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Paul Kühl
Paul Kühl
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2026
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Blick vom Fahrersitz eines E-Autos an einem frostigen Wintermorgen, Eisblumen am Rand der Frontscheibe, KI-generiert

Minus zehn Grad in der Kältekammer des ADAC, sieben Elektroautos, darunter vier mit Wärmepumpe. Das Ergebnis des Tests von 2022: Die Autos mit Wärmepumpe brauchten zum Heizen ähnlich viel Energie wie die Modelle mit einfacher Heizung, ein signifikanter Effizienzvorteil war nicht messbar. Trotzdem ist die Wärmepumpe kein Marketing-Gag. Sie heizt den Innenraum mit Wärme aus der Umgebung statt nur mit Strom und spart vor allem bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Reichweite, laut Recurrent-Daten von über 30.000 Fahrzeugen rund zehn Prozent bei null Grad. Bei starkem Frost schrumpft der Vorteil. Nachrüsten lässt sie sich nicht, deshalb solltest du beim Gebrauchtkauf gezielt nachsehen, ob eine verbaut ist.

 

Warum braucht ein E-Auto überhaupt eine Wärmepumpe?

Ein Verbrenner heizt nebenbei. Sein Motor produziert so viel Abwärme, dass der Innenraum davon mitversorgt wird. Ein Elektromotor arbeitet so effizient, dass diese Abwärme fehlt, also muss der Strom für die Heizung aus dem Fahrakku kommen.

Die einfachste Lösung ist eine elektrische Widerstandsheizung, meist PTC-Heizer genannt. Sie funktioniert wie ein Föhn: Strom fließt durch ein Heizelement und wird zu Wärme, aus einer Kilowattstunde Strom wird höchstens eine Kilowattstunde Wärme.

Eine Wärmepumpe arbeitet wie eine Klimaanlage im Rückwärtsgang. Ein Kältemittel nimmt Wärme aus der Umgebungsluft und aus der Abwärme von Leistungselektronik und Antrieb auf, wird verdichtet und gibt die Wärme an den Innenraum ab. Weil sie Wärme verschiebt statt sie nur zu erzeugen, kann sie aus einer Kilowattstunde Strom mehr als eine Kilowattstunde Wärme machen. Wie gut das gelingt, hängt an der Außentemperatur: Je kälter es ist, desto weniger Wärme lässt sich aus der Luft holen.

 

Wie viel Reichweite spart die Wärmepumpe im Winter?

Der ADAC nennt für sein Ergebnis von 2022 keine Ursache. In den Recurrent-Daten schrumpft der Vorteil der Wärmepumpe bei sehr tiefen Temperaturen. Gemessen wurden unter anderem ein VW ID.3, ein BMW iX, ein Renault Zoe und ein Tesla Model Y mit Wärmepumpe gegen drei Modelle ohne Wärmepumpe: Hyundai Kona Elektro, VW e-Up und Fiat 500e.

Der ADAC hat dabei auch gemessen, wie viel Energie das Aufheizen kostet. Um den Innenraum von minus 10 auf plus 20 Grad zu bringen, brauchten der Hyundai Kona Elektro und der Fiat 500e je 1,5 kWh, das Tesla Model Y 1,6 kWh, der Renault Zoe 1,8 kWh, VW e-Up und BMW iX je 2,0 kWh, der VW ID.3 mit Wärmepumpe sogar 2,3 kWh.

Bei milderen Wintertemperaturen sieht es anders aus. Der Datendienst Recurrent hat im November 2025 Fahrdaten von über 30.000 Elektroautos in den USA ausgewertet. Bei null Grad behielten die Fahrzeuge im Schnitt 78 Prozent ihrer Reichweite, eine Wärmepumpe verlängerte die Reichweite bei dieser Temperatur um rund zehn Prozent.

Welche Faktoren außer der Temperatur an der Reichweite ziehen, steht in unserem Ratgeber Was die Reichweite wirklich beeinflusst.

 

Rechnet sich der Aufpreis für die Wärmepumpe?

Über die Stromrechnung praktisch nie. Bei vielen Modellen kostet die Wärmepumpe ab Werk rund 1.000 Euro Aufpreis (firmenauto, November 2024). Dem steht eine überschaubare Ersparnis gegenüber.

Eine Beispielrechnung mit offengelegten Annahmen: Du fährst im Jahr 5.000 Kilometer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und verbrauchst dabei 20 kWh pro 100 Kilometer, zusammen 1.000 kWh. Spart die Wärmepumpe davon rund zehn Prozent, sind das 100 kWh. Mit 34 Cent je Kilowattstunde, die das Bundesfinanzministerium für 2026 als Pauschale für das Laden des Dienstwagens zuhause ansetzt, ergibt das etwa 34 Euro im Jahr. Bis 1.000 Euro wieder drin sind, vergehen Jahrzehnte.

Bezahlt macht sich die Wärmepumpe, wenn überhaupt, in Reichweite statt in Euro: Um den Gefrierpunkt bringt sie laut Recurrent rund zehn Prozent mehr davon. Für reine Stadtfahrten mit Laden zuhause ist der Unterschied dagegen kaum zu spüren.

 

Welche Elektroautos haben eine Wärmepumpe?

