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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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2026
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Besonders sinnvoll ist bidirektionales Laden in Verbindung mit einer Solaranlage. KI-generiertes Symbolbild

Dein E-Auto steht die meiste Zeit des Tages herum und trägt einen Akku mit sich, der locker mehrere Tagesverbräuche eines Haushalts speichern kann. Da liegt die Frage nahe: Warum soll dieser Stromspeicher eigentlich immer nur Strom schlucken?

Bidirektionales Laden, also auch die Abgabe von Strom durch das E-Auto, ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Vehicle-to-Home, kurz V2H, ist bereits möglich. Auch Vehicle-to-Grid (V2G), also die Rückspeisung ins öffentliche Stromnetz, ist nicht mehr bloß Pilotprojekt: Erste kommerzielle Angebote gibt es inzwischen. Ganz im bidirektionalen Zeitalter angekommen ist Deutschland trotzdem noch nicht.

Gesetze, technische Regeln und Messkonzepte sind 2025 und 2026 deutlich weitergekommen. Seit Oktober 2026 liegt zudem die lange erwartete MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur vor. Wer deshalb erwartet, jetzt einfach irgendein bidirektionales Auto an irgendeine Wallbox zu hängen und nebenbei Stromhändler zu spielen, wird aber noch enttäuscht. (Stand dieses Artikels und der zitierten Gesetze: 26. Oktober 2026).

 

Ist bidirektionales Laden in Deutschland erlaubt?

Die kurze Antwort lautet: ja. Die längere Antwort beginnt mit der Frage, wohin der Strom fließen soll.

 

AnwendungWohin geht der Strom?Stand in Deutschland
V2Ldirekt zu einem angeschlossenen Gerätbereits mit vielen E-Auto-Modellen nutzbar
V2Hin den eigenen Haushalt und nicht ins Stromnetzbereits mit mehreren E-Auto-Modellen möglich
V2Gins öffentliche StromnetzBereits in einigen E-Auto-Modellen vorgesehen; erste kommerzielle Angebote auf dem Markt

 

Bei Vehicle-to-Home nutzt du den Akku wie einen großen Heimspeicher. Das Auto kann beispielsweise tagsüber Solarstrom aufnehmen und ihn abends wieder an dein Haus abgeben.

Bei Vehicle-to-Grid verlässt der Strom dagegen dein häusliches Stromnetz und fließt ins öffentliche Netz. Damit wird aus der privaten Energiereserve plötzlich ein Teilnehmer am Stromsystem. Und Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn dafür nicht ein paar zusätzliche und teils sehr komplizierte Regeln auf dem Tisch lägen.

Wie die einzelnen Formen technisch funktionieren, erklären wir im Beitrag Bidirektionales Laden - E-Auto als Stromspeicher. Welche Fahrzeuge dafür bereits freigegeben sind, findest du unter Bidirektionales Laden: Diese Modelle können es schon heute.

 

Wann kommt bidirektionales Laden in Deutschland?

Eigentlich ist es schon da. Lange war eines der größten Probleme beim V2G die wirtschaftliche Doppelbelastung.

Vereinfacht gesagt: Strom wurde aus dem Netz ins Auto geladen und dabei mit Netzentgelten belastet. Wurde dieselbe Energie später wieder ins Netz gespeist, passte das bestehende Regelwerk schlecht zu diesem mobilen Speicher.

Ende 2025 änderte der Gesetzgeber deshalb § 118 Absatz 6 des Energiewirtschaftsgesetzes. Bidirektional genutzte Ladepunkte werden bei der anteiligen Netzentgeltbefreiung nun entsprechend einem Stromspeicher berücksichtigt. Damit ist eine zentrale Hürde gefallen.

Wichtig ist allerdings die Präzision: Damit sind nicht automatisch alle finanziellen Doppelbelastungen verschwunden.

