Warum sind chinesische Modelle auf dem deutschen Markt teurer?

Chinesische Automobilhersteller wie BYD, MG oder Nio gelten als besonders kosteneffizient und bieten ihre Fahrzeuge im Heimatmarkt oft zu sehr niedrigen Preisen an. Dennoch zeigt sich in Deutschland ein anderes Bild: Die gleichen oder vergleichbaren Modelle sind hier deutlich teurer.
Wer einen BYD Yuan Plus in China kauft, zahlt umgerechnet unter 16.000 Euro (Stand: Juni 2025). In Deutschland kostet das gleiche Modell, was unter dem Namen BYD Atto 3 verkauft wird, mindestens 38.000 Euro und seit dem Facelift wird die neue Version EVO sogar erst ab 45.000 Euro verkauft (Stand: März 2026). Ähnlich verhält es sich bei Volkswagen: Das Modell ID.4 kostet in China je nach Ausstattung geschlagene 20.000 Euro weniger als auf dem deutschen Markt. Dabei handelt es sich um einen Preisunterschied von 50 Prozent (Stand: März 2026).
Das ist kein Einzelfall. Eine Studie des Bochumer Forschungsinstituts Center Automotive Research (CAR) zeigt, dass chinesische E‑Autos in Deutschland im Schnitt rund 118 Prozent teurer sind als im Heimatmarkt. Die Ursachen dafür sind vielfältig und werden in diesem Artikel betrachtet.

Was beeinflusst den Verkaufspreis chinesischer E-Autos in Europa?
Produktionskosten China vs. Deutschland
Die Produktionskosten sind ein wesentlicher Faktor bei der Preisgestaltung. Autohersteller können in China deutlich günstiger produzieren als in Deutschland oder Europa. Die Gründe dafür haben wir in diesem Artikel ausführlich beleuchtet. Daher werden Elektroautos aus China zwar hierzulande teurer verkauft, als auf dem Heimatmarkt, sie sind jedoch meist noch immer günstiger, als vergleichbare Modelle europäischer Marken.
Dennoch profitieren europäische Käufer:innen nur begrenzt davon, dass chinesische Elektroautos günstiger produziert werden, denn die Preisstruktur hängt stark vom Zielmarkt ab. Gleichzeitig zwingt der extreme Wettbewerb in China die Hersteller, ihre Fahrzeuge dort deutlich günstiger anzubieten – ein Druck, der in Europa nicht in diesem Ausmaß existiert.
Marktstrategie: Positionierung statt Preiskampf
Während in China ein intensiver Preiskampf herrscht, verfolgen viele chinesische Hersteller in Europa eine andere Strategie. Der chinesische Markt ist von Überkapazitäten und starkem Wettbewerb geprägt, was zu extrem niedrigen Preisen führt. In Europa hingegen kalkulieren Hersteller oft mit höheren Gewinnspannen und positionieren ihre Fahrzeuge in einem höheren Preissegment. Ein BYD Seal etwa bringt dem Hersteller in der EU laut Analysen deutlich mehr Gewinn pro Fahrzeug als in China, selbst mit Importzöllen einberechnet. Kurz gesagt: Die höheren Preise sind teilweise bewusst gesetzt und nicht ausschließlich durch reale Mehrkosten bedingt.
Importzölle und Handelspolitik der EU
Ein wesentlicher Preistreiber für importierte Fahrzeuge aus China sind Importkosten und staatliche Abgaben. Dazu zählen auch die EU-Importzölle. Neben dem regulären EU-Zollsatz von 10 Prozent kommen seit 2024 zusätzliche Strafzölle hinzu, die je nach Hersteller stark variieren können. Insgesamt können sich die Abgaben auf über 45 Prozent summieren.
Diese Maßnahmen sollen europäische Hersteller vor staatlich subventionierter Konkurrenz schützen, führen aber unmittelbar zu höheren Endpreisen für Verbraucher:innen.
Anpassungen für den europäischen Markt
Automodelle werden an ihren Zielmarkt angepasst – das ist per se nichts Ungewöhnliches. Unterschiedliche Vorschriften, was beispielsweise Sicherheits- oder Emissionsstandards betrifft, müssen für die Zulassung erfüllt werden. Daher passen Hersteller ihre Modelle an, sodass vermeintlich gleiche Modelle oft gar nicht baugleich sind. So verhält es sich auch auf dem deutschen bzw. chinesischen Markt für Elektroautos.
Modelle, die in Europa verkauft werden, müssen nicht baugleich zu ihren chinesischen Pendants sein. Die Anpassungen, die zur Typzulassung notwendig sind, können sowohl die Produktionskosten als auch den Verkaufspreis erhöhen.