Eine verlässliche Liste lässt sich nicht pauschal angeben, weil die Wärmepumpe bei vielen Modellen je nach Baujahr und Ausstattungsvariante mal Serie, mal Option und mal gar nicht verfügbar war. Beim Tesla Model 3 etwa gibt es Fahrzeuge mit und ohne Wärmepumpe, Recurrent führt beide Varianten deshalb in seinen Auswertungen getrennt.

Die Richtung ist trotzdem klar. Im Winter-Reichweitentest des ADAC vom Januar 2026 waren alle konkurrenzfähigen Fahrzeuge mit Wärmepumpe ausgestattet, der ADAC schreibt, sie gehöre inzwischen bei vielen Fahrzeugen zur Serienausstattung.

 

Woran erkennst du beim Gebrauchten, ob eine Wärmepumpe verbaut ist?

Frag den Verkäufer nach der ursprünglichen Bestellbestätigung und lass dir bei einer Markenwerkstatt oder dem Hersteller die Ausstattung zur Fahrgestellnummer bestätigen.

Eine Probefahrt hilft bei dieser Frage wenig. Dass ein Auto heizt und kühlt, sagt nichts darüber, ob die Wärmepumpe arbeitet. Für die vollständige Diagnose nutzen Werkstätten meist die Herstellersoftware. Worauf du beim Gebrauchtkauf sonst achten solltest, steht in Gebrauchtes E-Auto kaufen: worauf es ankommt.

Und falls die Wärmepumpe fehlt: Nachrüsten geht laut firmenauto nicht. Was beim Kauf nicht verbaut ist, bleibt draußen.

 

Warum die Wärmepumpe in die Fahrzeugbeschreibung gehört

Beim späteren Verkauf solltest du die Wärmepumpe nicht nur erwähnen, sondern mit der Ausstattungsliste belegen. Bei unserer Auktion mit über 200 Händlern aus zehn Ländern (inklusive Deutschland) können Händler mitbieten, nicht alle bieten auf jedes Auto. Ein Auto, dessen Ausstattung sauber dokumentiert ist, lässt sich von einem Händler im Ausland genauso einordnen wie von einem in Deutschland.

Ob ein Händler für die Wärmepumpe mehr bietet, hängt vom Modell und vom Gesamtbild ab, eine feste Summe gibt es nicht. Welche Faktoren den Wert eines E-Autos ansonsten bestimmen, zeigt unser Überblick Welche E-Autos ihren Wert halten. Das Angebot für dein eigenes Auto kommt aus unserer Auktion: Was dein E-Auto am Markt bringt, in 48h.

 

Quellen

ADAC: Wie gut ist die Heizung im Elektroauto? Studie (Dezember 2022)

ADAC: Stresstest E-Autos im Winter, Reichweite auf der Autobahn (Januar 2026)

Recurrent: Winter EV Range Loss (November 2025)

firmenauto: Wärmepumpe im E-Auto, Reichweite im Winter steigern (November 2024)

Rödl & Partner: Neue BMF-Regelungen zu Ladestrom ab 2026 (November 2025)

Kfz-Meisterbetrieb Dietrich: Wärmepumpe, PTC-Heizer und Klimaanlage im Elektroauto

FAQ zu diesem Thema

Wie sinnvoll ist eine Wärmepumpe im E-Auto?
Sinnvoll ist sie vor allem, wenn du im Winter oft bei Temperaturen um den Gefrierpunkt unterwegs bist. Dort verlängert sie die Reichweite laut Recurrent um rund zehn Prozent. Über die Stromersparnis allein holt sie ihren Aufpreis von rund 1.000 Euro aber kaum herein.
Welche Elektroautos haben eine Wärmepumpe?
Das hängt bei vielen Modellen vom Baujahr und von der Ausstattungsvariante ab, beim Tesla Model 3 gibt es etwa Fahrzeuge mit und ohne. Im ADAC-Wintertest vom Januar 2026 hatten alle konkurrenzfähigen Fahrzeuge eine Wärmepumpe. Sicher klärt das nur die Ausstattungsliste zur Fahrgestellnummer.
Kann man eine Wärmepumpe im E-Auto nachrüsten?
Nein. Eine Wärmepumpe lässt sich bei einem E-Auto laut firmenauto nachträglich nicht einbauen. Sie muss beim Neukauf ab Werk bestellt oder serienmäßig an Bord sein. Beim Gebrauchtkauf solltest du deshalb vorher prüfen, ob sie verbaut ist.
Wie viel Reichweite spart eine Wärmepumpe im Winter?
Bei null Grad verlängert eine Wärmepumpe die Reichweite nach Daten von über 30.000 Fahrzeugen um rund zehn Prozent. Bei starkem Frost schrumpft der Vorteil: Ein ADAC-Test bei minus zehn Grad fand keinen signifikanten Effizienzvorteil gegenüber einer einfachen elektrischen Heizung.
Wie erkenne ich, ob ein gebrauchtes E-Auto eine Wärmepumpe hat?
Frag den Verkäufer nach der ursprünglichen Bestellbestätigung und lass dir bei einer Markenwerkstatt oder dem Hersteller die Ausstattung zur Fahrgestellnummer bestätigen. Dass das Auto heizt, ist kein Beleg für eine funktionierende Wärmepumpe.
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