Beim Thema Stromsteuer ist die Situation komplizierter. Seit Anfang 2026 stellt § 5a Stromsteuergesetz klar, dass du durch eine Rückspeisung aus dem Auto in das eigene Haus nicht automatisch zum Stromversorger wirst. Wird der Strom direkt am Ladeort verbraucht, entsteht dabei keine zusätzliche Stromsteuer.

Für V2G ins öffentliche Netz sieht ein Bericht einer Arbeitsgruppe der vom Bundeswirtschaftsministerium angestoßenen Coalition of the Willing on Bidirectional Charging dagegen weiterhin Klärungsbedarf. Dort wird ausdrücklich auf eine mögliche Mehrfachbelastung mit Stromsteuer sowie offene steuerliche Fragen bei Vergütungen für Privatkunden hingewiesen.

Mit anderen Worten: Der dickste regulatorische Stein wurde schon aus dem Weg gerollt, ein paar kleinere liegen aber noch herum.

 

MiSpeL regelt, welcher Strom eigentlich welcher ist

Am 1. Oktober 2026 hat die Bundesnetzagentur die Festlegung MiSpeL beschlossen. Das Kürzel steht für Marktintegration von Speichern und Ladepunkten. Klingt ein bisschen nach Obst, ist aber für V2G deutlich wichtiger.

Das Problem dahinter: Dein E-Auto kann künftig sowohl Netzstrom als auch eigenen Solarstrom speichern. Wird später Energie zurückgespeist, muss nachvollziehbar sein, welche Strommenge welche energiewirtschaftliche Eigenschaft hat. Genau hier setzt MiSpeL an.

Die Bundesnetzagentur führt dafür zwei Modelle ein:

Abgrenzungsoption: Die unterschiedlichen Strommengen werden anhand viertelstündlicher Messwerte rechnerisch getrennt. Dafür sind im Regelfall zwei Zähler vorgesehen, in bestimmten Fällen kann einer reichen.

Pauschaloption: Für bestimmte Konstellationen mit kleineren Solaranlagen bis 30 kWp wird die Zuordnung vereinfacht. Hier soll grundsätzlich ein Zähler ausreichen.

Damit können beispielsweise Solarstrom und Netzstrom im selben Speicher genutzt werden, ohne dass der grüne Strom deshalb automatisch seine Förderfähigkeit verliert. Auch rückgespeicherter Netzstrom kann für die vorgesehenen Entlastungen saldiert werden.

Allerdings kommt der typische regulatorische Nachsatz: Bis Ende September 2027 läuft eine Übergangsphase. Wer die neuen MiSpeL-Optionen vorher nutzen möchte, benötigt das Einverständnis vom lokalen Netzbetreiber und Messstellenbetreiber. Die Pauschaloption lässt sich zudem erst nutzen, wenn die beihilferechtliche Genehmigung vorliegt.

> „Die bidirektionale Nutzung von Ladepunkten hilft der Elektromobilität und dem Stromsystem.“ Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur

Das ist eine ziemlich klare Richtungsansage. Nur ist es eben noch keine Garantie dafür, dass dein örtlicher Messstellenbetreiber morgen früh mit dem passenden Zähler vor der Tür steht.

 

Technisch fehlt weniger als noch vor wenigen Jahren

Auch bei den Normen hat sich einiges getan. Die internationale ISO 15118-20 definiert die Kommunikation zwischen Elektroauto und Ladeeinrichtung auch für bidirektionale Energieflüsse.

Für die deutsche Netzseite ist die VDE-AR-N 4105 wichtig. Ihre vollständig überarbeitete Fassung ist Ende Februar 2026 erschienen. Sie enthält ausdrücklich Anforderungen und Nachweisverfahren für rückspeisefähige Ladeeinrichtungen.

Das bedeutet nicht, dass jedes Auto plötzlich mit jeder bidirektionalen Wallbox spricht. In der Praxis setzen die aktuellen Angebote noch stark auf abgestimmte Kombinationen aus Fahrzeug, Ladegerät, Energiemanagement, Stromtarif und Software.

Die Standards stehen also inzwischen ziemlich ordentlich im Regal. Jetzt müssen die Produkte nur noch lernen, sie auch alle gemeinsam zu lesen.