Der BYD Atto 3, der eingangs bereits erwähnt wurde, wird in China als BYD Yuan Plus verkauft. Obwohl die Modelle technisch die gleiche Grundplattform nutzen und weitgehend baugleich sind, unterscheiden sich die Versionen hinsichtlich der Ausstattung und bei den Facelifts. Während der chinesische Yuan Plus ein eigenes Update bekommen hat, wurde auf anderen Märkten das Facelift Evo eingeführt. Dabei wurden beide Versionen auf eine Plattform mit Hinterradantrieb umgestellt, jedoch wurde das Design der neuen, größeren chinesischen Version weiterentwickelt.
Nun könnte man glauben, dass europäische Modellversionen im Vergleich zu China aufgrund höherer Ansprüche besser ausgestattet sein müssten, doch es handelt sich um einen Trugschluss. Durch den enormen Wettbewerb auf dem chinesischen Markt stehen Hersteller dort unter Druck, sich gegenseitig mit einem Maximum an Technik für möglichst niedrige Preise zu überbieten. Infolgedessen sind viele chinesische Modelle für den heimischen Markt ausgestattet mit größeren Batterien und leistungsstärkeren Motoren, mehr Leistung, besseren Bildschirmen oder fortschrittlicheren Fahrassistenzsystemen. Exportversionen für Europa hingegen basieren oft auf derselben Plattform, verfügen jedoch über vereinfachte Batterien oder weniger Ausstattung.
Logistik, Transport und Vertrieb
Um ihre Elektroautos auf dem europäischen Markt verkaufen zu können, müssen chinesische Hersteller den neuen Markt erschließen. Dieser Prozess geht nicht nur damit einher, dass Fahrzeuge oder Fahrzeugteile nach Europa exportiert werden müssen, sondern auch damit, dass ein lokales Handelsnetz, Servicestellen oder Marketing aufgebaut werden. Zudem haben einige chinesische Hersteller inzwischen in eigene, europäische Produktionsstätten investiert, wie beispielsweise BYD in Ungarn. Dabei unterliegen die Hersteller europäischen Kostenstrukturen, was beispielsweise Lohn oder Materialkosten angeht und diese Faktoren schlagen sich direkt im Endpreis nieder.
Wie performen gebrauchte chinesische Elektroautos?
Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie sich der Preis für chinesische Elektroautos auf dem Gebrauchtwagenmarkt gestaltet und entwickeln könnte. Bisher spielen sie mit weniger als einem Prozent der Inserate eher eine Nebenrolle, da sie noch nicht besonders lang vertreten sind. Der Gebrauchtwagenmarkt für chinesische Elektroautos ist noch zu jung, um stabile Trends zu zeigen. Diese Dynamik dürfte jedoch in Zukunft an Fahrt aufnehmen.
Aktuell sind die Marken von einem überdurchschnittlich hohen Wertverlust gekennzeichnet: Modelle wie der MG4 oder BYD Atto 3 verlieren 13 bis 17 Prozent pro Jahr, manche sogar noch mehr. Mögliche Gründe dafür könnten die geringe Markenbekanntheit sein sowie eine Unsicherheit bei potenziellen Käufer:innen, was die Langzeitqualität der Elektroautos angeht. Das Made-in-China-Stigma haftet den Fahrzeugen an. Chinesische Elektroautos kosten oft als Neuwagen hierzulande bereits weniger als vergleichbare Modelle europäischer Hersteller. Als Gebrauchtwagen sind sie jedoch in Relation noch günstiger und könnten sich dann besonders lohnen.
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Zusammengefasst: Wie setzt sich der Preis chinesischer E-Autos zusammen?
Wesentlich für den Verkaufspreis von Elektroautos sind sowohl die Produktionskosten, die in China bedeutend günstiger sind als in Deutschland, als auch weitere Faktoren, die marktstrategischer, politischer oder regulatorischer sowie logistischer Natur sind.
Dass chinesische Elektroautos in Deutschland teurer sind, liegt an der Marktsituation allgemein, an Zöllen für Fahrzeuge oder Autoteile, besonderen Vorschriften in Sachen Sicherheit oder Nachhaltigkeit sowie an der logistischen Umsetzung von Produktion und Vertrieb auf einem neuen Markt.
Langfristig könnte sich dieses Bild jedoch verändern, denn angesichts wachsender Konkurrenz und hohem Wertverlust auf dem Gebrauchtwagenmarkt könnten die Neupreise chinesischer Hersteller auch in Deutschland weiter sinken.
Quellen:
CnEVPost - BYD's global model Yuan Plus reaches 1 million sales milestone
Reisacher – BYD Atto 3 Konfigurator
BYD – Atto 3 EVO Konfigurator
Car News China - Volkswagen cuts ID.4 price in China, now starts bellow 20,000 USD / BYD profit in EU is 10x higher than in China and even with new 30% tariffs
Volkswagen – Konfigurator ID.4
Ad Hoc News - Preiskampf bei E-Autos
Deutschlandfunk - Die EU macht Ernst bei E-Autos aus China
Pandaily - BYD Puts on Display Several Models at Paris Motor Show
Drive.au - BYD Atto 3 new-gen set for China, unlike updated model for Australia
MyronCars - Chinese-Spec vs European-Spec Cars
Auto Motor Sport – Kaum einer will China-Autos
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