 

V2G in Deutschland: Erste Tarife sind verfügbar

Besonders interessant ist deshalb der Blick auf den realen Markt. Stand Ende Oktober 2026 ergibt sich im Kern dieses Bild:

 

AngebotStandVoraussetzung
BMW / E.ONverfügbarpassendes Fahrzeug und Wallbox, V2G-Tarif, Smart Meter
Mercedes-Benz / The Mobility Houseim Oktober 2026 gestartetfreigegebenes Fahrzeug, bidirektionale DC-Wallbox, Tarif, Smart Meter
Volkswagen-Konzern / Elliangekündigt, Registrierung möglichkompatibles Fahrzeug (MEB), Elli BiDi-Charger, V2G-Flow-Tarif, Smart Meter

 

Quellen: E.ON: V2G-Angebot mit BMW, Wallbox, Stromtarif und Einspeisevertrag. *[The Mobility House Energy](https://mobilityhouse-energy.com/de_de/news/artikel/mit-dem-elektrofahrzeug-zu-hause-geld-verdienen-mercedes-benz-startet-bidirektionales-laden-in-deutschland): V2G-Angebot mit Mercedes-Benz. *[Elli](https://shop.elli.eco/de-DE/campaign/vehicle2grid): angekündigtes V2G-Flow-Angebot, derzeit Registrierung möglich, alle Stand Oktober 2026.

E.ON bietet mit BMW bereits einen V2G-Tarif samt Einspeisevertrag an. Das System vergütet unter anderem die Zeit, in der das Fahrzeug für V2G angeschlossen bleibt.

Mercedes-Benz und The Mobility House Energy haben im Oktober 2026 ebenfalls ein kommerzielles Gesamtpaket gestartet. Fahrzeug, bidirektionale DC-Wallbox, App und Stromtarif werden dabei als System kombiniert.

Bei Elli und dem Volkswagen-Konzern sieht die Sache Ende Oktober noch etwas anders aus: Das Produkt ist detailliert angekündigt, Interessenten können sich registrieren, die Angebotsseite weist aber weiterhin darauf hin, dass sie informiert werden, sobald das Angebot verfügbar ist.

Das zeigt ziemlich gut, wo der Markt gerade steht: V2G existiert in Deutschland. Einen offenen Massenmarkt gibt es aber noch nicht.

Auch eine Photovoltaikanlage kann derzeit zum Stolperstein werden. Das V2G-Angebot von Elli lässt sich zum Start nicht mit einer PV-Anlage kombinieren (Balkonkraftwerke ausgenommen). Doch ausgerechnet das ist die Kombination, die für viele Eigenheimbesitzer besonders interessant wäre.

 

Die linke Seite ist schon in vielen Haushalten Realität, die rechte Seite hat noch Exotenstatus. Grafik KI-generiert

 

Was brauchst du heute für bidirektionales Laden?

Wenn du heute einsteigen möchtest, reicht ein Auto mit dem hübschen Werbehinweis „bidirektional vorbereitet“ nicht. Du brauchst je nach Anwendung:

  • ein vom Hersteller tatsächlich für die gewünschte Funktion freigegebenes E-Auto
  • eine kompatible bidirektionale Ladeeinrichtung (derzeit meist DC, theoretisch AC möglich)
  • eine fachgerecht geplante und angemeldete Installation
  • für V2G ein passendes Messkonzept und bei aktuellen Tarifen ein intelligentes Messsystem
  • einen Anbieter, der dein Fahrzeug und deine Hardware unterstützt
  • bei V2G einen passenden Strom- beziehungsweise Vermarktungsvertrag
    Für die elektrische Installation und Rückspeisung gelten dagegen die technischen Anschlussregeln. Das Gesamtsystem muss also zum Netz passen, nicht nur zum Auto.

 

Was fehlt für den echten Massenmarkt?

Der Rechtsrahmen ist inzwischen wesentlich weiter als noch 2024. Es geht nach der grundsätzlichen Erlaubnis nun zunehmend darum, wie es unkomplizierter wird.

MiSpeL muss bei Netz- und Messstellenbetreibern umgesetzt werden, die steuerliche Behandlung von V2G kann noch einfacher werden, die herstellerübergreifende Kompatibilität muss wachsen. Und vor allem braucht es mehr Angebote, bei denen du nicht erst prüfen musst, ob Auto, Wallbox, Stromvertrag, PV-Anlage und Mondphase zufällig zusammenpassen.

Wer jetzt ein E-Auto kauft, sollte Bidirektionalität trotzdem im Hinterkopf behalten. Ein Grund, ein Fahrzeug allein deshalb auszuwählen, ist das heute aber noch nicht.

Wenn du dein aktuelles E-Auto zum Beispiel zugunsten eines bidirektional tauglichen Modells abgeben willst: Was dein E-Auto am Markt bringt, in 48h.

Quellen

Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung zur EnWG-Novelle, Drucksache 21/2793: Aufnahme bidirektionaler Ladepunkte in die anteilige Netzentgeltbefreiung nach § 118 Absatz 6 EnWG.

Bundesnetzagentur: MiSpeL-Festlegung vom 1. Oktober 2026: Abgrenzungs- und Pauschaloption, Messkonzepte sowie Übergangszeit bis Ende September 2027.

Coalition of the Willing on Bidirectional Charging (angestoßen vom Bundeswirtschaftsministerium): Kurzbericht der Arbeitsgruppe WG 3a zum rechtlichen Rahmen in Deutschland 2026: offene Fragen bei Stromsteuer und steuerlicher Behandlung von V2G.

Stromsteuergesetz: § 5a: Regelung zur Stromsteuer beim bidirektionalen Laden und direktem Verbrauch am Ladeort.

VDE FNN: VDE-AR-N 4105\:2026-03\: technische Anforderungen und Nachweisverfahren für rückspeisefähige Ladeeinrichtungen am Niederspannungsnetz.

ISO: ISO 15118-20: Kommunikationsstandard mit Anforderungen für bidirektionale Energieübertragung zwischen Fahrzeug und Ladeeinrichtung.

FAQ zu diesem Thema

Wann geht bidirektionales Laden in Deutschland wirklich?
Es geht bereits. V2H ist verfügbar, und seit 2025 gibt es auch erste kommerzielle V2G-Angebote. Der breite Markt folgt aber schrittweise. Bis Ende September 2027 läuft zudem die Übergangsphase für die neue MiSpeL-Regelung.
Ist bidirektionales Laden in Deutschland erlaubt?
Ja. Es gibt kein grundsätzliches Verbot. V2H und V2G müssen aber die technischen und energierechtlichen Vorgaben erfüllen. Besonders bei der Einspeisung ins öffentliche Netz kommen Messung, Netzanschluss und Vermarktung hinzu.
Was ist bei Netzentgelten der Unterschied zwischen V2H und V2G?
Bei V2H bleibt die Energie hinter deinem Netzanschluss und wird im eigenen Haushalt genutzt. Bei V2G fließt sie ins öffentliche Netz. Für rückgespeicherten Netzstrom gelten deshalb besondere Regeln zur Saldierung und Netzentgeltbefreiung.
Brauche ich für Vehicle-to-Grid ein Smart Meter?
Bei den aktuell angebotenen kommerziellen V2G-Lösungen gehört ein intelligentes Messsystem zu den Voraussetzungen. MiSpeL verlangt zudem eine klare Zuordnung der Strommengen. Welches Messkonzept nötig ist, hängt vom konkreten Anwendungsfall ab.
Welche Nachteile hat bidirektionales Laden derzeit?
Die größte Einschränkung ist aktuell weniger das Prinzip als das Ökosystem. Auto, Wallbox, Tarif und Messung müssen zusammenpassen. Viele Angebote sind noch herstellerspezifisch, mindestens eines schließt PV-Anlagen zunächst aus und auch steuerliche Detailfragen sind noch nicht vollständig geklärt.
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